• vom 12.09.2017, 20:30 Uhr

Stadt & Land


Raumordnung

Bodenverbrauch mit schweren Folgen




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Von Karl Kienzl

  • Gastkommentar: Ein Viertel des gewidmeten Baulandes ist nicht bebaut. Diese Böden müssen geschützt werden.



Einkaufszentren, Gewerbeparks und Wohnsiedlungen sprießen an Österreichs Ortsrändern aus dem Boden wie kaum sonstwo in Mitteleuropa. Die Zentren veröden. Tatsächlich zählen wir beim Bodenverbrauch zu den Spitzenreitern in Mitteleuropa. Laut Erhebung des Umweltbundesamts wird in Österreich täglich eine Fläche von 14,7 Hektar verbaut. Das ist zu viel, wenn man den Zielwert von 2,5 Hektar pro Tag der österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie vor Augen hat. Maßnahmen sind gefragt, um den Bodenverbrauch in eine effiziente und nachhaltige Richtung zu lenken. Dabei spielt das Thema Baulandreserven eine wesentliche Rolle.

In den vergangenen 15 Jahren wurde in Österreich laut Statistik Austria um rund 24 Prozent mehr an Flächen verbaut. Das ist ein Plus von rund 1090 km² oder anders ausgedrückt: rund 2,5 Mal die Landesfläche von Wien. Diese Entwicklung ist dynamischer als das Bevölkerungswachstum von nicht einmal neun Prozent. Es ist eine Folge des zunehmenden Wohlstands.

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Während die durchschnittliche Wohnungsfläche im Jahr 1994 noch 86 m² betrug, lag sie im Jahr 2016 bei 99,3 m². Ein besonderes Problem ist dabei die Versiegelung des Bodens. 41 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen in Österreich sind durch wasserundurchlässige Schichten (Asphalt, Beton) abgedeckt. Das hat fatale Folgen: Für den Boden ist weder der Wasser- noch der Luftaustausch möglich, seine natürlichen Funktionen gehen verloren.



Wie wichtig der Boden für uns Menschen ist, erkennen wir oft, wenn es kritisch wird, etwa bei Überschwemmungen und Hochwasser. Ein unversiegelter, gesunder Boden kann bis zu zwei bis vier Millionen Liter pro Hektar aufnehmen. Beim derzeitigen Bodenverbrauch könnten täglich um weitere 20 Millionen Liter Wasser weniger gespeichert werden.

Bodenschutz ist daher auch Hochwasserschutz. Durch das Verbauen von wertvollem Acker- und Grünland für Verkehr, Industrie und Wohnbau verliert der Boden auch seine Fähigkeit, Kohlenstoff zu speichern. Er steht auch nicht mehr als wertvoller Naturraum oder für die landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung.

Baulandreserven reduzieren
Wir müssen daher mit unseren Böden sorgsamer umgehen. Nur mit Hilfe eines nachhaltigen und strategischen Flächenmanagements können wir den Verlust der Bodenfunktionen eindämmen. Klar ist auch, dass wir jetzt handeln müssen, zum Wohle künftiger Generationen.

Eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes beschäftigt sich mit der Entwicklung von Baulandreserven, einem wichtigen Hebel, um den Bodenverbrauch einzudämmen: In Österreich sind derzeit 305.000 Hektar als Bauland gewidmet, allerdings sind davon 80.900 Hektar, das sind 26,5 Prozent, gar nicht bebaut. Zwischen den einzelnen Bundesländern gibt es große Unterschiede. Baulandreserven zu reduzieren, bedeutet, tausende Hektar Boden vor der Verbauung zu retten.

Das Bundesland Salzburg zeigt, wie das gelingen kann. Ein wesentlicher Punkt des neuen Salzburger Raumordnungsgesetzes ist die Mobilisierung von gewidmetem Bauland. Diese soll durch die Bereitstellung eines "Infrastruktur-Bereitstellungsbeitrags" erreicht werden. Wird erschlossenes Bauland nicht widmungsgemäß genutzt, ist dennoch ein Beitrag für die bereitgestellte Infrastruktur zu entrichten. Darüber hinaus wird im neuen Gesetz erstmals der Begriff der Zersiedelung definiert.

In den neuen, räumlichen Entwicklungskonzepten sind die Siedlungsschwerpunkte der Gemeinden auszuweisen. In diesen soll künftig die überwiegende Entwicklung der Gemeinden stattfinden. Damit werden Stadt- und Ortskerne gestärkt. Die Ansiedelung von neuen Märkten erfolgt künftig nach strengen Kriterien.

Eine Forderung, die seit langem auch vom Umweltbundesamt erhoben wird, ist die Einführung eines bundeseinheitlichen, strategischen Flächenmanagements. Das bedeutet, dass regionalisierte Zielwerte für die maximale Inanspruchnahme von Boden und die Berücksichtigung der Bodenfunktionen in den entsprechenden Gesetzen verankert werden. Auch die Schaffung von Vorrangflächen für die landwirtschaftliche Produktion, für Hochwasser-Rückhaltung und für Gebiete zur Aufrechthaltung der ökologischen Funktionsfähigkeit ist rechtlich zu definieren.

Eines ist klar: Geht die Zerstörung des Bodens weiter wie bisher, werden uns die Böden in Zukunft nicht mehr versorgen können. Es braucht die gemeinsame Anstrengung von Bund, Ländern und Gemeinden, dieser Entwicklung vorzubeugen.

Zum Autor

Karl

Kienzl

ist stellvertretender Geschäftsführer des Umweltbundesamtes




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Dokument erstellt am 2017-09-12 16:06:09



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