• vom 26.09.2017, 15:52 Uhr

Stadt & Land


Gemeinde-Kooperationen

Das Ende der Konkurrenz




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Von Simon Rosner

  • Acht Gemeinden im Marchfeld schließen sich zum größten kommunalen Wirtschaftsverband zusammen.



Aderklaa. Rein statistisch hören die Aderklaaerinnen und Aderklaaer beinahe alle zwei Sekunden "Wrooooom". Pro Tag fahren nämlich in der kleinen Gemeinde im Marchfeld, unmittelbar vor Wien, 40.000 Autos vorbei. Es sind in erster Linie Pendler, die nach Wien zur Arbeit fahren und von dort wieder zurück. "Es blockiert alles", sagt Bernhard Wolfram, Landwirt und Bürgermeister der kleinen Gemeinde.

Der enorme Verkehr ist auch einer der Gründe, weshalb es für die Gemeinden entlang der B8 bis hinauf nach Gänserndorf immer schwieriger wurde, neue Betriebsgebiete zu widmen. Denn als Aufsichtsbehörde hat das Land Niederösterreich Einfluss auf diese Entscheidungen, und was früher alles ging, geht heute nicht mehr.


So wäre etwa das extrem weitläufige Gewerbegebiet vor dem Kreisverkehr in Gänserndorf, eine wirklich traurige Ode an die Baustoffe Blech und Beton, heutzutage nicht mehr möglich. Dem entgegen steht das Bedürfnis der Gemeinden, Betriebe in der Region anzusiedeln, die Notwendigkeit des Pendelns zu reduzieren. Arbeitsplätze bedeuten für die Gemeinden auch Geld über die Kommunalsteuer.

Acht Gemeinden im Marchfeld, darunter eben auch Aderklaa und Gänserndorf, werden sich künftig in einem Wirtschaftsverband zusammenschließen und gemeinsam Betriebsgebiete vermarkten. Bis Mitte Oktober sollen in allen Gemeinden (auch Deutsch-Wagram, Obersiebenbrunn, Markgrafneusiedl, Parbasdorf, Raasdorf und Strasshof) die notwendigen Beschlüsse vorliegen.

"Es geht hier auch um Bodenschonung. Damit nicht mehr im Grünland gebaut wird", sagt Bürgermeister Wolfram. Grundsätzlich sei der Raum durch die Nähe zu Wien attraktiv, dennoch hänge die weitere Zukunft vom Bau hochrangiger Straßen ab, also der geplanten S8 durch das Marchfeld mit Anbindung an die Wiener Außenring Schnellstraße S1.

Interkommunale Kooperation ist in der Region hier nicht neu. Es gibt Verbände für Abfallwirtschaft und Abwasser, und auch in Sachen Bildung vom Kindergarten bis zu den Pflichtschulen, arbeiten die Gemeinden zusammen.

Doch wenn es um Betriebsansiedlungen geht, endet in der Regel die Leidenschaft für die interkommunale Zusammenarbeit. Denn da geht es um Geld, um Steuereinnahmen. Doch es wird mehr und mehr alternativlos, dass Gemeinden kooperieren statt in Konkurrenz zu treten, das weiß auch Bernhard Wolfram. Und das wissen auch seine Bürgermeisterkollegen, die über Parteigrenzen hinweg vier Jahre lang an diesem Projekt gearbeitet haben.

"Wollen keine Schlafstädte sein"
Das Land Niederösterreich war von Beginn an begleitend dabei, ebenso das von Wien und Niederösterreich gemeinsam finanzierte und organisierte "Stadt-Umland-Management". Das Marchfeld-Projekt musste schließlich auch in eine legistische Form gebracht und Raumordnungskonzepte entwickelt werden. Und natürlich wurde auch lange über die Aufteilung der Steuereinnahmen debattiert.

Die Standort-Gemeinde eines neuen Betriebes erhält 82,5 Prozent der Einnahmen, der Rest teilt sich auf die übrigen sieben Orte auf. Darunter findet sich auch Parbasdorf, das selbst gar keine Flächen für mögliche Gewerbegebiete anbieten kann. "Es gibt aber keine Standortkonkurrenz", sagt Wolfram. Man begreift sich als Region, um gemeinsam Chancen zu realisieren, die mit dem Bau der S8 kommen werden, die von den Gemeinden alleine aber nicht wahrgenommen werden können. "Wir sind eingebettet zwischen zwei Hauptstädten", sagt Bürgermeister Wolfram. "Und wir wollen keine Schlafstädte sein."




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Dokument erstellt am 2017-09-26 15:57:07



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