• vom 07.11.2017, 16:31 Uhr

Stadt & Land

Update: 07.11.2017, 18:36 Uhr

Lebensqualität

Österreich kann nicht jammern




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  • Zum fünften Mal hat die Statistik Austria die Lebenszufriedenheit der Menschen in Österreich untersucht.

Die subjektive Lebenszufriedenheit ist insgesamt hoch.

Die subjektive Lebenszufriedenheit ist insgesamt hoch.© APAweb, dpa, Peter Kneffel Die subjektive Lebenszufriedenheit ist insgesamt hoch.© APAweb, dpa, Peter Kneffel

Wien. Seit einigen Jahren fragt die Statistik Austria die Menschen in Österreich nach dem Befinden. Sie tut dies nicht nur mittels einer simplen "Wie geht’s"-Frage, sondern auch auf Basis von zahlreichen Daten. Hintergrund ist, dass das Bruttoinlandsprodukt, an dem sich das Wirtschaftswachstum bemisst, als Maßstab für den Wohlstand einer Gesellschaft nicht wirklich ausreichend ist.

Daher ist es sinnvoll, tiefer zu blicken. Lebenszufriedenheit hat eben nicht nur mit der Entwicklungskurve des BIP zu tun. Es geht um die Verteilung von Wohlstand, der Verfügbarkeit und Qualität von Natur, um das subjektive Sicherheitsgefühl und andere Indikatoren. Wenn man den Österreicherinnen und Österreichern nun die Frage nach dem Befinden stellt, ist die statistische Antwort - ins Österreichische übersetzt: "Danke, wir können nicht klagen." Grund zum Jammern gibt es jedenfalls wenig. Statistisch. "Wir befinden uns auf einem sehr hohen Wohlstandsniveau - jetzt sehen wir auch wieder mehr Dynamik in der Wirtschaftsentwicklung", sagt Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer. In den vergangenen Jahren sei es nicht so sicher gewesen, dass dieses im europaweiten Vergleich hohe Niveau gehalten werden kann.



Die Eckdaten: Die reale Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) pro Kopf erhöhte sich 2016 gegenüber dem Jahr davor ein wenig um 0,2 Prozent; das BIP insgesamt stieg um 1,5 Prozent deutlich stärker - es musste also auf mehrere Personen verteilt werden. Der Konsum pro Kopf verstärkte sich im Vorjahr um 0,4 Prozent. Das Einkommen nahm um 1,4 Prozent zu. "Das heißt, die Konsummöglichkeiten sind gestiegen", so Pesendorfer.


Nach dem BIP pro Kopf in Kaufkraftstandards liegt Österreich im EU-Vergleich an vierter Stelle hinter Luxemburg, Irland und den Niederlanden. Zudem sei den Prognosen der Wirtschaftsforscher zufolge hierzulande 2017 und 2018 "ja eine deutliche Aufhellung am Konjunkturhimmel" zu erwarten.

Die subjektive Lebenszufriedenheit ist insgesamt hoch; allerdings haben sich die Arbeitslosigkeit mit einer Quote von zuletzt sechs Prozent sowie auch die Teilzeitquote erhöht. Österreich gehört der Statistik zufolge aber immer noch zu den Ländern mit den niedrigsten Arbeitslosenquoten in Europa. In den EU-28-Staaten liegt der Schnitt bei 8,6 Prozent. "Um die und über 20 Prozent" betrage die Arbeitslosigkeit in Ländern wie Kroatien, Spanien und Griechenland, merkt die Leiterin der Statistik-Austria-Analyseabteilung Alexandra Wegscheider-Pichler, an. Positiv zu vermerken ist die "sehr gute Arbeitsproduktivität" in Österreich.

Langfristig betrachtet gibt es aber ein Auseinanderdriften der unteren und oberen Einkommen. Während die Einkommen im obersten Viertel seit 1998 real um 2,9 Prozent gewachsen sind, sind sie im untersten Viertel um 19 Prozent geschrumpft. Pesendorfer verwies in diesem Zusammenhang auf sich verändernde Strukturen auf dem Arbeitsmarkt: "Das heißt, es gibt immer weniger stabile Beschäftigungsverhältnisse", sagt Pesendorfer.

Der Anteil der armuts- bzw. ausgrenzungsgefährdeten Menschen hat sich der Datenlage zufolge zwischen 2008 und 2016 von 20,6 auf immer noch 18 Prozent verringert. Der EU-Schnitt liegt bei 23,4 Prozent - besonders schlecht geht es den Griechen, Rumänen und Bulgaren. Drei Prozent der Österreicher lebten 2016 in Wohnungen mit sehr schlechtem Standard, es fehlten Dusche, Bad oder WC, die Wände oder Böden waren feucht oder die Räume dunkel.

Auf der Umweltseite punktet Österreich mit einer deutlichen Absenkung der Treibhausgasemissionen seit 2005 (bis 2015) um 14,9 Prozent, allerdings von einem im europaweiten Vergleich hohen Niveau aus. In der EU liegt Österreich damit nur an 18. Stelle; im Verkehrsbereich seien die Emissionen zwischen 1995 und 2015 hierzulande sogar um 40,5 Prozent gestiegen. Der Lkw-Verkehr hat stark zugenommen. Auch der Energieverbrauch legte langfristig (1995 bis 2016) um fast ein Drittel zu, in den EU-28-Ländern aber nur um 0,1 Prozent (bis 2015).

Ein bedeutsames Thema ist aber die Flächennutzung und Verbauung, sie stieg von 2001 bis 2016 um 24,1 Prozent an, während die österreichische Bevölkerung in diesem Zeitraum nur um 8,7 Prozent wuchs. Die Neuinanspruchnahme lag laut Statistik im Durchschnitt 2013 bis 2016 bei 14,7 Hektar pro Tag.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-07 16:35:10
Letzte nderung am 2017-11-07 18:36:15



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