• vom 28.11.2017, 07:30 Uhr

Stadt & Land

Update: 29.11.2017, 08:40 Uhr

Bodenverbrauch

Gemeinden als Großgrundbesitzer




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Von Gerald Mathis

  • Warum es wichtig ist, dass sich Gemeinden und Regionen aktiv am Immobilienmarkt beteiligen.



Blick über Dornbirn. Die Stadt im Rheintal betreibt seit Jahren aktives und unternehmerisches Flächenmanagement.

Blick über Dornbirn. Die Stadt im Rheintal betreibt seit Jahren aktives und unternehmerisches Flächenmanagement.© Calin/stock.adobe.com Blick über Dornbirn. Die Stadt im Rheintal betreibt seit Jahren aktives und unternehmerisches Flächenmanagement.© Calin/stock.adobe.com

Es ist höchste Zeit, dass sich Kommunen und Regionen unternehmerisch aktiv am Immobilienmarkt beteiligen. Eine nachhaltige Standortentwicklung ist andernfalls nicht möglich, und die Bedeutung des Flächenmanagements darf nicht unterschätzt werden. Sie ist zentrales Instrument für eine gute und gesunde gesellschaftliche Entwicklung.

Das zeigt sich bei einem Blick über die Grenzen, nach Großbritannien, wo derzeit vor dem Hintergrund des eklatanten Mangels an leistbarem Wohnraum in vielen Regionen eine Diskussion über Grundstücks- und Immobilienwerte aufflammt. Wurde der Gesamtwert aller Wohnimmobilien 1995 noch auf etwa 1,2 Billionen Pfund geschätzt, steht dieser Wert in den aktuellsten Statistiken bereits bei 5,48 Billionen Pfund. Der Wert von Wohnimmobilien in Großbritannien hat sich also fast verfünffacht, der Wert von anderen Immobilien zumindest mehr als verdoppelt.

Information

Prof. Gerald Mathis ist Geschäftsführer des ISK Institut für Standort-, Regional- und Kommunalentwicklung in Dornbirn und Leiter des internationalen Hochschullehrganges für Standort- und Regionalmanagement an der FH Vorarlberg. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt er sich mit Fragen der aktiven Bodenpolitik. Das ISK begleitet u.a. auch die operative Umsetzung derartiger Projekte. ISK

Die Folge: Vermögenswerte in Form von Wohnimmobilien machen mittlerweile etwa 62 Prozent des Nettovermögens in Großbritannien aus, die Wohneigentumsquote ist dagegen auf dem niedrigsten Stand seit 1985. Ein immer kleinerer Teil der britischen Bevölkerung verfügt also über ein immer größeres Vermögen in Form von Immobilien. Die steigenden Grundstücks- und Immobilienpreise sind aber weder innovativ noch produktiv, vielmehr stellen sie unter Umständen ein Problem dar. Für die Wirtschaft ist es Wachstumshemmnis, wenn die Preise für gewerbliche Immobilien steigen, Kommunen und Regionen müssen für ihre Entwicklung und ihre Infrastruktur ebenfalls mehr zahlen. Mit anderen Worten: Wenige profitieren, der Rest zahlt dafür.

Was hat das mit dem Flächenmanagement hierzulande zu tun? Großbritannien mag weit weg sein, das Auseinanderdriften der Gesellschaft ist aber auch in Österreich ein Thema. Durch eine Vielzahl von Studien und Expertisen ist bekannt, dass dort, wo Vermögen breiter gestreut ist, wo soziale Unterschiede niedriger sind, eine bessere gesellschaftliche und soziale Qualität zu finden ist, weniger Kriminalität und eine höhere Gesamtzufriedenheit.

Und auch in Österreich sind die Immobilienpreise in den vergangenen Dekaden um ein Vielfaches gestiegen. Die statistischen Quellen sind zwar teilweise unzulänglich, doch allein für den Zeitraum von 2010 bis 2016 kann eine Wertsteigerung von Wohnimmobilien um 30,2 Prozent festgestellt werden. Und in Vorarlberg ist die Preisentwicklung noch dynamischer. In Teilen des Rheintals haben Immobilienwerte eine Steigerung von bis zu 400 Prozent erfahren. Dies schlägt sich, ähnlich wie in Großbritannien, in einer sinkenden Wohneigentumsquote nieder, und auch für Unternehmen wird es immer schwieriger, entsprechende Gewerbe- und Immobilienflächen zu bekommen. Das gilt besonders für kleine und mittlere Unternehmen, die 99,7 Prozent aller heimischen Unternehmen ausmachen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-28 16:47:09
Letzte nderung am 2017-11-29 08:40:05



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