• vom 11.12.2017, 11:57 Uhr

Stadt & Land

Update: 13.12.2017, 08:50 Uhr

Dezentralisierung

Was niemandem nützt




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Bernhard Müller


    Nahezu überfallsartig hat Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter mit dem Beginn der Koalitionsverhandlungen angekündigt, das Bundesumweltamt von Wien nach Klosterneuburg zu verlegen. Weitere Behördenumsiedelungen sollen im Rahmen des "Masterplans für den ländlichen Raum" folgen. Der Umzug des Umweltbundesamtes inklusive Neubau auf der grünen Wiese kostet laut übereinstimmenden Medienberichten 46 Millionen Euro und macht einen Großteil der rund 500 Beschäftigten zu Pendlern. Hans Rauscher hat im "Standard" treffend bemerkt, dass Klosterneuburg "praktisch ein Villenvorort von Wien" ist und mit ruralen Regionen und ihren Sorgen nichts gemein hat. Dennoch ist ein Umdenken nicht in Sicht.

    Laut Plan von Minister Rupprechter sollen in den nächsten Jahren 3500 Jobs von Bundesbehörden in die Regionen wechseln. Niederösterreich zieht nun nach und will mit der "Offensive ländlicher Raum 2017-2022" 500 Arbeitsplätze dezentralisieren.

    Information

    Bernhard Müller ist Generalsekretär des Urban Forum im Egon Matzner-Institut für Stadtforschung.

    Jeder politische und wirtschaftliche Ansatz, wirklich dislozierten Räumen, weit abseits von urbanen und regionalen Zentren zu helfen, kann nur begrüßt werden. Aber dabei muss stets die Frage "Cui bono" Leitfaden des eigenen Handelns sein.

    Übersiedlung nützt niemandem

    Bei der geplanten Umsiedelung von Bundesbehörden kommt man aber leider rasch zur Erkenntnis, dass dies niemandem nützt:

    1. werden durch den Umzug enorme Kosten verursacht, was Mittel aus den Fördertöpfen von Bund und Ländern bindet, die dringend für echte Regionsbelebungsmaßnahmen benötigt werden.

    2. werden keine neuen Arbeitsplätze geschaffen.

    3. entstehen für die neuen Standortgemeinden der Behörden keine zusätzlichen Einnahmen, da Bundesbedienstete nicht der Kommunalsteuerpflicht unterliegen.

    4. werden tausende Menschen zu Pendlern gemacht, was weder deren Lebensqualität entgegenkommt, noch dem Umweltgedanken der kurzen Wege entspricht.

    Zusammen gefasst lässt sich sagen, dass damit das vom Landwirtschaftsministerium ausgegebene Ziel, die Landflucht zu stoppen, keineswegs erreicht wird.

    Was Österreich wirklich braucht, sind nicht teure Behördenverlegungen, sondern eine Abkehr von "Groß gegen Klein" und ein Hin zum "Denken in Regionen". Der ländliche Raum als Lunge Österreichs wird nur dann lebensfähig sein, wenn die urbanen und regionalen Zentren als starkes Herz für die Regionen schlagen.

    Es kann gelingen, Regionen zu prosperierenden und lebenswerten Räumen zu machen, wenn alle handelnden Personen an einem Strang ziehen. Als gelernter Österreicher verzagt man zuweilen an der Nicht-Umsetzung von Goethes Credo: "Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun."





    Leserkommentare




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2017-12-11 12:02:03
    Letzte nderung am 2017-12-13 08:50:01



    Ortsnamen

    Es geht nur um Häuser. . .

    - © Gemeinde Sexling Man wird es sich denken können: Der Name des kleinen 200-Einwohner-Dorfes in der Gemeinde Rohrbach-Berg im Oberen Mühlviertel hat mit dem Sexuellen... weiter




    Woher kommt der Ortsname?

    Einst der Poldi, nun der Witz

    - © Gemeinde Engerwitzdorf Bereits die Neandertaler wussten um die Vorzüge von Engerwitzdorf nebst Gallneukirchen Bescheid. Sie ließen sich in der Umgebung nieder... weiter





    Werbung




    Werbung


    Werbung