• vom 29.08.2017, 14:19 Uhr

Stadt & Land

Update: 29.08.2017, 14:27 Uhr

Ortsnamen

Es geht nur um Häuser. . .




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    © Gemeinde Sexling © Gemeinde Sexling

    Man wird es sich denken können: Der Name des kleinen 200-Einwohner-Dorfes in der Gemeinde Rohrbach-Berg im Oberen Mühlviertel hat mit dem Sexuellen nichts gemeinsam. Im Gegenteil. Die Namensgebung hat einen sagenhaften und sprachlichen Hintergrund. Urkundlich wird Sexling erstmals im
    13. Jahrhundert in der Zeit des Mittelhochdeutschen als "Sehsling iuxta Rorbach" erwähnt.

    Eine Sage erzählt, dass im Jahr 1544 "Hanns von Sexling" als Lehensträger der Pfarrkirche St. Jakobus in Rohrbach ernannt wurde. Als Lehensträger hatte man ein ausgedehntes Nutzungsrecht an einer fremden Sache. Sprachlich hängt der Ausdruck "Lehen" mit "leihen" zusammen, bedeutet also so viel wie "geliehenes Gut".

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    Wer genau dieser Hanns war, ist auch der Gemeinde nicht bekannt, man weiß nur, dass er urkundlich erwähnt wurde. Die Sage erzählt dann weiter von einem unterirdischen Fluchtgang vom früheren Schloss Berg bis zum Zizlbauer, dem heutigen Ferienhof Leitner. Manche behaupten, dieser Geheimgang bestehe nach wie vor, weil der Zizlbauer nach dem Frühschoppen im Gasthaus Veit manchmal plötzlich verschwunden ist und nach kürzester Zeit in der heimischen Bauernstube schon den Tisch deckt. . .

    In Wirklichkeit kommt der Name des beschaulichen Dorfes im Mühlviertel aber daher, dass der Ort früher aus sechs Häusern bestand. 1787 wurden bei der systematischen Landvermessung sechs Güter festgestellt. Im Lateinischen wurde "sechs" mit einem "x" geschrieben, doch trotz der Umstellung im 19. Jahrhundert behielt der Ort seinen ursprünglichen Namen, also Sexling.

    Dies ist kein Einzelfall, denn in der Gemeinde gibt es auch die Orte Fürling (was so viel bedeutet wie Vierling) und Neundling, wo es jeweils vier beziehungsweise neun Häuser gab. Da die Anwohner oft mit moralischen Bedenken zu kämpfen hatten, nannte man die Ortschaft inoffiziell aber "Sechsling".

    Das Dorf Sexling zählte im Jahr 1913 bereits 87 Einwohner, im Jahr 1930 waren es sogar schon 105. In den 1980er und 1990er Jahren hat sich das bebaute Gebiet von Sexling aufgrund eines starken Zuwachses von neuen Einfamilienhäusern stark vergrößert, und auch heute ist das Dorf durch die systematische Anlage einer Wohnsiedlung deutlich gewachsen. Bei der Volkszählung 2001 waren es bereits 201 Einwohner, heute besteht Sexling aus 59 Häusern und hat 205 Einwohner in 73 Haushalten.




    Schlagwörter

    Ortsnamen, Sexling

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-08-29 14:24:07
    Letzte nderung am 2017-08-29 14:27:05



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