
Wien. (ede/dpa) Bestechung, Zinsmanipulation, Steuerhinterziehung, Geldwäsche - fast täglich sorgt die Finanzbranche für Negativschlagzeilen. Jüngstes Beispiel: Die britische Großbank HSBC soll über Jahre Geldwäsche unterstützt und so Drogenhändlern und Terroristen in die Hände gespielt haben, lauten die Vorwürfe des US-Senats.
Der Ruf nach einer schärferen Aufsicht wird laut. Noch vor einem halben Jahr hatte sich Premierminister David Cameron schützend vor seine Banker gestellt und sich mit aller Macht gegen mehr Regulierung gestemmt. Die Vorschläge einer Expertenkommission, wie die Bankenbranche besser im Zaum zu halten wäre, nahm die konservative Regierung zwar an, schob aber ihre Umsetzung weitgehend auf die lange Bank. Die Haltung des Premiers ist verständlich: Schließlich bestreiten die Finanzhäuser zehn Prozent des britischen Bruttoinlandsproduktes - und das schrumpft derzeit ohnehin.
Seit gut zwei Wochen jedoch wird auch den größten Freunden der City of London deutlich vor Augen geführt, was ein schrankenloses Finanzwesen anzurichten in der Lage ist. Ausgerechnet die bisher als Saubermänner dastehenden Großbanken Barclays und HSBC sorgen für Aufregung. Der "Guardian" titelte am Mittwoch: "HSBC stellt sogar Barclays fast noch in den Schatten".
Der umgehende Rücktritt von HSBC-Chefaufsehers David Bagley ist für viele ein Zeichen, dass es an den Vorwürfen der US-Senatoren nichts zu beschönigen gibt. Bei Barclays musste Vorstandschef Bob Diamond von Zentralbank-Gouverneur Mervyn King regelrecht aus dem Amt gedrängt werden. Jetzt steht King selbst und damit eine Institution in der Kritik: Die Bank of England soll die Barclays-Geschäfte de facto billigend in Kauf genommen haben. Die Notenbank weist jede Mitschuld von sich. Vielen Fragen wird sich auch der derzeitige britische Finanzminister Stephen Green, ehemals Topmanager bei HSBC, stellen müssen.
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