• vom 08.08.2012, 15:57 Uhr

Geschäft

Update: 08.08.2012, 17:04 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (33)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Der Werberat stoppte heuer vor allem sexistische Werbekampagnen von Klein- und Mittelbetrieben

Nackte Tatsachen als Blickfang


Von Sophia Freynschlag

  • Werberat-Präsident: "Manchen fehlt Fingerspitzengefühl und Know-how".

An die Spielregeln halten müssen sich Werbetreibende.

An die Spielregeln halten müssen sich Werbetreibende.fotolia An die Spielregeln halten müssen sich Werbetreibende.fotolia

Wien. Ein Kärntner Holzbetrieb, der mit einem nackten Frauenoberkörper und dem Spruch "Wir haben jede Menge Holz..." warb, und eine in Folie gewickelte Frau als Blickfang für eine Linzer Verpackungstechnikfirma: Es sind immer wieder ähnliche Werbesujets, die vom Werberat gestoppt werden. "Manchen Unternehmen fehlt nach wie vor das Fingerspitzengefühl und das Know-how für gute Werbung, die sich an die Spielregeln hält", sagt Werberat-Präsident Michael Straberger.

Werbung

Von den neun Stopps der Selbstkontrollstelle bisher in diesem Jahr waren vor allem Klein- und Mittelbetriebe betroffen, die geschlechterdiskriminierende Motive ohne Bezug zum Produkt abbildeten. "Auch wenn die Provokation zum Teil beabsichtigt ist: Die Unternehmen tun sich damit nichts Gutes, weil Konsumenten negativ auf solche Werbung reagieren", sagt Straberger.

Auch der internationale Elektronikriese Sony wurde zum sofortigen Stopp seiner Kampagne aufgefordert. Der TV-Spot für die Spielkonsole Playstation Vita zeigt Kampfszenen aus dem Krieg, die Protagonisten rufen am Ende zum "Mitspielen" auf.

Voodoo-Puppe von bet-at-home erhitzte Gemüter
"Ein großer Aufreger" war laut Straberger heuer auch die Kampagne von bet-at-home anlässlich der Fußball-Europameisterschaft 2012. Zur Werbung des Online-Sportwettenanbieters, der bereits in den Vorjahren polarisierte, kamen heuer die meisten Beschwerden - nämlich 95 von insgesamt 260 bis 8. August.

Der Werberat rief bet-at-home zur Sensibilisierung auf: Das Sujet einer Voodoo-Puppe im deutschen Dress spiele durchaus mit einem Augenzwinkern mit der sportlichen Rivalität. Dennoch werde suggeriert, dass für die Niederlage des sportlichen Erzrivalen auch dessen körperliche Schmerzen nicht nur in Kauf genommen würden, sondern sogar gewünscht wären, entschied die Selbstkontrollstelle.

Irreführung und Täuschung wurde von Konsumenten bei der Aufklärungskampagne der Agrana zu Wiener Zucker zum Süßstoff Stevia beanstandet. Hier sah der Werberat allerdings keinen Grund zum Einschreiten.

Reagiert wird nur, wenn Beschwerden von Konsumenten eingehen - und das soll sich auch nicht ändern. "Nach dem Prinzip der Selbstregulierung wollen wir nicht wie eine Behörde agieren, die selbst aktiv wird", so Straberger. Zudem hätten einige der 160 Werberäte auch schon selbst als Privatperson Beschwerden initiiert. "So rutschen zu beanstandende Kampagnen kaum durch."

Der Werberat will künftig Unternehmen stärker über die Spielregeln der Werbewirtschaft informieren. Dazu soll ab Herbst eine kostenlose Informationsbroschüre für Unternehmen erscheinen, die beim Werberat bestellt werden kann. Auch auf der Webseite kann der Selbstbeschränkungskodex nachgelesen werden.

Zudem sieht Straberger "einen Bedarf, dass sich Unternehmen, die sich mit dem Selbstbeschränkungskodex auseinandergesetzt haben, auch dazu deklarieren können". Wie diese Auszeichnung konkret aussehen wird, wird derzeit noch ausgearbeitet.




Schlagwörter

Kampagne, Werbung, Werberat

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-08 16:02:09
Letzte Änderung am 2012-08-08 17:04:35


Beliebte Inhalte



Bunt, schräg, beliebt: Nicht nur die Taschen aus alten Lkw-Planen sind ein Verkaufsschlager. Die Designwerkstatt Gabarage hat ein vielseitiges Sortiment an originellen Upcycling-Produkten. - Gabarage
  • Zu schade für die Müllhalde: Aus Abfall kann viel Nützliches entstehen.
  • weiter

Unternehmer des Jahres: Hamdi Ulukaya. - Ernst & Young
  • Hamdi Ulukaya wurde zum "World Entrepreneur of the Year" gekürt.
  • weiter

Vor dem Richter: Unternehmen und Manager sind heute viel häufiger mit Anzeigen wegen Untreue- Verdachts konfrontiert als früher. - fotolia
  • Neue juristische Praxis beim Untreue-Tatbestand.
  • weiter

Vertrauter Anblick im Zählerkasten: So wird heute der Stromverbrauch gemessen. In Zukunft kommt eine ausgefeiltere Technik zum Einsatz. - apa/Neubauer
  • Intelligente Stromzähler halten weniger lang als gedacht.
  • weiter

Private Geldgeber gesucht: Die Mittelbeschaffung ist derzeit eine große Herausforderung. - fotolia
  • Im Vorjahr wurde weniger frisches Kapital eingesammelt.
  • weiter

Zur Miete wohnen: Das tun heute hierzulande deutlich mehr
  • Fast jeder vierte ist in einer Mietwohnung daheim.
  • weiter

Vertrauter Anblick im Zählerkasten: So wird heute der Stromverbrauch gemessen. In Zukunft kommt eine ausgefeiltere Technik zum Einsatz. - apa/Neubauer
  • Intelligente Stromzähler halten weniger lang als gedacht.
  • weiter




Werbung



Unternehmerbaukasten



Nachfolgebörse - Bild: Bilderbox

Amtlicher Lieferungsanzeiger - Bild: Pixelio

Fremdsprachige Infos für Gründer & Arbeitnehmer


Werbung