
New York. (reu/afp/dpa/hes) In die Ermittlungen rund um die mutmaßliche Manipulation der Libor-Zinssätze kommt Bewegung: Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eric T. Schneiderman und sein Kollege George Jepsen aus Connecticut weiten die Untersuchungen aus und haben angeblich von sieben Banken Unterlagen angefordert. Konkret soll es sich um die Deutsche Bank, die Schweizer UBS. JP Morgan Chase, Barclay‘s, Royal Bank of Scotland, HSBC und Citigroup handeln. Laut Insidern wurden auch offizielle Vorladungen verschickt. Sprecher von Jepsen und Schneiderman wollten sich zu den Meldungen bisher nicht äußern.
Die Staatsanwälte interessieren sich angeblich für E-Mails und sonstige Aufzeichnungen, welche die Kommunikation zwischen den Bankmanagern nachvollziehbar machen. Diese könnten Aufschluss geben, ob es heimliche Absprachen gegeben hat.
Zinssatz für Billionendeals
Der Zinssatz Libor ("London Interbank Offered Rate") ist eine der wichtigsten Maßzahlen der Finanzwelt und hat Auswirkungen auf die Zinssätze von unzähligen Geldgeschäften, von Derivaten über Kreditkarten bis hin zu Bankkrediten - Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von mindestens 500 Billionen Dollar. Bestimmt wird der Libor von einer Gruppe von Großbanken in London, welche untereinander ihre Zinskosten für Zwischenbanken-Kredite abfragen und daraus jeweils einen Durchschnittswert bilden. Sie stehen im Verdacht, den Referenzzins zu ihren Gunsten manipuliert zu haben. Bisher hat nur die britische Großbank Barclays ein Fehlverhalten einiger Mitarbeiter eingeräumt - und den Konflikt mit den Behörden durch enge Kooperation und eine Strafzahlung von fast einer halben Milliarde Dollar beigelegt.
In Deutschland läuft ebenfalls eine Sonderprüfung der Finanzaufsichtsbehörde Bafin. Die Deutsche Bank äußerte sich zu den aktuellen Meldungen nicht. In ihrem Zwischenbericht hat sie bestätigt, dass es Vorladungen von mehreren Behörden in den USA und Großbritannien gebe und mit diesen Stellen kooperiert werde.
Verschärftes Kontrollregime
Die Briten haben unterdessen als Erste Konsequenzen aus dem Zinsskandal gezogen. Die Finanzaufsicht FSA will mit einem Reformvorstoß Druck auf die Geldwirtschaft machen, um Manipulationen an den Interbanken-Zinssätzen künftig zu verhindern. "In seiner bestehenden Form erfüllt der Libor seinen Zweck nicht mehr", hatte FSA-Geschäftsführer Martin Wheatley Ende der Vorwoche erklärt und eine Liste von Verbesserungsvorschlägen vorgestellt. "Es ist völlig ausgeschlossen, dass wir ohne Änderung weitermachen." Der Vertrauensverlust sei nach dem Manipulationsskandal enorm. Auf längere Sicht sollte der Libor auf tatsächlichen Markttransaktionen beruhen, so Wheatley. Er will, dass sich Regulierer weltweit die Kontrolle des Libor-Regimes teilen - die Briten beanspruchen dabei den Vorsitz. Den Geldhäusern gibt Wheatley bis Anfang September Zeit, ihre Ideen darzulegen.
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