
Wien. "Hausgemachte Fehler" haben die Gmundner Keramik Manufaktur ins Trudeln gebracht: Der oberösterreichische Traditionsbetrieb schreibt seit Jahren Verluste, zudem wurden "Vertriebspartner vergrault und zu wenig kommuniziert", lautet die Selbstkritik. Zwar steht in vielen heimischen Haushalten zumindest ein Stück des handgefertigten Geschirrs. Die Marke wird aber häufig als verstaubt empfunden - erinnert sie doch viele an das typisch grün gemusterte Geschirr im Schrank der Großeltern.
Die anhaltenden Imageprobleme haben die Eigentümer - die Familie Graf von Moy und die deutsche Grünwald Equity Holding - erkannt und einen neuen Geschäftsführer an Bord geholt. Seit Anfang Juli ist Jakob von Wolff Chef von Gmundner Keramik. Der 37-Jährige mit österreichisch-deutscher Doppelstaatsbürgerschaft stellte zuvor den Musikinstrumentehersteller B&S in Sachsen neu auf. Zwischen seiner vorigen Tätigkeit und der neuen Aufgabe bei Gmundner Keramik sieht er viele Parallelen: "Beides sind altehrwürdige Marken, traditionelle Geschäftsfelder, und es sind emotionale Produkte, die in einer Manufaktur hergestellt werden."
Produktkatalog mit sich räkelnden Frauen polarisiert
Bei Gmundner Keramik gab es zuletzt "viele Irrungen und Wirrungen", sagt von Wolff: "Als ich im Unternehmen angefangen habe, habe ich erkannt, dass schnelles Handeln dringend nötig ist." Daher habe er nicht lange gefackelt: Rasch wurde ein neuer Marktaufritt - "jenseits des Gewöhnlichen" - entwickelt, der polarisiert: Im neuen Katalog räkeln sich Frauen, teilweise in Dessous oder Kleidchen, auf dem Sofa. Doch von Wolff will bewusst provozieren: "Ich glaube eher, dass wir mit Fotos von sich räkelnden Frauen ins Gespräch kommen als mit Bildern eines gedeckten Tisches".
Denn die Marke soll "raus aus der gedanklichen Geschirr-Schublade" - und als schicke Lifestyle-Marke gesehen werden. Künftig soll klar vermittelt werden, wofür Gmundner Keramik steht: Handarbeit, Produktion zur Gänze in Gmunden, kräftige Farben auf weißem Untergrund und die Möglichkeit, unterschiedliche Designs zu kombinieren.
Weil immer mehr Hochzeitspaare bereits vor der Heirat zusammenwohnen, steht Gmundner oft nicht mehr ganz oben auf der Hochzeitsliste. In Zukunft soll die Marke aber nicht nur mit Hochzeit in Verbindung gebracht werden. Zur Zielgruppe zählen Kunden ab 30, "die sich an schönen Dingen erfreuen und Einzigartigkeit suchen", sagt Wolff. Zuhause fühlt sich die Marke im gutbürgerlichen Milieu. Trotz des stolzen Preises - eine Kaffeetasse kostet ab 12 Euro, ein großer Teller ab 23 Euro - "muss man nicht reich sein, aber emotional beseelt sein, um Gmundner zu kaufen. Sonst kann man zu Ikea-Geschirr greifen", sagt der Firmenchef. In der Gastronomie sei das Keramikgeschirr kaum zu finden, weil es zu fein im Gebrauch sei. Es gebe aber Kooperationen mit Hotels wie dem Stanglwirt in Tirol.
T-Mobile T-Mobile Austria hat den Markenauftritt erneuert. "T-Mobile schwenkt vom Image des Innovators zum kundennahen Anbieter einfacher und...weiter