

Ebenso differenziert wie die Modelle fällt auch das AK-Urteil aus: "Eher problematisch ist aus unserer Sicht, wenn ein Unternehmerrisiko auf den Mitarbeiter abgewälzt wird, weil dieser in der Regel keine wirklichen Entscheidungen treffen kann." Heikel sei es zudem, wenn die Erfolgsbeteiligung in den Lohnverhandlungen gegengerechnet wird. "Die Folge wäre, dass die nachhaltigen Lohnsteigerungen geringer ausfallen - womit das Lebenseinkommen sinkt." Die Erwartungen, die in puncto Motivation und Produktivitätssteigerung gesetzt werden, hält Leitsmüller vielfach für überzogen: "Das ist eher Wunsch als Praxis. Sonst müsste die Motivation jetzt mit dem Aktienkurs am Boden sein, was auch nicht der Fall ist." Eine Erfolgsbeteiligung sollte nur als ein Baustein des Personalwesens gesehen werden - neben Arbeitszeit, Einkommen, Unternehmenskultur.
Mitarbeiterstiftungen hingegen erfüllten in den meisten Fällen einen anderen Zweck - den Schutz vor feindlichen Übernahmen. Dazu sei es sinnvoll, wenn die Stimmrechte der Belegschaft gebündelt sind, so Leitsmüller. Eine Möglichkeit ist, dass die Stimmenanteile mit anderen Aktionären syndiziert werden. Ansonsten müsse das Ziel sein, mit der Mitarbeiterstiftung über 10 Prozent zu kommen - bei der Voest sei das exemplarisch gelungen.
OeSD-Exporte bei 20 Prozent
Mit einem Streubesitz unter einem Prozent ist die Gefahr einer feindlichen Übernahme für die OeSD AG in weiter Ferne. Sie hat aber einen weiten Weg vom alten Staatsbetrieb zurückgelegt - mit dem Börsegang im November 2011 ist eine neue Ära angebrochen. Das Unternehmen wollte nicht - wie andere - erst Investorengeld einsammeln und dann entscheiden, was damit geschehen soll. Man gehe bewusst den umgekehrten Weg, sagt Schächter: "Ich halte das für fairer. Wir haben uns den Kapitalmarktregeln unterworfen, um uns dem Markt zu präsentieren. Derzeit gibt es noch keinen Anlass für eine Kapitalerhöhung, aber wir wollten mit dem Börsegang vor einem halben Jahr dafür vorbereitet sein."
Die Staatsdruckerei wird im laufenden Geschäftsjahr (per Ende März) mit mehr als 40 Millionen Euro den Vorjahresumsatz übertreffen. Mit dem Ergebnis ist Schächter "zufrieden", es habe im letzten Quartal keine negative Überraschung gegeben. Die Staatsdruckerei-Gruppe hat mittlerweile Kunden in 62 Ländern - von Liechtenstein über die Malediven bis Ghana. Die Exportquote wird heuer über 20 Prozent klettern - im Vorjahr waren es noch 15 Prozent. Auf längere Sicht erwartet Schächter, dass sich In- und Auslandsgeschäft sogar die Waage halten.
Traditionell stark vertreten ist die Staatsdruckerei am Balkan. Im Vorjahr konnte ein umfassender Auftrag im Kosovo an Land gezogen werden, wo das gesamte Reisepass-System entwickelt wurde. Das inkludiert Verwaltungs-Know-how ebenso wie Datensicherheit oder die Beratung über die passenden Maschinen. Ein hoffnungsvoller Wachstumsmarkt ist Zentralasien: Wo immer mehr Leute reisen können und dürfen, steige der Bedarf an Personaldokumentation. Ein starkes Standbein seien die arabischen Länder, wo sich momentan "das eine oder andere" anbahne.
Das klassische Druckgeschäft mit Briefmarken oder Gutscheinen nimmt einen immer kleineren Anteil ein. Hingegen ist intelligentes "Identitätsmanagement" gefragt: Mittlerweile enthalte jeder neue Reisepass elektronische Elemente bis hin zu RFID-Funkchips. Das Ende sei lange nicht erreicht, sagt Schächter: "Wir werden uns darauf vorbereiten müssen, Identität ganz ohne Dokumente, rein elektronisch, abzubilden."
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