• vom 20.03.2012, 16:24 Uhr

Job

Update: 20.03.2012, 16:30 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Umfrage in Deutschland fördert hohe Unzufriedenheit zutage

Jeder Vierte hat innerlich gekündigt



  • Emotionale Verbundenheit mit Betrieb in Österreich größer.

Die Unzufriedenheit am Arbeitsplatz ist verbreitet. - bilderbox.at

Die Unzufriedenheit am Arbeitsplatz ist verbreitet. bilderbox.at

Berlin. Sie warten hauptsächlich auf den Feierabend, und wenn der Chef meckert, zucken sie nur noch mit den Schultern: Jeder vierte Arbeitnehmer in Deutschland hat laut einer Studie längst innerlich gekündigt. Und das, obwohl es vielen Unternehmen blendend geht, manche Beschäftigte üppige Prämien kassieren. Denn Geld allein macht auch im Job nicht glücklich. Fachleute meinen, in Büros und Werkshallen gibt es zu wenig Anerkennung. Sind Deutschlands Manager zu schlecht? Oder haben ihre Mitarbeiter die falsche Einstellung?

Werbung

  Studienautor Marco Nink von der Unternehmensberatung Gallup sieht den Grund bei den Chefs. Die knauserten mit Lob, interessierten sich zu wenig für die Arbeit ihrer Mitarbeiter und bänden sie zu wenig ein. Dass Gallup zu diesem Ergebnis kommt und einen gewaltigen volkswirtschaftlichen Schaden beschreibt, wundert zunächst nicht. Die Berater verdienen ihr Geld in Deutschland auch damit, dass sie die Führungskräfte großer Unternehmen schulen.

Lob vom Chef
  Doch trotzdem dürften einige Antworten aus der Umfrage die Personalabteilungen aufhorchen lassen: Nur jeder vierte wird für gute Arbeit vom Chef gelobt und nur jeder dritte meint, dass im Betrieb seine Meinung zählt.

  Schlechte Mitarbeiterführung ist Gift für Unternehmen, besonders wenn der Fachkräftemangel weiter um sich greife, meint Carsten Steinert. Der Osnabrücker Professor für Personalmanagement fordert, dass Chefs besser für ihre Aufgabe ausgebildet werden. "Sie behandeln ihre Mitarbeiter nicht absichtlich schlecht. Der Grund ist häufig Unsicherheit - denn viele Führungskräfte werden ins kalte Wasser geworfen." Unternehmen könnten noch so viel ausgeben, um neue Leute anzuheuern. "Wenn die sich nicht wohlfühlen, sind sie schnell wieder weg."

  Doch ein guter Chef allein bringe keine glücklichen und motivierten Mitarbeiter, meint der Deutsche Gewerkschaftsbund. Nach dessen "Gute-Arbeit-Index" ist die Führungsqualität in Deutschland zwar nur mittelmäßig. Einkommen und Aufstiegsmöglichkeiten ließen aber noch mehr zu wünschen übrig. Auch der Druck steige: "Wieviel muss ich in welcher Zeit schaffen? Das ist ganz entscheidend."

  Das bestätigt die Universität Duisburg-Essen. Sie ermittelte im Krisenjahr 2009, dass die deutschen Beschäftigten längst nicht mehr so zufrieden seien wie vor 25 Jahren - wegen Arbeitsdrucks, geringer Lohnsteigerungen und schlechter Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Emotionale Zugehörigkeit in Österreich stärker
  In der Gallup-Studie schneidet Deutschland zwar regelmäßig besser ab als etwa China, Russland und Japan. In Österreich fühlten sich aber deutlich mehr Angestellte ihrem Betrieb emotional verbunden.

  Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände will die Zahlen aktuell nicht kommentieren. In der Vergangenheit hatte man auf andere Studien verwiesen, die - je nach Fragestellung - andere Schlüsse nahelegen: Den Kranken- und Unfallversicherungen antworteten vor zwei Jahren jeweils weit mehr als 80 Prozent der befragten Männer und Frauen, ihre Arbeit bringe ihnen Anerkennung, sei vielseitig und abwechslungsreich.

Zufriedenheit mit Arbeit groß
  Laut OECD sind hierzulande 90 Prozent der Beschäftigten mit ihrer Arbeit zufrieden - ein Ergebnis, das auch die Gallup-Umfrage zutage förderte. Doch Zufriedenheit heiße nicht, dass Beschäftigte sich ihrem Arbeitgeber emotional verbunden fühlen. "Sehr häufig geht Zufriedenheit auch mit Passivität einher", sagt Nink.

  Und wer nur mit Kopf oder Händen, nicht aber mit dem Herzen bei der Arbeit sei, sei weniger leistungsbereit. Wer innerlich gekündigt habe, habe 2011 im Schnitt dreieinhalb Tage öfter gefehlt als jene 14 Prozent der Angestellten, die für ihre Firma brennen.

  Die Lösungen seien bekannt, würden aber zu selten beherzigt, sagt Professor Steinert: regelmäßige Mitarbeiter-Gespräche beispielsweise. Der Forscher schlägt vor, künftige Führungskräfte rechtzeitig durch Seminare auf die neue Aufgabe vorzubereiten. Chefs müssten sich auch regelmäßig untereinander austauschen können, denn mit ihren Mitarbeitern könnten sie nicht über ihre eigenen Leistungen sprechen. "Führungskräfte sind immer auch einsam."



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-03-20 16:27:34
Letzte Änderung am 2012-03-20 16:30:03


Beliebte Inhalte



Usetwice wirbt damit, dass man dort buchstäblich "alles" mieten und vermieten kann. Derzeit werden auf der Plattform in erster Linie Haushaltsgegenstände wie Beamer und Bohrer angeboten. - usetwice
  • Nach Erfolgen in den USA hält die Sharing Economy in Österreich Einzug.
  • weiter

Verdauungsbeschwerden verursachen können Milchzucker und Weizen. Ernährungsexperten raten davon ab, ohne ärztliche Diagnose auf Lactose und Gluten zu verzichten. - fotolia
  • Die Industrie macht mit der teuren Spezialnahrung ein gutes Geschäft.
  • weiter

  • Fachgruppe Spedition und Logistik mit ungewöhnlicher Kampagne.
  • weiter

  • Wie Mitarbeiter im Einzelhandel Ladendiebstahl verhindern können.
  • weiter

Karrieresprung für den Wiener Felix Thun-Hohenstein. - 3M Winterthur Technologie AG Der 53-jährige Felix Thun-Hohenstein, bisher Managing Director der 3M Alpine Region (Österreich und Schweiz)...weiter

Verdauungsbeschwerden verursachen können Milchzucker und Weizen. Ernährungsexperten raten davon ab, ohne ärztliche Diagnose auf Lactose und Gluten zu verzichten. - fotolia
  • Die Industrie macht mit der teuren Spezialnahrung ein gutes Geschäft.
  • weiter

Den Ton treffen: Durch mangelnde Sprachkenntnisse können peinliche Fehler passieren. - Foto: fotolia
  • Perfektes Englisch in Wort und Schrift ist im Business unverzichtbar.
  • weiter



Werbung



Fremdsprachige Infos für Gründer & Arbeitnehmer

Gehaltsrechner - Bild: Bilderbox



Principal and Senior ERP-SAP Administrator (PL-4 & PL-5)


Principal and Senior ERP-SAP Administrator - Information Management Department /... weiter




Principal and Senior Videoconferencing Engineer Officer


Principal and Senior Videoconferencing Engineer Officer - Information Management... weiter




Lead Economist (PL-2)


Lead Economist Position title: Lead Economist Grade: PL-2 Position N°: NA... weiter





Werbung