• vom 28.04.2012, 08:30 Uhr

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Arbeitsplatz

Reinsetzen und loslegen




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Von Christine Zeiner

  • Das "Betahaus" ist einer der ersten Coworking-Spaces in Berlin, ein Büro, in dem sich Freiberufler einmieten können.

Stilsicherer Coworking-Space in Wien: das Neno Office

Stilsicherer Coworking-Space in Wien: das Neno Office

"Kaffee?" Zwei Mal am Tag kann man Cappuccino bestellen. Den Schreibtisch muss ich dafür nicht verlassen: Der Kaffee wird an den Arbeitsplatz serviert. Im "Betahaus" soll Arbeiten so "einfach und flexibel wie möglich" sein, sagen die Gründer, eine Handvoll junger Freiberufler, die den "Coworking-Space" vor drei Jahren im Berliner Bezirk Kreuzberg eröffneten. Seither vermieten sie tage- und monatsweise Schreibtische mit WLAN-Anschluss. In einer Mischung aus "entspannter Kaffeehaus-Atmosphäre und konzentriertem Arbeitsumfeld" soll "Innovation und Kreativität" gefördert werden, heißt es auf der Webseite - das klassische Büro hat ausgedient. Ich erwarb um 79 Euro eine "12er Flex": Zwölf Mal darf ich mir einen freien Platz im Betahaus suchen.

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Das "Betahaus" steht in der Nähe der Oranienstraße, eine belebte Straße mit dutzenden Kneipen, Läden und türkischen Imbissen. Im dritten Stock der einstigen Fabrik hat man einen hübschen Blick auf Kreuzberg. Die Arbeitsräume sind groß und hoch. Kühl und schlicht sieht es hier aus. Es gibt mehrere Reihen mit Schreibtischen - Platte, Böcke -, eine Sofa-Ecke und ein paar weiße Regale. Pinnwände mit Fotos der Kleinen und Urlaubskarten, wie man es aus herkömmlichen Büros kennt, findet man keine. Am ehesten wirkt es hier wie in einer Bibliothek. Im "Betahaus" aber wollen die meisten mit ihrem Tun Geld verdienen: 200 junge Menschen zwischen 20 und 40, Unternehmensgründer, selbständige Journalisten, Programmierer, Designer, Grafiker.

Information

CoWorking Spaces in Wien:

Konnex Communities: www.schraubenfabrik.at, www.rochuspark.at, www.hutfabrik.com, Loffice: www.loffice.at, Neno Office: www.workyourway.com/Offices/Wien, Sektor 5: www.sektor5.at, The Hub: http://vienna.the-hub.net/, YesWeShare.at: www.j-it.at/yesWeShare.html

Ich bin hier, weil ich mir Anschluss erhoffe: Nach einigen Monaten wollte ich nicht länger Tag für Tag zuhause meine Texte schreiben. Die Zeit, in der ich es genoss, nicht mehr in der wuselnden, hektischen Atmosphäre einer Redaktion zu arbeiten, war vorbei. Mir fehlte Austausch, mir fehlte Bewegung und Struktur. In der Früh hatte ich mich im Pyjama an den Küchentisch gesetzt und zu arbeiten begonnen. In meinen Pausen hatte ich Geschirr gespült, staubgesaugt und Wäsche gewaschen.

Wie mir geht es vielen Freischaffenden. "Coworking ist oftmals die zweite Stufe der Selbständigkeit", sagt Werner Eichhorst vom "Institut zur Zukunft der Arbeit" in Bonn. In der ersten Zeit arbeite man meist von zuhause aus. Unklar ist, wie viele von einem Coworking-Space schließlich in ein eigenes Büro ziehen.

Dates

Im Café im Erdgeschoß ist am Donnerstag "Betabreakfast". Auf dem großen, hellen Tisch in der Mitte stehen Gebäck, Marmelade, Nutella, Käse. Man schließt erste Bekanntschaften: "Und was machst du?" Wer will, kann auch vor allen seine Arbeit präsentieren - so wie die drei jungen Männer von "Coffeecircle", die zugleich "Start up of the week" sind. Der gebürtige Salzburger Moritz Waldstein-Wartenberg verkauft mit seinen Mitgründern Robert Rudnick und Martin Elwert äthiopischen Gourmet-Kaffee und fördert Entwicklungsprojekte vor Ort. "Du setzt dich rein und legst los", sagt Waldstein-Wartenberg über das "Betahaus". "Und man hat eine Plattform und einen schnellen Zugang zum Netzwerk."

"Beta people" können außerdem eine kostenlose Rechtsberatung in Anspruch nehmen sowie die Sprechstunden "Steuer" und "Versicherung". Auch "Massagen für die Laptop-geplagten Schultern" werden angeboten. Der Newsletter ("Hello people in Beta!") informiert über die "Dates of the week". Das alles führte dazu, dass auch etablierte Unternehmen wie die Otto-Gruppe ihre Mitarbeiter im Betahaus arbeiten lassen: Man holt sich Anregungen von den jungen Kreativen. "Immer mehr große Firmen wie SAP, Daimler, Mozilla, Google kommen regelmäßig in unserem Space vorbei. Nicht selten springt dabei ein Auftrag für unsere Member heraus", sagt Mitgründerin Madeleine von Mohl.

"Beta people", "Member", "Space" - auch mit der Sprache will man sich vom gewohnten Büro distanzieren. Das Konzept geht auf: Das "Betahaus" expandierte nach Hamburg und Köln, demnächst eröffnet das Betahaus Barcelona. An den Büros in Lissabon und Sofia wird gerade gearbeitet. Und in Berlin schießen derweil weitere "Coworking-Spaces" wie Schwammerl aus dem Boden. Mehr als 50 gibt es bereits in der Stadt. Woran liegt das?

Berlin gilt seit Jahren als die Stadt der digitalen Bohème - jung, stylisch, mit Laptop in einem der unzähligen Cafés, aber oft ohne ausreichendes Einkommen. Doch nicht nur hier steigt die Zahl der "kreativ Selbständigen". Insbesondere bei jüngeren Personen in großstädtischen Milieus beobachte man in diesem Bereich "eine deutliche Zunahme", sagt Eichholz vom "Institut zur Zukunft der Arbeit". Während die einen aber tatsächlich ihren Traum verwirklichen, ihr Unternehmen gründen und selbstbestimmt arbeiten, hätte manch anderer gern eine Alternative mit Absicherung. In Deutschland sind Selbständige weder in die Altersvorsorge noch in die Arbeitslosenversicherung verpflichtend einbezogen. Und für bestimmte Branchen sind Festanstellungen rar geworden. Die meisten Redaktionen sparen Mitarbeiter ein. So sei Coworking ein "kleines, aber wachsendes Phänomen", sagt Eichholz.

Miet-Arbeitsplätze im Betahaus in Berlin

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2012-04-24 16:14:04
Letzte Änderung am 2012-04-26 16:33:20



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