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Update: 28.06.2012, 19:46 Uhr
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Österreichs Ein-Personen-Unternehmen (EPU) fordern gerechteres Versicherungssystem

"Wahl zwischen Pest und Cholera"


Von Andrea Möchel

  • Ur-Befragung der SVA stößt auf heftige Kritik.

Kopfweh bereiten vielen Ein-Personen-Unternehmen die Beiträge zur Sozialversicherung.

Kopfweh bereiten vielen Ein-Personen-Unternehmen die Beiträge zur Sozialversicherung.© jggordienko - Fotolia Kopfweh bereiten vielen Ein-Personen-Unternehmen die Beiträge zur Sozialversicherung.© jggordienko - Fotolia

Wien. Es hätte eine echte Pioniertat werden können: Die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) befragt derzeit ihre Mitglieder erstmals zu wesentlichen Versicherungsfragen wie Selbstbehalten und Beitragshöhen. "Es ist unser Ziel, einen Meilenstein für eine bessere soziale Absicherung von Kleinstunternehmern zu setzen", begründet Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), die Mitglieder-Befragung. Bei vielen Selbständigen verursachen Form und Inhalt der "Ur-Befragung" nun aber eher Empörung als Euphorie.

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Arme Selbständige
Dabei brennt bei vielen der 240.000 Ein-Personen-Unternehmen (EPU) längst der Hut: Fast zehn Prozent der Selbständigen sind armutsgefährdet, 50 Prozent der SVA-Versicherten haben Einkommen unterhalb der Mindestbeitragsgrundlage. Zugleich verzweifeln immer mehr Kleinstunternehmer an den Forderungen der SVA, die auch dann gnadenlos eingetrieben werden, wenn Aufträge und Honorare ausbleiben. Ans Licht gebracht wurden die Härten des gegenwärtigen Versicherungssystems vor allem von der unabhängigen Interessenvertretung "Amici delle SVA". An deren Protesten konnte die SVA schließlich nicht mehr vorbei, und so lud die Wirtschaftskammer die Amici und andere EPU-Initiativen dazu ein, an der Themenfindung zur Ur-Befragung mitzuarbeiten. Diese fühlen sich nun brüskiert.

"Laut WKO soll die Ur-Befragung dazu dienen, sich gezielt für die wesentlichsten Anliegen der 240.000 EPU in Österreich einzusetzen", ärgert sich Martina Schubert, Leiterin des Forums zur Förderung der Selbständigen, die gemeinsam mit dem Kabarettisten und "Amici delle SVA"-Sprecher Werner Brix Mitglied jener Expertengruppe war. "Der Fragebogen wird jedoch an alle 500.000 Versicherten versendet. Ob jemand EPU ist oder nicht, ob aktiv oder in Pension, ob mit Gewerbeschein oder als Neuer Selbständiger tätig, wird gar nicht erst abgefragt." Die Versicherten werden per Fragebogen unter anderem gebeten, ihre Prioritäten für einzelne Gesetzesänderungen bekanntzugeben. Neun Themen stehen zur Auswahl, von denen man lediglich drei ankreuzen darf. "Unter den Vorschlägen befinden sich Themen, die zwar nur eine Minderheit betreffen, diese aber mit voller Härte", gibt Schubert zu bedenken.

Zankapfel Selbstbehalte
So werden die Beiträge von zehn Prozent der Versicherten von der SVA per Exekution eingetrieben, plus 8,88 Prozent Verzugszinsen. Schubert: "Wenn 90 Prozent der Befragten gar nicht wissen, wie hart bei Zahlungsverzug vorgegangen wird, wird das Thema schwer unter die Top-Prioritäten kommen."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-28 14:59:08
Letzte Änderung am 2012-06-28 19:46:33


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