Wien. Günter Benischek, Ex-Beriebsratschef der Erste Bank, leitet seit August 2010 die Stabstelle Social Banking im Spitzeninstitut des österreichischen Sparkassensektors.
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"Wiener Zeitung": Schließen einander "social" und "banking" nicht eigentlich aus? Das Ziel einer Bank ist es doch, Geld zu verdienen, Gewinne zu machen und die Aktionäre zufriedenzustellen.
Günter Benischek: Das ist zweifelsohne der Fall. Social Banking ist auch nicht als Ersatz für die Sozialpolitik eines Staates gedacht, sondern als Ergänzung. Wir versuchen, mit Bankdienstleistungen einen Beitrag zur sozialen Entwicklung in Österreich zu leisten.
Apropos Bankdienstleistungen. Ergänzen Sie bitte folgenden Satz: Ein Mensch ohne Bankkonto...
...ist gebrandmarkt, hat einen sozialen Makel. Stellen Sie sich die Reaktion eines Arbeitgebers vor, der jemanden einstellen will, der kein Gehaltskonto angeben kann. Außerdem sind Bareinzahlungen teuer. In Österreich haben rund 150.000 Menschen - davon rund 80.000 unter 65 Jahren - keine Bankverbindung, die Hälfte von ihnen aufgrund einer Notlage. Die Zweite Sparkasse, eine Gründung der Erste Stiftung, bietet seit 2006 in Kooperation mit der Caritas und Schuldnerberatungsstellen ein kostenloses Konto mit Bankomatkarte, aber ohne Überziehungsmöglichkeit an.
Wie entwickelt sich die Nachfrage?
Wir führen derzeit fast 8000 solcher Konten. Die Zahl stagniert. Der Grund: Die Statuten der Zweiten Sparkasse sehen vor, dass die Kunden nach drei Jahren in eine normale Bankverbindung entlassen werden. So gesehen freuen wir uns darüber, dass wir bereits 800 Kunden wieder verloren haben.
Die Erste Bank vergibt seit 2010 in Kooperation mit dem Sozialministerium Mikrokredite an Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen, damit diese sich selbständig machen können.Wie sieht die erste Bilanz aus?
Die Erfolgsquote ist hoch: Die Mehrheit der Kreditnehmer steht wieder auf eigenen finanziellen Beinen. Wir vergeben maximal 12.500 Euro, die Zinsen betragen derzeit knapp unter 4 Prozent. Ein weiteres Projekt, mit dem wir in den Startlöchern stehen, ist ein betreutes Konto. Es soll Kunden helfen, ihr Finanzleben unter Kontrolle zu bekommen. Weiters planen wir Sozialkredite für die berufliche Weiterbildung.