• vom 23.04.2012, 15:54 Uhr

Konsum & Gesellschaft

Update: 23.04.2012, 16:15 Uhr
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Rund 150.000 Menschen leben in Österreich ohne Bankkonto

Besonderes Kennzeichen: keine Bankverbindung


Von Rosa Eder-Kornfeld

  • Die Zweite Sparkasse hilft seit fünf Jahren, einen sozialen Makel zu beheben.

Konto und Karte: Bankgeschäfte sind alltäglich geworden. Ein Leben ohne Konto stellt die Betroffenen vor große Probleme. - Foto: fotolia

Konto und Karte: Bankgeschäfte sind alltäglich geworden. Ein Leben ohne Konto stellt die Betroffenen vor große Probleme. Foto: fotolia

Wien. Günter Benischek, Ex-Beriebsratschef der Erste Bank, leitet seit August 2010 die Stabstelle Social Banking im Spitzeninstitut des österreichischen Sparkassensektors.

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"Wiener Zeitung": Schließen einander "social" und "banking" nicht eigentlich aus? Das Ziel einer Bank ist es doch, Geld zu verdienen, Gewinne zu machen und die Aktionäre zufriedenzustellen.

Günter Benischek: Das ist zweifelsohne der Fall. Social Banking ist auch nicht als Ersatz für die Sozialpolitik eines Staates gedacht, sondern als Ergänzung. Wir versuchen, mit Bankdienstleistungen einen Beitrag zur sozialen Entwicklung in Österreich zu leisten.

Information

Mit Social Banking der Armut entgegenwirken

Rund eine Million Menschen in Österreich sind armutsgefährdet. Das bedeutet, ihr Monatseinkommen liegt unter 950 Euro. Jeder fünfte Haushalt kann sich nicht ausreichend am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Alltag beteiligen, ergab eine Studie im Auftrag der Erste Bank. "29 Prozent der Haushalte können sich unerwartete Ausgaben, wie etwa eine neue Waschmaschine, nicht leisten", sagte Studienautorin Agnes Streissler am Montag vor Journalisten. Rund 150.000 Personen haben kein Konto, 21 Prozent der Haushalte mit niedrigem Einkommen haben keine Haushaltsversicherung.
Ein verantwortungsvoller Einsatz von Basisfinanzdienstleistungen und eine bessere Allgemeinbildung hinsichtlich Finanzthemen könnten der Armut entgegenwirken, ist man in der Erste Bank überzeugt, die eine eigene Social-Banking-Abteilung eingerichtet hat.
Die Problematik bei der Vermittlung von finanziellem Wissen sei, dass die Bevölkerung kein Wissensdefizit sehe, heißt es. So hielten sich 67 Prozent bei einer Umfrage finanziell für kompetent, schlussendlich konnten aber nur 27 Prozent ein passendes Rechenbeispiel lösen. Die Erste Bank setzt bei Kindern und Jugendlichen an und lehrt in Schul-Workshops den richtigen Umgang mit Geld.

Apropos Bankdienstleistungen. Ergänzen Sie bitte folgenden Satz: Ein Mensch ohne Bankkonto...

...ist gebrandmarkt, hat einen sozialen Makel. Stellen Sie sich die Reaktion eines Arbeitgebers vor, der jemanden einstellen will, der kein Gehaltskonto angeben kann. Außerdem sind Bareinzahlungen teuer. In Österreich haben rund 150.000 Menschen - davon rund 80.000 unter 65 Jahren - keine Bankverbindung, die Hälfte von ihnen aufgrund einer Notlage. Die Zweite Sparkasse, eine Gründung der Erste Stiftung, bietet seit 2006 in Kooperation mit der Caritas und Schuldnerberatungsstellen ein kostenloses Konto mit Bankomatkarte, aber ohne Überziehungsmöglichkeit an.

Wie entwickelt sich die Nachfrage?

Wir führen derzeit fast 8000 solcher Konten. Die Zahl stagniert. Der Grund: Die Statuten der Zweiten Sparkasse sehen vor, dass die Kunden nach drei Jahren in eine normale Bankverbindung entlassen werden. So gesehen freuen wir uns darüber, dass wir bereits 800 Kunden wieder verloren haben.

Die Erste Bank vergibt seit 2010 in Kooperation mit dem Sozialministerium Mikrokredite an Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen, damit diese sich selbständig machen können.Wie sieht die erste Bilanz aus?

Die Erfolgsquote ist hoch: Die Mehrheit der Kreditnehmer steht wieder auf eigenen finanziellen Beinen. Wir vergeben maximal 12.500 Euro, die Zinsen betragen derzeit knapp unter 4 Prozent. Ein weiteres Projekt, mit dem wir in den Startlöchern stehen, ist ein betreutes Konto. Es soll Kunden helfen, ihr Finanzleben unter Kontrolle zu bekommen. Weiters planen wir Sozialkredite für die berufliche Weiterbildung.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-23 15:59:05
Letzte Änderung am 2012-04-23 16:15:58


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