• vom 21.06.2012, 21:15 Uhr

Konsum & Gesellschaft

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Viele Konsumenten zu bequem, um zum Erzeuger zu fahren

Beim Bauern wird weniger gekauft


Von Sophia Freynschlag

  • Direktvermarktung rückläufig - immer mehr Bauern verkaufen über Supermärkte.

Mit Speck, Wurst und Fleisch machen die bäuerlichen Direktvermarkter den meisten Umsatz.

Mit Speck, Wurst und Fleisch machen die bäuerlichen Direktvermarkter den meisten Umsatz.© Yves Roland - Fotolia Mit Speck, Wurst und Fleisch machen die bäuerlichen Direktvermarkter den meisten Umsatz.© Yves Roland - Fotolia

Wien. Regionalität und die Herkunft von Lebensmitteln werden für die Österreicher immer wichtiger. In der Direktvermarktung sinken dennoch Umsatz und verkaufte Menge seit Jahren, sagt Christian Jochum von der Landwirtschaftskammer Österreich. Gekauft werde meistens im Supermarkt - das spare Zeit und sei bequemer. "Kaum einer fährt wegen ein paar Erdäpfeln zu einem Bauern", sagt Jochum. Der Verkauf ab Hof sowie auf Bauernmärkten sei daher rückläufig, der Umsatz mit Hauszustellung bleibe dagegen konstant.

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Die Zahl der Bauern, die Speck, Schnaps & Co. selbst vermarkten, nimmt stetig ab: Laut aktueller Agrarstrukturerhebung der Statistik Austria verarbeiteten und verkauften 10.549 Betriebe im Jahr 2010 ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse - rund ein Drittel weniger als 1999. Rechnet man alle Produkte hinzu, beispielsweise auch Wein, so gehört ein Drittel der Bauern zu den Direktvermarktern - wobei laut Jochum etwa 20.000 Betriebe den "Profis" zuzurechnen sind.

"Den Profis, die investieren und sich weiterbilden, geht es gut", so Jochum. Die Zahl der Direktvermarkter sinke, weil viele Bauernhöfe nicht mehr weitergeführt werden oder die nächste Generation nicht mehr selbst verkaufen möchte. "Ein Direktvermarkter hat drei Jobs: Landwirt, Verarbeiter und Kaufmann", sagt Jochum.

Rund 200 Millionen Euro brachte im Vorjahr die Direktvermarktung ein, wie aus einer Spezialauswertung des RollAMA-Haushaltspanels hervorgeht. Davon entfallen jeweils etwas mehr als 70 Millionen Euro auf Ab-Hof-Verkauf und Hauszustellung, rund 50 Millionen Euro spielen die Bauernmärkte ein. Nicht mit eingerechnet sind hier allerdings Getränke, Brot und Aufstriche.

Marmelade und Schnaps sind "keine Umsatzbringer"
Mit Abstand den meisten Umsatz machen Österreichs Bauern mit Fleisch, Schinken und Wurst. Auch Obst und Gemüse, Eier sowie Milch und Milchprodukte werden direkt verkauft. Spezialprodukte wie Marmelade, Chutneys oder Schnäpse seien zwar "schön zum Herzeigen, aber keine Umsatzbringer", so Jochum.

Den Trend zu regionalen Lebensmitteln haben auch die Supermarktketten erkannt: In 15 Adeg-Märkten in Niederösterreich sind Produkte erhältlich, die von Mitgliedsbetrieben der Landwirtschaftskammer-Dachmarke "Gutes vom Bauernhof" stammen. Die 40 Landwirte aus der Umgebung liefern direkt an den Markt - ohne Umweg über das Zentrallager. Die Rewe-Tochter will das Konzept auf Oberösterreich und das Burgenland ausweiten, bis Jahresende sollen 30 Adeg-Märkte "Gutes vom Bauernhof" anbieten.

Auch Spar hat reagiert: "Spar hat das seit Jahren bestehende regionale Sortiment aufgrund des derzeitigen Hypes deutlich ausgeweitet", sagt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Interspar habe etwa die Initiative "Von dahoam das Beste!" gestartet. Insgesamt mehr als 5000 lokale Produkte sind im Sortiment, eine Wand mit Fotos informiert beim Markteingang über die lokalen Produzenten.

Wer nicht selbst vermarktet, "kann viel verlieren"
Die Kooperation mit Einzelhändlern sieht Gerhard Zoubek vom Biohof Adamah kritisch: "Wenn ein Produzent die Vermarktung aus der Hand gibt, kann er viel verlieren." Der Marchfelder Betrieb ist auf 16 Wiener Märkten präsent und liefert wöchentlich 6000 Bio-Kistln in und um Wien aus - Tendenz "unheimlich steigend". "Das Kistl soll eine Erleichterung sein und Kunden einen Einkauf ersparen", so Zoubek. Ein Direktvermarkter könne Verbraucher mehr für Lebensmittel sensibilisieren und habe einen besseren Bezug zum Kunden, ist Zoubek überzeugt. "Vielen Bauern fehlt aber der Mut dazu, ihre Produkte direkt zu vermarkten."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-21 17:53:06
Letzte Änderung am 2012-06-21 18:57:04


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