• vom 29.10.2012, 17:20 Uhr

Konsum & Gesellschaft

  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Verbraucherschützer kritisieren halbleere Packungen und Trickserei mit Abbildungen auf Lebensmitteln

Viel Luft und wenig Inhalt



  • Kunden ärgern sich über Produkte, die einen Österreich-Bezug vortäuschen.

Die Inhaltsstoffe genau durchlesen bewahrt Konsumenten vor unliebsamen Überraschungen beim Lebensmittel-Kauf.

Die Inhaltsstoffe genau durchlesen bewahrt Konsumenten vor unliebsamen Überraschungen beim Lebensmittel-Kauf.© © Jose Luis Pelaez, Inc./Blend Images/Corbis Die Inhaltsstoffe genau durchlesen bewahrt Konsumenten vor unliebsamen Überraschungen beim Lebensmittel-Kauf.© © Jose Luis Pelaez, Inc./Blend Images/Corbis

Wien. (sf) Halbleere Kekspackungen, Mango-Limonade mit Aroma statt Mango und Honig-Waffeln, die kaum Honig enthalten - Lebensmittelhersteller sind bei der Verpackung und Auslobung ihrer Produkte mitunter sehr kreativ. "Mogelpackungen mit wenig Inhalt und viel Luft ärgern die Konsumenten besonders", zog Franz Floss, Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), Zwischenbilanz zur Infoplattform www.lebensmittel-check.at. 60 Beschwerden von Konsumenten zu irreführenden Produkten gingen seit dem Start Ende Juli ein. Elf beanstandete Produkte wurden bisher geändert, elf Hersteller wollen die Verpackung oder die Zusammensetzung modifizieren. Drei Produkte sind nicht mehr erhältlich.

Werbung

Rot-weiß-rote Packung sagt nichts über Herkunft aus
Beanstandet wurden unter anderem Hipp-Babykekse, bei denen "die Hälfte des Inhalts aus Luft besteht", kritisiert Floss, der die Füllmenge anhand eines Computertomografie-Bildes der Packung zeigte. Der Hersteller begründete die geringe Füllmenge in einer Stellungnahme an den VKI damit, dass die Kekse beim Transport zusammenrutschen würden. Anlass zur Beschwerde gab außerdem Maizena Maisstärke, bei der die Packung nur halb gefüllt war. Das Produkt werde aus technischen Gründen "nicht bis zum Rand gefüllt", hieß es in einer Reaktion des Herstellers Unilever. Der VKI werde sich dem Thema Mogelpackungen verstärkt widmen, kündigte Floss an.

Frustriert sind Konsumenten auch von abgebildeten Zutaten, die nicht im Produkt enthalten sind. Das Milchmischgetränk Schärdinger Vanilletraum mit einer vanillegelben Blüte auf dem Etikett enthält beispielsweise keine Vanille, sondern Aroma. Auch bei der Mango-Limonade von Keli sorgt Aroma für den Geschmack, obwohl eine Mango die Flasche ziert. Rechtlich sind diese Kennzeichnungen allerdings erlaubt.

"Ein großer Aufreger ist bei Konsumenten immer öfter, dass sie sich über die Herkunft getäuscht fühlen", so VKI-Ernährungswissenschafterin Birgit Beck. Werbung mit Österreich-Bezug wie dem Hinweis "nach österreichischem Rezept" oder den Farben Rot-Weiß-Rot auf der Packung heißt nicht, dass die Rohstoffe aus Österreich stammen.

Die Hersteller bedienen sich zunehmend "Clean Labelling" (Saubere Etikettierung"), indem sie Hinweise wie "ohne Zuckerzusatz", "ohne Konservierungsstoffe", "ohne künstliche Aromen" oder "ohne Geschmacksverstärker" auf die Verpackung schreiben. Zwar ist dann kein Glutamat, aber meist Hefeextrakt enthalten. In einem Arbeiterkammer-Test mit 26 Produkten - darunter Chips, Frankfurter und Fertiggerichte - war keines, das mit "ohne Glutamatzusatz" gekennzeichnet war, frei von geschmacksverstärkenden Stoffen.

"Irreführung ist auch für den Experten oft schwer erkennbar", sagt Floss. Der Verbraucherschützer rät, nicht nur auf die Vorderseite der Verpackung zu schauen, sondern auch das Kleingedruckte auf der Rückseite zu lesen: Die Zutatenliste reiht die Inhaltsstoffe nach ihrem Gewichtsanteil.

Greenpeace warnt vor Giftstoffen in Outdoorjacken
Gefährlich sind die Inhaltsstoffe in Outdoor-Kleidung, warnt Greenpeace. In einem Test mit 14 wetterfesten Textilien fanden die Umweltschützer per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) sowie weitere hormonell wirksame Schadstoffe. Der höchste Gehalt an Nonylphenolethoxilaten, die Gewässer belasten, wurde demnach in einer Kinder-Regenjacke von Seven Summits gefunden. Den höchsten Phthalate-Testwert weist ein in Österreich gekaufter Kinder-Poncho von Northland auf. Phthalate stehen im Verdacht, das Hormonsystem stark zu beeinflussen und zu Unfruchtbarkeit oder Übergewicht zu führen.

Greenpeace-Konsumentensprecherin Claudia Sprinz fordert die Outdoor-Industrie auf, "PFC aus der Produktion zu verbannen und fluorfreie Alternativen weiterzuentwickeln. Auf EU-Ebene muss die gesamte Gruppe der PFC gesetzlich verboten werden."




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-29 17:26:11


Beliebte Inhalte



Beliebte Rechtsform: In Österreich firmieren rund 110.000 Gesellschaften als GmbH. - fotolia
  • Wirtschaft frohlockt, Arbeiterkammer hat massive Bedenken.
  • weiter

Werbung mit 3D-Effekt: Für die Fischmarke Alpenlachs wurde ein 3D-Megaboard entwickelt. - Foto:Megaboard Soravia
  • Megaboard-Chefin Gabriele Zelloth setzt auf temporäre Gerüstwerbung.
  • weiter

Usetwice wirbt damit, dass man dort buchstäblich "alles" mieten und vermieten kann. Derzeit werden auf der Plattform in erster Linie Haushaltsgegenstände wie Beamer und Bohrer angeboten. - usetwice
  • Nach Erfolgen in den USA hält die Sharing Economy in Österreich Einzug.
  • weiter

Verdauungsbeschwerden verursachen können Milchzucker und Weizen. Ernährungsexperten raten davon ab, ohne ärztliche Diagnose auf Lactose und Gluten zu verzichten. - fotolia
  • Die Industrie macht mit der teuren Spezialnahrung ein gutes Geschäft.
  • weiter

  • Der Oberste Gerichtshof entschied: Klauseln, die Erhaltungskosten gänzlich dem Bestandnehmer "umhängen", sind sittenwidrig und daher nichtig.
  • weiter

Verdauungsbeschwerden verursachen können Milchzucker und Weizen. Ernährungsexperten raten davon ab, ohne ärztliche Diagnose auf Lactose und Gluten zu verzichten. - fotolia
  • Die Industrie macht mit der teuren Spezialnahrung ein gutes Geschäft.
  • weiter



Werbung



Die besten Wirtschaftssimulationen


Immobilienpreise in Österreich
Bundesländervergleich Immopreisatlas.at


Werbung