• vom 06.11.2014, 13:58 Uhr

Konsum & Gesellschaft

Update: 06.11.2014, 17:10 Uhr

Massentierhaltung

Der Horror-Preis für Billig-Fleisch




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Von Andrea Möchel

  • Massentierhaltung verletzt Tier- und Menschenrechte und schadet dem Weltklima mittlerweile mehr als der Verkehr.

Auf engstem Raum: Hohe Tierdichte fördert die Ausbreitung von Infektionskrankheiten.

Auf engstem Raum: Hohe Tierdichte fördert die Ausbreitung von Infektionskrankheiten.© dpa-Zentralbild Auf engstem Raum: Hohe Tierdichte fördert die Ausbreitung von Infektionskrankheiten.© dpa-Zentralbild

Wien. Gerade erst ist der Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York über die Bühne gegangen, schon steht im Dezember die nächste UN-Klimakonferenz im peruanischen Lima an. Ein Thema sollte dort besser nicht fehlen:
der wachsende Beitrag der Massentierhaltung zur Klimaerwärmung.

"Bereits 21 Prozent des jährlichen globalen CO2-Ausstoßes geht auf die Produktion von Billig-Fleisch zurück. Sie ist damit einer der größten CO2-Emittenten, noch vor dem Verkehr", schlagen Christine Chemnitz und Shefali Sharma, Mitarbeiterinnen der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung, in ihrem Bericht "Der hohe Preis für billiges Fleisch" Alarm. Schuld an der massiven Emission von Treibhausgasen durch fabrikmäßige Tierhaltung ist nicht nur das von wiederkäuenden Tieren produzierte Methan. "Mist und Gülle der Tiere erzeugen ebenso wie Dünger und Pestizide, die zur Futtermittelproduktion eingesetzt werden, große Mengen von Stickoxiden", erklären die Expertinnen.

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Globaler Fleischhunger
Doch der Hunger auf Billig-Fleisch nimmt weiter zu. Die Österreicher verputzen laut Statistik Austria derzeit 65 Kilogramm Fleisch pro Kopf und Jahr, 1960 waren es noch 41 Kilo. Waren Europäer und US-Amerikaner mit 60 bis 90 Kilogramm Fleischverbrauch pro Person und Jahr bisher die mit Abstand größten Fleischkonsumenten, entwickeln nun auch die wachsenden Mittelschichten in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien immer größeren Appetit auf Fleisch.

"Um den wachsenden Bedarf zu befriedigen, werden die Agrarunternehmen in aller Welt versuchen, ihre Fleischproduktion von heute 300 Millionen Tonnen auf 480 Millionen Tonnen im Jahr 2050 zu steigern", prognostiziert die Heinrich-Böll-Stiftung.

Die Folgen des übermäßigen Fleischkonsums sind schon jetzt monströs. "Moderne Schlachtanlagen in Europa und den USA nehmen immer absurdere Dimensionen an", warnt Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, anlässlich der Präsentation des "Fleischatlas 2014", in dem die globalen Auswirkungen des Fleisch-Business untersucht werden. "Während wir in Deutschland 735 Millionen Tiere pro Jahr töten, schlachtet alleine die US-Gesellschaft Tyson Foods mehr als 42 Millionen Tiere in einer Woche. Dahinter kann kein gesundes Agrarsystem stehen."

Tatsächlich führt die Massentierhaltung in der gesamten Wertschöpfungskette - Futtermittel, Produktion, Verarbeitung und Verkauf - zu immer größeren Problemen. So verändert der Futtermittelanbau die Landnutzung drastisch. "Heute wird etwa ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Produktion von Tierfutter verwendet, und der Gesamtanteil der für die Viehwirtschaft verwendeten Fläche beträgt einschließlich Weideflächen global etwa 70 Prozent", rechnen Chemnitz und Sharma vor. Gravierende soziale und ökologische Probleme sind die Folge.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-11-06 14:02:05
Letzte nderung am 2014-11-06 17:10:41



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