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21.09.2011, 15:10 Uhr
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Wirtschaft macht Spielspaß


Kaufen! Entlassen! Bauen! Zerschlagen! Dass es für viele Spielefans nichts Schöneres gibt, als den Hobby-Vorstand oder Ökonomen aus Leidenschaft zu mimen, hat die Softwarebranche bereits früh erkannt. Seit nunmehr über vier Jahrzehnten wird die wirtschaftende Zielgruppe mit einer Reihe hochkarätiger Simulationen beglückt. Wiener Zeitung Online wirft einen Blick auf die spannendsten und denkwürdigsten Titel, die es in die Annalen der Computerspielgeschichte geschafft haben.

  •  Babylon im zweiten Jahrtausend vor Christus. Der Euphrat strömt, der Weizen sprießt, die Zivilisation erwacht.  Höchste Zeit, sich zum Herrscher aufzuschwingen: "Versuche, in deiner zehnjährigen Amtszeit das antike Sumeria zu regieren", begrüßt das legendäre Text-Spiel Hammurabi den User - und spricht den Volkswirt in ihm an. Felder wollen geerntet, Ländereien gehandelt und Untertanen ernährt werden. Das vermeintlich simple Spielprinzip war bahnbrechend: Zur Zeit seiner Programmierung schrieb man nämlich erst das Jahr 1968! Hammurabi, das auch als Kingdom Verbreitung fand, zählt damit zu einem der ersten Computerspiele überhaupt. Obwohl das Gameplay größtenteils die Eingabe von Zahlen umfasste, wird dem Titel, der in einer rudimentären Programmiersprache gebastelt wurde, großer Einfluss nachgesagt. So soll selbst das epochemachende Strategiespiel Civilization noch über 20 Jahre später von Hammurabi inspiriert worden sein. - Gamebase 64 Es gibt stolze Momente im Leben eines Bürgermeisters. Etwa, wenn das erste Flugzeug auf dem für teures Geld errichteten Flughafen landet. Oder wenn sich die Straßen zum neuen Mega-Wohnblock allmählich mit Autos füllen. Genau diese Momente lässt einen der Klassiker Sim City aus dem Jahr 1989 nachempfinden. Und wurde so zu einem Bestseller. Millionen von Menschen stürzten sich nach dem Erscheinen des Spiels auf Planung, Bau und Verwaltung ihrer virtuellen Traumstädte. Wer davon genug hatte, Industriezonen fein säuberlich von Siedlungsgebieten zu trennen, eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur aufzubauen, das richtige Maß an Polizeipräsenz zu finden und sein Stadtbudget mittels Justierung des Steuersystems unter Kontrolle zu halten, durfte sich an eine Auswahl von Szenarien heranwagen.  Dann musste etwa in Bern der Verkehrskollaps abgewendet, in Rio de Janeiro die Flut bewältigt oder in Tokio einem Verwandten Godzillas standgehalten werden. Sim City traf damit nicht nur den Nerv einer ganzen Spielergeneration, sondern räumte auch unzählige Preise ab. Und begründete eine Sim-Serie, die nach mehreren City-Nachfolgern bis heute noch in Gestalt der Software-Urenkel Die Sims weiterlebt. - Maxis Einmal den verwöhnten Kickern die Flügel stutzen. Den Fußballverein des Herzens zu Titel, Reichtum und Triumphen führen. All das war im Bundesliga Manager, einer 1989 veröffentlichten Simulation aus deutschem Hause, möglich. Als Vereinsboss musste man ebenso sportliche wie unternehmerische Entscheidungen treffen. "Wenn Du gut bist, kommen Zehntausende ins Stadion. Versagst Du, kommt nur der Gerichtsvollzieher", machte bereits der Klappentext des Spiels Mut. Die richtigen Investitionen in die Mannschaft oder ins Stadion waren folglich Voraussetzung für jeden Erfolg. Doch auch sportliches Geschick musste der Spieler unter Beweis stellen, etwa wenn es ans Training oder die passende Spieltaktik ging. Brillierte man als Manager und Trainer, winkte am Ende die große Belohnung: der Titel des deutschen Meisters. Das Spiel war einer der Wegbereiter für den guten Ruf, den deutsche Wirtschaftssimulationen speziell seit den 90er Jahren genossen. Und bekam angesichts des großen kommerziellen Erfolgs mehrere Fortsetzungen spendiert. - Software 2000 Bahnfahrer aufgepasst: Wenn Ihnen der schon wieder verspätete Zug den letzten Nerv raubt, machen Sie’s doch einfach besser. Und zwar mit Railroad Tycoon, dem 1990 erschienen Titel aus der Feder der Spieleentwicklerlegende Sid Meier. Das unglaublich komplexe Programm versetzte den Spieler in eines von mehreren wählbaren historischen Szenarien des 19. Jahrhunderts. Von da an wollten Gleise gelegt, Bahnhöfe gebaut, Personen- und Güterverkehr organisiert und einträgliche Routen entdeckt und bedient werden, um die eigenen Eisenbahngesellschaft zu einem florierenden Unternehmen zu machen. Ein ausgefeiltes Wirtschaftsmodell, das Gewinn- und Verlustrechnungen der eigenen Unternehmungen ebenso beinhaltete wie dynamische Nachfrageentwicklungen oder Eingriffsmöglichkeiten auf den Aktienmärkten, hielt die Spieler auch dank einer überzeugenden optischen Präsentation bei der Stange. Wer es geschafft hatte, sich in die Materie einzuarbeiten, wurde mit monatelangem Spielspaß belohnt. Danach konnte man dann sogar über lange Wartezeiten am Bahnhof hinwegsehen. - MicroProse Quoten, Quoten, Quoten. Im Fernsehen geht es eben immer nur um das eine. Als frischgebackener Programmdirektor bei Mad TV hatte man das im Jahr 1991 schnell begriffen. Schließlich galt es, im Alleingang für das richtige Programm zu sorgen, zwischen Eigenproduktionen und zugekaufter Ware zu entscheiden, Werbeverträge zu basteln und so nebenbei noch die TV-Konkurrenz in die Schranken zu weisen. Weil Mad TV neben Wirtschaftssimulation zugleich auch ausgewiesene Satire war, durfte man im Konkurrenzkampf auch zu ausgefalleneren Methoden greifen - und etwa arabische Terroristen gegen die Wettbewerber anheuern. Dass bei all diesen Agenden auch noch Herzensangelegenheiten geregelt werden mussten, motivierte zusätzlich: Denn nur dem erfolgreichsten TV-Jungmanager winkte die Hand der angebeteten Sekretärin. War man schließlich am Ziel, konnte man die humorvolle deutsche Wirtschaftssimulation mit einer beglückenden Erkenntnis zur Seite legen: Selbst im hektischen Fernsehbusiness bleibt eben manchmal doch noch Platz für tiefe Gefühle. - Rainbow Arts Software GmbH Wie erhöht man die Einnahmen an einem Getränkestand? Blitzschnelle Antwort aller Theme-Park-Veteranen: Indem die benachbarte Pommes-Bude ordentlich versalzt! Gerissenheiten wie diese waren dafür verantwortlich, dass sich 1994 das Image von Freizeitparks nachhaltig veränderte – zumindest bei jenen Millionen Computerspielern, die sich in Theme Park des Aufbaus und der Leitung eines Freizeitparks angenommen hatten. Immerhin waren einige Kniffe unerlässlich, wenn es darum ging, die auf das Gelände strömenden Besucher bei Laune zu halten - denn die waren durchaus anspruchsvoll. So mussten nicht nur laufend neue Attraktionen herangekarrt, das kulinarische Angebot ausgebaut und das Preisniveau sorgsam ausbalanciert, sondern auch knallharte Lohnverhandlungen geführt und feindliche Übernahmeversuche der Konkurrenz abgewehrt werden. Das durchaus harte Tagesgeschäft wurde dabei in eine derartig putzig-niedlichen Präsentation verpackt, dass man sich zuweilen selbst am liebsten von der sanften Optik und verspielten Klängen einfangen ließ. So kam es, dass nicht selten schon der Anblick des eigenen virtuellen Getränkestandes durstig machte. Und zwar ganz ohne Salz. - Bullfrog Wir schreiben das Jahr 1600. Sie sind Sprössling der reichen deutschen Dynastie der Fugger. Dumm nur, dass Ihr Erbe ziemlich überschaubar ist: Mit gerade einmal 750 Talern soll man das Familiengeschäft neu beleben. Also widmet man sich der Warenproduktion, dem Export und schließlich der Expansion an neuen Standorten. Nur wer gut wirtschaftet, seinen Arbeitern angemessene Löhne bezahlt, mit wachsendem Geldsäckel die Ämterlaufbahn im fiktiven deutschen "Mittelland" nach oben klettert und sich in die höchste Liga des Wirtschaftsadels emporschwingt, erweist sich als würdig, den Namen Fugger zu tragen. Apropos: Gewiefte Kaufleute hängen die Würde im Bedarfsfall im Kontor an den Haken und toben sich Hinterzimmer aus, wo Spionage, Sabotage und  andere fragwürdige Methoden in Auftrag gegeben werden. (Nebenbei gilt es natürlich daran zu denken, dass auch ein Fugger nicht ewig lebt. Also wollen Bräute oder Bräutigame mit Geschenken überhäuft werden, bis der Traumpartner zur Hochzeit einwilligt - und der Familie im Idealfall ein Kind schenkt.) Möglichkeiten und Freiheiten wie diese, aber auch der authentische historische Reiz sorgten dafür, dass die 1996 erschienene deutsche Wirtschaftssimulation bis heute auf eine treue Fangemeinde zählen darf. Denn speziell im Mehrspielermodus vermag Fugger II eine Faszination zu entwickeln, die viele aktuelle Titel vor Neid erblassen lassen. "Erinnert Ihr Euch noch?", will Fugger II vom Spieler nach Erreichen des Spielzieles wissen. "Ja", ist man heute gewillt zu antworten: "Das tun wir." - Sunflowers "Die erste Milliarde ist die schwerste", warb ein zigarrenrauchender Manager im Jahr 1997 in einschlägigen Spiele-Fachmagazinen für den neuesten Titel des österreichischen Herstellers JoWooD. Der als Ansporn gedachte Werbespruch war für Der Industriegigant eigentlich unpassend: Spielerisch leicht wurde man an die Schaffung eines eigenen Imperiums herangeführt, das erst nach und nach seine ganze Komplexität enthüllte. Von der Lieferung der Rohstoffe über die Fertigung und die Preisgestaltung bis hin zur Standortwahl galt es dabei, mit so unterschiedlichen Produkten wie Gartenhäusern und Tennisschlägern auf dem Weltmarkt zu reüssieren. Unterstützt wurde man dabei von einem reichen Aufgebot an Statistiken, Bilanzen und Grafiken. Zu nüchtern wurde das Spiel dank der liebevollen, an SimCity erinnernden, isometrischen Grafik zwar nie, dennoch gilt es bis heute es als eines der ernsthaftesten Managementsimulationen.  Das traurige Schicksal des Industriegiganten, dem eine durchaus brauchbare Fortsetzung folgte, war, dass seine Entwickler ihre betriebswirtschaftliche Expertise offenbar stärker in das Spiel als in das Unternehmen JoWooD eingebracht hatten: Nach mehreren Rettungsversuchen ging der österreichische Hersteller im März 2011 pleite. Die erste Milliarde ist eben offenbar wirklich die schwerste. - JoWooD Holz, Werkzeuge und Nahrungsmittel - man muss kein MacGyver sein, um mit diesen Zutaten eine blühende frühmoderne Zivilisation zu schaffen. Zumindest, wenn man Anno 1602 sein Eigen nennt. Im 1998 erschienen Simulations-Hit aus deutsch-österreichischer Koproduktion geht es nämlich darum, aus wenig viel zu machen. Konkret darf man sich als Entdecker eines jungfräulichen Eilandes um dessen Eroberung und Besiedelung kümmern. Dabei werden historisch nicht ganz abwegige Produktionsketten geschaffen, Handelskreisläufe etabliert, Steuersysteme optimiert und Fehden und Allianzen mit den lieben Mit-Kolonisatoren gepflegt. Und natürlich die Siedlergemeinschaft und deren Reichtum stetig vergrößert. Der Titel, der sich millionenfach verkaufte, glänzt wie alle seine drei Fortsetzungen mit seinem Spielprinzip, einer wunderbaren Wuselgrafik und speziell seiner logischen historischen Wirtschaftssystematik. Wie wichtig diese für den Erfolg der traditionsreichen Aufbausimulation ist, wird sich im bereits erwarteten fünften Teil der Serie erweisen: Anno 2070 schickt den Spieler erstmals in die Zukunft. Da werden wohl selbst Holz, Werkzeuge und Nahrungsmittel für das Überleben der Zivilisation nicht ausreichen. - Max Design/Sunflowers Camelback, Thrillrider und Corkscrew sagen Ihnen nichts? Keine Bange, nach ein paar Runden RollerCoaster Tycoon werfen Sie mit Fachvokabel wie diesen nur so um sich. Was bei seinem Erscheinen im Jahr 1999 auf den ersten Blick wie ein Theme Park-Clon aussah und diesen Eindruck auf den zweiten Blick auch bestätigte, erwies sich auf den dritten Blick als innovatives Freizeitpark-Simulationsspiel mit einer Reihe von fesselnden und Maßstäbe setzenden Eigenschaften. So bekannt das Spielprinzip, mit knappen finanziellen Mitteln ein Maximum aus dem Freizeitparkgelände herauszuholen, bereits aus Theme Park war, so frisch kam die Umsetzung bei RollerCoaster Tycoon daher:  So galt es zwar, in Verhandlungen mit Banken ebenso sein Geschick unter Beweis zu stellen wie in der effizienten Organisation des Personals und der Überwachung von Ausgaben und Einkünften, wahre Genugtuung erlangte man jedoch auf einem anderen Gebiet: der Planung und Gestaltung der Achterbahnen als Hauptattraktionen des Parks. Aus einer Vielzahl an Bauelementen- und Möglichkeiten waren die spektakulärsten - und gleichzeitig wirtschaftlichsten - Achterbahnen zu designen. Da Herausforderungen wie Kostendruck oder gelangweilte Besucher den Parkmanager permanent auf Trab hielten, blieb kaum Zeit, die eigenen Wunderwerke eingehend zu bestaunen. Dafür entstand im Internet eine Community, in der Spieler Bilder ihrer RollerCoaster (auch in den Fortsetzungen des Titels) austauschten und diskutierten. Und dabei auch ihr gesamtes Vokabular zur Anwendung bringen konnten. - Hasbro Diktator werden ist nicht schwer, Diktator sein dagegen sehr! In Tropico, dem 2001 erschienen Aufbauspiel amerikanischer Machart, darf man seine Qualitäten als Freizeit-Despot zwischen Devisenwirtschaft und Revolutionsrhetorik beweisen. Angesiedelt auf einer karibischen Insel der 50er Jahre und mit unverkennbaren Parallelen zu Fidel Castros Kuba ausgestattet, kümmert man sich um ein intaktes Steuersystem, bringt Wirtschaftssektoren zum Erblühen, sorgt für einen funktionierenden Arbeits- und Wohnungsmarkt - und hält natürlich oppositionelle Gruppen mit Bestechungen oder anderen handfesten Methoden in Schach. Weil die Simulation sowohl dank ihrer Spieltiefe als auch der prächtigen Optik überzeugte, räumte Tropico zahlreiche Preise ab und wurde mit der dauerhaften Gunst der Spieler belohnt. Bis heute hat die mit Tropico begründete Serie Bestand und hält aktuell bei vier Teilen. Am erfolgreichen Spielprinzip hat sich seither wenig geändert: Diktator ist man eben auf Lebenszeit. - Take2



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