• vom 25.01.2011, 17:58 Uhr

Forschung

Update: 25.01.2011, 17:59 Uhr

Internationales Jahr der Chemie 2011 startet in Österreich kommende Woche - doch Personalressourcen fehlen

Wie die Chemie sich selbst erneuert




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Von Eva Stanzl

  • Das Fach gilt als Basis für Industrie, Wirtschaft und Forschung.
  • Experte Keppler: "Die Rohstoffknappheit kann nur mit Chemie gelöst werden."
  • Wien. Nützt Chemie uns - oder schadet sie vielmehr? Der Skandal um Dioxin in deutschen Futtermitteln lässt vermuten, dass sie beizeiten mehr schadet, als sie nützt. Im Rahmen des internationalen Jahres der Chemie 2011 sollen hingegen die nützlichen Seiten des Fachs zelebriert werden. Kommende Woche gibt das Wissenschaftsministerium den Auftakt in Wien.

Blumen vor Erdölpumpen auf einem Ölfeld: Erneuerbare Rohstoffe müssen chemisch so verfeinert werden, dass sie das Rohöl in nahezu allen Bereichen kostengünstig ersetzen können. Foto: Lo Mak/Redlink/Corbis

Blumen vor Erdölpumpen auf einem Ölfeld: Erneuerbare Rohstoffe müssen chemisch so verfeinert werden, dass sie das Rohöl in nahezu allen Bereichen kostengünstig ersetzen können. Foto: Lo Mak/Redlink/Corbis Blumen vor Erdölpumpen auf einem Ölfeld: Erneuerbare Rohstoffe müssen chemisch so verfeinert werden, dass sie das Rohöl in nahezu allen Bereichen kostengünstig ersetzen können. Foto: Lo Mak/Redlink/Corbis

Im Vorjahr feierte man das Jahr der Biodiversität und 2009 das Jahr der Astronomie. Warum heuer jenes der Chemie? Weil vor genau 100 Jahren Marie Curie für ihre Entdeckung der chemischen Elemente Polonium und Radium der Nobelpreis für Chemie zuerkannt wurde. Eine Begeisterung für das Fach, das als einzige Wissenschaft neue Stoffe erschaffen kann, folgte. Neuen Verbindungen wie Lacke, Bodenbeläge, Kleider- und Treibstoffe verbesserten den Alltag. Doch der Enthusiasmus wich einer kritischen Grundhaltung, als sich die Gesellschaft an den Komfort gewöhnt hatte. Umweltschäden durch Chemikalien, welche der Mensch wiederum selbst zu verantworten hatte, machten und machen in zunehmendem Ausmaß Schlagzeilen.

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Insgeheim atmet die Welt der Chemiker also heuer über einen Platz an der Sonne auf. Der ihnen - trotz tragischer Negativ-Folgen von Unfällen - zusteht. Denn "die Chemie ist die Basiswissenschaft für die Gesellschaft", sagt Bernhard Keppler, Dekan der Fakultät für Chemie an der Universität Wien.

Es ist die drittgrößte Industrie Österreichs, die ihrerseits wiederum in sämtliche Industriezweige hineinwirkt - von Autozulieferern über Papierhersteller bis hin zur Computer- und Pharmaindustrie. "Die wirtschaftlichen Probleme der in Zukunft, ganz besonders die Rohstoffknappheit, können nur mit der Chemie gelöst werden", betont Keppler.

Ein Hauptaugenmerk des Fachs gilt heute dem Ersatz von Rohöl durch andere chemische Verbindungen.

In allen Bereichen, in denen es Alternativen zu Rohöl gibt, wie etwa das Heizen, müsse dieses rigoros eingespart und ersetzt werden, sagt der Dekan. Die Chemie müsse nun entschlüsseln, wie nachwachsende Rohstoffe so verarbeitet werden können, dass sie weltweit und kostengünstig einsetzbar werden. Weiters müsse Rohöl als Grundmaterial in Lacken, Innenausstattungen, Kunststoffen, oder Transportmitteln flächendeckend durch chemische Produkte ersetzt werden, denen wiederum natürliche Rohstoffe wie Holz als Basis dienen.

Hälfte der Medikamenteberuhen auf Rohöl

In der Medizin stehen die Chemiker hingegen vor einem Problem. In etwa der Hälfte aller Arzneien - von der Tablette bis zum Infusionscocktail - beruhen auf chemischen Produkten, deren Grundstoffe auf Erdöl beruhen. Für sie muss die Chemie einen Ersatz finden, den es derzeit noch nicht gibt. In diesem Sinn muss sich die Chemie also selbst erneuern. Und für ihre eigenen Verbindungen neue Grundamaterialien finden. Das könnte freilich noch länger dauern als die Arbeit an neuen Brennmaterialien zum Heizen von Häusern. "Der zeitliche Vorlauf beträgt nicht Jahre, sondern Jahrzehnte", sagt Keppler.

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Dokument erstellt am 2011-01-25 17:58:35
Letzte Änderung am 2011-01-25 17:59:00



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