• vom 25.04.2012, 18:06 Uhr

Forschung

Update: 25.04.2012, 18:16 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Gegen "schreckliche Vereinfacher"


Von Heiner Boberski

  • Rudolf Taschner erklärt, warum Verständnis für Forschung so wichtig ist.

Wien. Dass die Forschung heute mehr als früher an die Öffentlichkeit gehen muss, ist für den Wiener Mathematiker Rudolf Taschner im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" völlig klar: "Weil sie teuer ist. Die Forschung muss sich rechtfertigen."

Werbung

Als Beispiel für den einstigen, von der Welt abgehobenen "Forscher im Elfenbeinturm" nennt Taschner den französischen Mathematiker Pierre de Fermat aus dem 17. Jahrhundert, der von Beruf Rechtsanwalt war: "Er hat eine berühmte Vermutung aufgestellt, einen Beweis dafür aber nicht publiziert. Erst der Brite Andrew Wiles, auch so ein Elfenbeinturm-Forscher, fand Ende des 20. Jahrhunderts nach langem Tüfteln einen Beweis - ohne Computer, mit Bleistift und Papier, so eine Forschung kostet nicht viel. Wenn man finanziell unabhängig ist, kann man sich den Elfenbeinturm leisten, sonst muss man sich rechtfertigen."

Auch die Experimente von Michael Faraday im 19. Jahrhundert hätten vergleichsweise wenig gekostet, "aber selbst der brauchte Förderung. Als er seine Ergebnisse deshalb dem Finanzminister vorstellte, hat der gefragt: ,Wozu ist das gut?‘ Faraday antwortete: ,Herr Minister, in ein paar Jahrzehnten werden Sie dafür Steuer einheben können.‘ Das ist keine schlechte Antwort."

Dass bei einer Umfrage vor einigen Jahren als bekannteste Wissenschafter des Landes neben dem Physiker Anton Zeilinger der Politiker und Journalist Josef Broukal und der damalige Operndirektor Ioan Holender genannt wurden, nimmt Taschner, der mit seinem "math.space" im Wiener Museumsquartier Mathematik populär macht, nicht tragisch: "Die einen stellen Waren her, die anderen verbreiten sie, auch in der Forschung. Ich selbst bin Verbreiter und nicht bekannt durch große neue Erkenntnisse. Für Verbreiter ist wichtig, dass ihr Name bekannt ist. Insofern ist der Name Broukal nicht so schlecht, er war ja mit seiner Sendung ,Modern Times‘ ein bekannter Verbreiter."

"Ich möchte vor allem wissen und verstehen"
Wenn man Wissenschaft verbreiten wolle, so Taschner, müsse man sich "in die Gedankenwelt von Menschen versetzen, die Wissenschaft nur peripher interessiert. Die erste Frage ist: Wie gewinne ich Interesse? Und dann: Am Ball bleiben. Man muss eine Botschaft vermitteln und muss sie mehrfach wiederholen."

Für Taschner sollte am besten der Forscher selbst authentisch über sein Fach sprechen und damit seine eigene Leidenschaft für die Fragestellungen spüren lassen. "Man forscht, um zu wissen oder um zu können. Heute ist mehr das Können gefragt: Welche Medikamente werden wir anwenden, welche Geräte werden wir bauen, welche Patente werden wir anmelden können? Das ist nicht so meines, ich möchte vor allem wissen und verstehen."

"Das Schlimmste sind Dummheit und Aberglaube"
Das "Gütesiegel einer großen Universität" ist für Taschner die Verbindung von Forschung und Lehre: "Zu den Studenten spricht einer, der weiß, was Forschung bedeutet, einer, der mehr ist als nur Lehrer." Wenn Österreich sich um Spitzenforschung bemühe, sei nicht ein Nobelpreis das Ziel: "Es geht darum, neue Produkte zu entwickeln, die man sich heute noch gar nicht vorstellen kann." Das Klima, das durch Spitzenforschung, durch Denken auf hohem Niveau in einem Lande entstehe, bringe zusätzlich kluge Leute ins Land und helfe auch politisch, um nicht den "schrecklichen Vereinfachern" ausgeliefert zu sein. Kritische, skeptische Menschen hält Taschner für sehr wichtig: "Das Schlimmste sind Dummheit und Aberglaube."




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-25 18:11:05
Letzte Änderung am 2012-04-25 18:16:15


Beliebte Inhalte



Rekonstruktion der Überreste des wikingerzeitlichen Häuptlingssitzes in Borre. - LBI Arch Pro/Wallner
  • Österreichische Archäologen sind Weltspitze in der nicht-invasiven Erkundung aussichtsreicher Grabungsstätten.
  • weiter

Malereien in den Höhlen der Sierra de San Carlos. - INAH
  • Archäologen entdeckten tausende Felsmalereien im Nordosten Mexikos.
  • weiter

Exemplare wie dieser leben heutzutage nur noch in Gefangenschaft. - corbis
  • Der weiße Tiger ist laut Forschern ein bewahrenswerter Teil der Natur.
  • weiter

Inzucht macht Wölfe krankheitsanfällig. Forscher bauen Wildbrücken, damit die Raubtiere wandern und sich mischen können. - keystone
  • Zum Erhalt der Art benötigen die Raubtiere Partner mit anderem Blut.
  • weiter

Der WHO sind bisher 41 Infektionen mit dem neuen Coronavirus gemeldet worden, wobei 20 der betroffenen Patienten starben - vor allem im Nahen Osten. "Eine Gefahr in einer Region kann schnell zu einer Gefahr für alle werden", warnte die WHO-Chefin. - APAweb/AP/Health Protection Agency
  • "Die Situation verlangt die Zusammenarbeit der gesamten Welt."
  • weiter

Der Satellit beherbergte zahlreiche Species. - Bild: Roskosmos
  • De Biosputnik ist zurück.
  • weiter

Angelina Jolie im Jahr 2001 mit ihrer sechs Jahre später im Alter von 56 Jahren verstorbenen Mutter Marcheline Bertrand. - reuters
  • Bei bestimmten Genmutationen ist das Brustkrebsrisiko um ein Vielfaches erhöht.
  • weiter

Dank und viel Beifall für Helmut Denk. - apa/Hochmuth
  • Scheidendes ÖAW-Präsidium zieht positive Bilanz und erhält Anerkennung.
  • weiter

Klonen kann gefährlich sein, wie Steven Spielbergs "Jurassic Park" zeigt. - apa/Universal/Amblin
  • Klonen ist ein zentrales Thema der Science Fiction in Film und Literatur.
  • weiter

Beim Klonen entnahmen die US-Wissenschafter unter anderem der Eizelle den Kern. - OHSU/dpa
  • Forscher klonen erstmals menschliche Stammzellen, daraus wird jedoch noch kein geklontes Kind geboren.
  • weiter




Werbung





Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971,

Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers. Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

"Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Werbung