München. Nur das Klonschaf Dolly war als Versuchstier berühmter: Vor 20 Jahren wurde die Harvard-Krebsmaus als erstes Tier in Europa patentiert. Forscher der Harvard-Universität hatten der Maus menschliche Brustkrebsgene übertragen. An dem Tier sollten neue Therapiemethoden getestet werden. Der Erfolg für die Forschung blieb allerdings gering. Die Entscheidung des Europäischen Patentamts (EPA) ebnete aber den Weg für eine ganze Welle von Patentanmeldungen auf Tiere. "Das war ein Türöffner für all die Patente, die jetzt erteilt werden", sagt der Greenpeace-Berater Christoph Then.
Tausende Patente auf Tiere wurden den Gegnern zufolge seitdem beim EPA beantragt, gut tausend wurden erteilt - auf ganze Tiere, Zellen oder Gene. Auch auf menschliches Erbgut gibt es Patente, ebenso auf adulte Stammzellen oder Humaninsulin. "Keine Technologie ist a priori vom Patentschutz ausgenommen", sagt EPA-Sprecher Rainer Osterwalder. Ethische Grenzen gibt es fast nur beim Menschen: Das Klonen etwa oder die Geschlechtsauswahl bei der Zeugung sind beim Menschen verboten.
Proteste gegen Patente auf Tiere und Pflanzen
Patente auf Tiere und Pflanzen - wie die Schrumpel-Tomate für die Ketchup-Produktion oder extra-gesunden Brokkoli - sorgen immer wieder für Proteste. Umweltverbände und Tierschützer, christliche Gruppen und Entwicklungshilfeorganisationen, Züchter und Bauern warnen vor einem Monopol der Patentinhaber und steigender Marktmacht großer Konzerne. Bauern gerieten in Abhängigkeit, mittelständische Züchter würden vom Markt gedrängt, Patentgebühren könnten Lebensmittelpreise auch in der Dritten Welt hochtreiben. Laut Ruth Tippe von "Kein Patent auf Leben" sind viele Nahrungspflanzen von Gemüse über Weizen und Reis bis Gerste patentiert - "alles, was tägliches Brot ist".
"Wir schauen nicht auf die Wirtschaftlichkeit einer Erfindung", betont EPA-Sprecher Rainer Osterwalder. Hinter den Patentanmeldungen stehen nach Ansicht der Gegner jedoch vorwiegend wirtschaftliche Interessen. Umweltschützer, Politiker und Bauern fordern unisono eine Änderung der Vorschriften.
Profitgier wider Forschung
Erforschung und Bekämpfung von Krebs zum Wohl der Menschheit seien von übergeordneter Bedeutung, argumentierte das EPA, als es vor 20 Jahren am 13. Mai 1992 das zunächst abgelehnte Patent auf die Maus doch erteilte (EP 0169672). Vermutlich auch wegen der Lizenzgebühren machten Forscher aber wenig Gebrauch von dem Tiermodell. Patente auf Versuchstiere könnten die Entwicklung behindern, lautet die Kritik.