• vom 04.07.2012, 18:12 Uhr

Forschung

Update: 05.07.2012, 08:27 Uhr
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"Ein Blitz ist ein Nobelpreis-Problem"


Von Ronald Schönhuber

  • Physiker Werner Gruber über die ungelösten Fragen der Wissenschaft.

"Wiener Zeitung":Das Rätsel um das Higgs-Teilchen scheint gelöst? Welche Frage lässt nun die Wissenschaftler in der Nacht unruhig in ihren Betten herumrutschen?

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Werner Gruber: Es ist natürlich toll, dass das Higgs-Teilchen jetzt entdeckt wurde, aber es ist uns nicht wirklich im Magen gelegen. Ich kenne nicht viele Kollegen, die geglaubt haben, das gibt es nicht. Das war jetzt gewissermaßen der Schlussstein. Bei uns in der Physik drehen sich die großen Fragen derzeit um eine Vereinheitlichung der Naturgesetze. Wir haben einerseits die Relativitätstheorie, die die Welt im ganz Großen beschreibt und anderseits die Welt des Allerkleinsten, die Quantenmechanik. Das Problem ist, dass diese zwei Theorien nicht kompatibel sind.

Werner Gruber ist Neurophysiker und Mitarbeiter am Institut für Experimentalphysik an der Uni Wien. Als "Science Buster" bereitet er Naturwissenschaft mit einem Augenzwinkern auf.

Werner Gruber ist Neurophysiker und Mitarbeiter am Institut für Experimentalphysik an der Uni Wien. Als "Science Buster" bereitet er Naturwissenschaft mit einem Augenzwinkern auf.ecowin Werner Gruber ist Neurophysiker und Mitarbeiter am Institut für Experimentalphysik an der Uni Wien. Als "Science Buster" bereitet er Naturwissenschaft mit einem Augenzwinkern auf.ecowin

Gibt es auch ganz banale Dinge in der Welt der Physik, die man nicht erklären kann?

Ja, ein klassisches Gewitter. Das gilt bis heute als ein Nobelpreis-Problem: Auf der Wolkenunterseite befinden sich Elektronen und diese müssen zum Erdboden hinunter. Dazwischen befindet sich aber eine Luftschicht, die wie ein Isolator wirkt. Theoretisch dürfte also kein Blitz zum Boden kommen, trotzdem tut er es. Warum das so ist, wissen wir nicht.

Wieso findet man für solche Fragen keine Lösung. Fehlt es da an Hirnschmalz oder an Ressourcen?

Beim Gewitter ist das eine Frage der Ressourcen. Ich brauche einen Ort, an dem es viele Gewitter gibt, und ich brauche Messgeräte und Hubschrauber. Und dann muss ich noch den richtigen Zeitpunkt abpassen. Bei Gewittern handelt es sich zudem um Grundlagenforschung und da ist einfach zu wenig Geld da. Wenn wir nur einen Bruchteil jener Summen hätten, die die Banken vernichten, könnten wir vieles lösen.

Von der Klärung welcher ungelösten Frage würden wir denn am meisten profitieren? Sei es nun volkswirtschaftlich oder ganz allgemein zum Wohle der Menschheit?

Was in absehbarer Zeit sehr wichtig werden wird, ist zu erkennen, warum es Übergewicht gibt. Teilweise ist es eine Suchtproblematik, teilweise ist es stressabhängig. Nur zu sagen, es wird zuviel oder nicht das Richtige gegessen, erklärt nicht alles. Da wird sehr viel Blödsinn erzählt. Ein ähnlich großes Problem wie Übergewicht ist natürlich Krebs.

Viele hätten wohl auch Kernfusion auf der Liste.

Da muss man sagen, wo ist das Problem? Das Problem ist gelöst, es geht jetzt nur noch darum, dass das alles großindustriell umgebaut werden muss. Derzeit wird gerade der internationale Forschungsreaktor Iter errichtet, der in wenigen Jahren in Betrieb gehen wird. Und wenn man dort alles ausprobiert hat, dann wird 15 oder 20 Jahre später woanders gebaut werden. Das ist aber keine Forschungsfrage mehr, sondern eher eine Frage, wie baut man einen Mikrowellenherd und lackiere ich den dann rot oder nicht.

Auch Homöopathie und der Placebo-Effekt lassen sich nicht restlos erklären.

Dass Homöopathie wirkt, dafür gibt es bis heute keinen einzigen wissenschaftlichen Nachweis. Das bisher einzige derartige Paper musste später wieder zurückgezogen werden. Der Placebo-Effekt ist hingegen zweifellos da.

Von der Lösung welches wissenschaftlichen Problems ist man den derzeit am weitesten entfernt?

Was derzeit wirklich eine schwierige Geschichte ist, ist Dunkle Materie. Diese benötige ich, um zu erklären, wie sich unsere Galaxie dreht. Umgekehrt müsste sie aber auch erklären, wie sich unser Sonnensystem dreht. Allerdings kommt unser Sonnensystem ohne dem aus.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-04 18:17:08
Letzte Änderung am 2012-07-05 08:27:28


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