• vom 09.08.2012, 14:00 Uhr

Forschung

Update: 09.08.2012, 17:18 Uhr

3D-Sound

Neue Klänge aus alten Boxen




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Von Klaus Stimeder

  • Der Raketenantriebsforscher Edgar Choueiri gehört zu den meist ausgezeichneten Wissenschaftern der Welt. Mit seiner neuen Erfindung schickt er sich derzeit an, unsere Hörgewohnheiten für immer zu verändern.

In seinem Audiolabor in Princeton arbeitet Edgar Choueiri derzeit am perfekten dreidimensionalen Sounderlebnis. - © 3DA3A Lab/Princeton University

In seinem Audiolabor in Princeton arbeitet Edgar Choueiri derzeit am perfekten dreidimensionalen Sounderlebnis. © 3DA3A Lab/Princeton University

Edgar Choueiri ist ein Genie. Einer von den Menschen, die eine Maschine anschauen und 30 Sekunden später nicht nur verstehen, wie sie funktioniert, sondern es einem auch erklären können (wenn man sich das antun will). Einer von denen, die nicht einmal ein Jahr in einem fremden Land leben und danach die Sprache der Einheimischen nicht nur perfekt lesen, sondern auch schreiben können. Einer von denen, die, auf die Frage, was sie bisher so gemacht haben, nicht antworten: "Ach, das übliche, Arbeit halt", sondern in beängstigend selbstverständlichem Ton von ihren Erlebnissen in drei, vier, fünf europäischen und asiatischen Metropolen berichten, in denen sie gerade Vorträge über "Instabilitäten und Turbulenzen bei kollidierenden Plasmateilchen" gehalten haben.

Ein Star der Forschung
Im amerikanischen Englisch gibt es eine Redensart, die immer dann benutzt wird, wenn man jemandem zu verstehen geben will, dass er oder sie schwer von Begriff ist: "C’mon. It’s not exactly rocket science." (Sinngemäß übersetzt: "Geh, bitte. Man muss kein Raketenforscher sein, um das zu kapieren.") Edgar Choueiri würde diese ganz und gar alltägliche Phrase niemals in den Mund nehmen. Dafür hat er zu viel Respekt vor seiner Arbeit.

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Edgar Choueiri ist Raketenforscher. Genauer: Raketenantriebsforscher. Noch genauer: Der 50-Jährige leitet das Raketenantriebs-Forschungslabor der amerikanischen Eliteuniversität Princeton, New Jersey. Ihr dient er zudem als Professor für Angewandte Physik und Luft- und Raumfahrttechnik.

In diesen, seinen ureigenen Feldern, zählt er zu den höchst dekorierten Wissenschaftern unserer Zeit. (Choueiri ist, unter anderem: Präsident der Internationalen Gesellschaft für Raketenantriebsforschung, Ehrenvorsitzender des "American Institute of Aeronautics and Astronautics Elec-tric Propulsion Technical Committee", Träger des Ordens des "Ritters der Zeder" - die zweithöchste Ehre, die einem im Staate Libanon zuteil werden kann. Choueiri ist seit langem US-Staatsbürger, aber im Nordlibanon geboren.) Und Edgar Choueiri ist der Mensch, der die Hörgewohnheiten des 21. Jahrhunderts verändern wird.

"Ich muss dich an jemanden weitergeben, der unbedingt mit dir reden will", sagt die Stimme am anderen Ende des Telefons. Ein Knacken, dann: "Ich wollte, muss dir gratulieren. Man hat mir gerade deine neue Erfindung vorgeführt. Das ist unglaublich, eine Revolution. Hör zu: Wenn das okay für dich ist, gehe ich damit morgen zu meinen Leuten bei Apple und rede mit ihnen darüber. Die müssen einfach was daraus machen."

Reges Firmeninteresse
Choeuiri bedankt sich, tauscht noch ein paar Höflichkeitsfloskeln aus, dann legt er auf. Es ist erst ein paar Monate her, dass sich der beschriebene Anruf genau so ereignete. Der neue Fan hatte gerade einen Freund Choueiris zu Besuch, der ihn mit dessen Erfindung vertraut gemacht hatte. Der Mann, der in den Siebzigern gemeinsam mit Steve Jobs Apple gegründet hatte, gab sich schwer beeindruckt. Steve Wozniak pflegt heute (wieder) gute Kontakte zu seiner alten Firma. Ob sie eine von denen sein wird, die von Choueiris Erfindung am meisten profitieren werden, wird sich erst in paar Jahren weisen.

Seit sie bekannt geworden ist, gibt es im Bereich der Unterhaltungselektronik praktisch keinen Weltkonzern, der sich nicht darum angestellt hat. Das Rennen machte bisher nur einer: Sony. Kazuo Hirai, seit Anfang April CEO (Chief executive Officer) und Präsident des japanischen Giganten und Vorstandsvorsitzender Sir Howard Stringer empfingen Choeuiri jüngst persönlich und drückten ihm - beziehungsweise der Uni Princeton, welche die Vermarktung seines Patents übernommen hat - ein paar Millionen Dollar in die Hand, um die Forschungsergebnisse weiter zu optimieren.

Geheimnisvolle Filter
Edgar Choueiris Erfindung klingt simpel: 3D Sound. Ein dreidimensionales Hörerlebnis in feinster Klangqualität. Aus zwei stinknormalen Stereolautsprechern. "Es ist ungefähr so, wie wenn man einen 3D-Film ohne Brille und sonstige technische Hilfsmittel schaut und trotzdem das volle dreidimensionale Erlebnis hat", erklärt Choueiri. Wem noch immer nicht ganz klar ist, was das bedeutet, dem kann man es vielleicht so erklären: Choueiris Patent verhält sich zu dem, was wir heute als "Surround Sound" als das höchste der Gefühle kennen, ungefähr so wie die Glühlampe von Thomas Edison zu einer Kerze. Das Geheimnis liegt in von ihm entwickelten, speziellen Filtern, deren innere Zusammensetzung ihm - und bis heute nur ihm und seinem Lizenzpartner - bekannt sind und die einfach in handelsübliche Stereolautsprecher eingebaut werden können. Aus, fertig.

Das Erlebnis, das einer hat, der sich zum ersten Mal dieser Art von Sounderfahrung aussetzt, kann Angst machen.

Tatort: Das dem Raketenantriebsforschungslabor angeschlossene Audiolabor Choueiris am Campus der Uni Princeton, das keine 40 Quadratmeter umfasst. Der Professor bittet den Probanden in einen in dem Raum befindlichen Kubus, der nur einen Ein- und Ausgang hat und der innen mit weißen, schallschluckenden Polstern abgedichtet ist. "Bitte in der Mitte aufstellen, hinter dem Kopf." Der Kopf ist ein der Form des menschlichen Schädels nachempfundener Dummy, an dem ein paar Kabel herunterhängen. Gegenüber stehen zwei Stereolautsprecher. "Bereit?" "Bereit." Die Show beginnt.

"Cool, ey?" - Professor Choueiri ist sich der Wirkung seiner Erfindung bewusst.

"Cool, ey?" - Professor Choueiri ist sich der Wirkung seiner Erfindung bewusst.© 3DA3A Lab/Princeton University "Cool, ey?" - Professor Choueiri ist sich der Wirkung seiner Erfindung bewusst.© 3DA3A Lab/Princeton University

Vor 125 Jahren wurde die Schallplatte erfunden. Zur Zeit wird das Hörerlebnis wieder in eine neue Dimension geführt.

Vor 125 Jahren wurde die Schallplatte erfunden. Zur Zeit wird das Hörerlebnis wieder in eine neue Dimension geführt.© dpa/Imke Plesch Vor 125 Jahren wurde die Schallplatte erfunden. Zur Zeit wird das Hörerlebnis wieder in eine neue Dimension geführt.© dpa/Imke Plesch

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2012-08-09 16:49:43
Letzte Änderung am 2012-08-09 17:18:45


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