• vom 15.05.2014, 12:37 Uhr

Forschung

Update: 15.05.2014, 12:41 Uhr

Wissenschaft

Mit harter Arbeit zum Nobelpreis: Max F. Perutz wäre 100 Jahre alt




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • "Die Anatomie des Hämoglobin-Moleküls zu enträtseln, mag viel Ausdauer und harte Arbeit benötigt haben, aber vergleichsweise wenig Vorstellungskraft".

Wien. "Die Anatomie des Hämoglobin-Moleküls zu enträtseln, mag viel Ausdauer und harte Arbeit benötigt haben, aber vergleichsweise wenig Vorstellungskraft", meinte Max F. Perutz, als er sich 1962 bei der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften für den Nobelpreis bedankte. Am 19. Mai vor 100 Jahren wurde der Chemiker, der in Cambridge seine wissenschaftliche Passion fand, in Wien geboren.

"Persönlich war er sehr bescheiden, doch er hatte großes Verständnis für die Leistungen anderer", erklärte Hans Tuppy im Gespräch. Der renommierte Biochemiker und ehemalige Wissenschaftsminister kam 1948 auf Vermittlung von Max Ferdinand Perutz nach Cambridge und war dort an der erstmaligen Aufklärung der Aminosäuren-Abfolge eines Proteins (Insulin) beteiligt.

Werbung

Heranbilder von Nobelpreisträgern
In der von Perutz 1947 gegründeten Abteilung für Molekularbiologie in Cambridge gingen unter dessen Leitung (bis 1979) sechs Nobelpreisträger hervor, darunter die Entdecker der DNA-Doppelhelix James Watson und Francis Crick. "Natürlich" habe Perutz seine Hand im Spiel gehabt, dass in dem Institut solche außerordentlichen Leistungen vollbracht wurden, meint Tuppy: Dass er nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellte, sondern die Begabung anderer Forscher erkannte und sie förderte, sei bei ihm hervorstechend gewesen.

Die Wissenschaft stellte Perutz in den Dienst der Menschen. "Von vielen Dingen wissen wir nicht genug, und manche Fragen werden wir nie lösen können; aber was wir wissen, sollten wir nutzen, um das Los der Menschen zu verbessern", sagte Perutz anlässlich seines 80. Geburtstages in einem APA-Interview. Er legte auch Wert darauf, seine Erkenntnisse für Nicht-Wissenschafter verständlich darzustellen. "Immer, wenn ich schreibe, sitzt ein Papagei auf meiner Schulter, der krächzt: Kann man das nicht einfacher sagen", erklärte er in seinem Buch "Is Science Necessary?".

Perutz Eltern waren jüdische Textilfabrikanten. Sie ließen ihn mit sechs Jahren katholisch taufen, um ihn vor Diskriminierung zu bewahren. Er besuchte das Theresianum in Wien, wo ihn ein Chemieprofessor für das Fach begeisterte. So studierte er nach der Matura an der Universität Wien Chemie.

Mehr wissenschaftliche Möglichkeiten in England
Für seine Doktorarbeit zog er nach Cambridge. Perutz bestand später immer darauf, dass ihn die wissenschaftlichen Möglichkeiten nach England gezogen hätten und er nicht wegen des Antisemitismus aus Österreich geflohen war. "Ich schätze besonders an ihm, dass er trotz aller Schwierigkeiten zu unserem Land immer ein positives Verhältnis aufrechterhalten hat", so Tuppy.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-05-15 12:37:59
Letzte nderung am 2014-05-15 12:41:00



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Bald ohne Schatten
  2. Treibhauswärme im Permafrost
  3. Wikipedia der Antike
  4. Tierschützer gegen Kreuzfahrtschiffe
  5. Tierschützer gegen Kreuzfahrtschiffe
Meistkommentiert
  1. Treibhauswärme im Permafrost
  2. Das Gehirn im Bausatz
  3. Nachwuchs dank Bioprinting
  4. Das himmlische Auge

Werbung





Werbung