• vom 24.08.2015, 16:26 Uhr

Forschung


Exzellenz

Forschungsförderung vor Kollaps?




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  • Heimische Spitzenwissenschafter sprechen eine Warnung aus.

Wien. Heimische Spitzenforscher warnen vor einem "Kollaps der Forschungsförderung". Derzeit herrsche "Mangelverwaltung und Krisenstimmung", heißt es in einer Aussendung von Vertretern der Wittgensteinpreisträger, der Spezialforschungsbereiche und der Doktoratskollegs rechtzeitig vor den Alpbacher Hochschul- und Technologiegesprächen - vor allem in Hinblick auf den für die Förderung der Grundlagenforschung zuständigen FWF.

Doktoratskolleg eingestellt
Im Vorjahr hat der Fonds ein Volumen von 211,4 Millionen Euro für 691 Projekte bewilligt. Für 2016 bis 2018 wurden dem FWF seitens des Wissenschaftsministeriums im Bundesfinanzrahmen insgesamt 552 Millionen zugesichert. Damit hat der Fonds, der in der Vergangenheit nur die Hälfte seiner Mittel im Bundesbudget festgeschrieben hatte, zwar ein stabiles Budget. Angesichts des Wachstums des Antragsvolumens sinken die Bewilligungen aber kontinuierlich und der FWF muss die Förderung von Programmen mit längerfristiger Mittelbindung wie Doktoratskollegs einstellen.


Die Physikerin und Wittgensteinpreisträgerin Ulrike Diebold, der Genetiker Mathias Müller und der Informatiker Helmut Veith bezeichneten die Vorgänge in den FWF-Kuratoriumssitzungen, in denen über die Vergabe von Förderungen entschieden wird, als "grausam". So sollen Exzellenzprogramme wie Spezialforschungsbereiche und Doktoratskollegs eingestellt oder stark beschnitten werden. Zudem müssten viele Forschungsprojekte, die von internationalen Gutachtern zur Förderung empfohlen wurden, aus finanziellen Gründen abgelehnt werden.

"Damit blutet Österreichs Wissenschaftsbetrieb aus: Die Spitzenforschung kann ihr Potenzial nicht nutzen und der wissenschaftliche Nachwuchs bleibt chancenlos", so die Spitzenforscher. Die rund 200 Millionen Euro, die der FWF derzeit zur Finanzierung der Grundlagenforschung in Österreich pro Jahr bewilligen kann, seien "nicht einmal zwei Prozent von den insgesamt 10,1 Milliarden Euro", die jährlich für Forschung und Entwicklung aufgewendet werden können.

100 Millionen Euro gefordert
"Die angewandte Forschung und die Innovationspolitik der österreichischen Regierung stehen damit auf tönernen Füßen", betonen die Wissenschafter und verweisen auf die Bedeutung der Grundlagenforschung für Innovation. Aus Sicht des FWF fehlen mindestens 70 Millionen Euro pro Jahr. So viele förderungswürdige, aber nicht finanzierte Anträge gebe es jährlich. Die Spitzenforscher fordern zusätzlich 100 Millionen Euro pro Jahr für den Fonds. Damit "könnte der drohende Kollaps der Förderung der Grundlagenforschung in Österreich verhindert und die Spitzenwissenschaft in Österreich stabilisiert werden".




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Dokument erstellt am 2015-08-24 16:29:06



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