• vom 12.02.2016, 22:21 Uhr

Forschung


Gravitationswellen

Neues Fenster zum All




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  • Der erste Nachweis der Gravitationswellen hat "kühnste Träume" der Forscher übertroffen.

Geheimnisvolle Schwarze Löcher: Vom nun erstmals gelungenen Nachweis der Gravitationswellen erhoffen sich Forscher auf der ganzen Welt künftig auch Erkenntnisse über das Entstehen und das Verschmelzen (hier in einer Computer-Simulation) von Schwarzen Löchern. - © reuters

Geheimnisvolle Schwarze Löcher: Vom nun erstmals gelungenen Nachweis der Gravitationswellen erhoffen sich Forscher auf der ganzen Welt künftig auch Erkenntnisse über das Entstehen und das Verschmelzen (hier in einer Computer-Simulation) von Schwarzen Löchern. © reuters

Hannover/Palma/Wien. (apa/jubel) Nicht nur in der Welt der Astrophysik hat die Nachricht über den gelungenen Nachweis der von Albert Einstein vorhergesagten Gravitationswellen am Freitag für Furore gesorgt. Forscher auf der ganzen Welt feiern hoffnungsvoll den Beginn einer neuen Ära.

"Ein so deutliches Signal hätten wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht auszumalen gewagt", zeigte sich der am Nachweis der Wellen beteiligte österreichische Physiker Sascha Husa von der Universität der Balearen in Palma de Mallorca begeistert. Husa und seine Kollegen beschäftigen sich schon seit Jahren mit den Signalen verschmelzender Schwarzer Löcher, wie sie nun beobachtet wurden. Diese direkte Beobachtung ist nur möglich, wenn die Masse der Schwarzen Löcher hoch genug ist. "Mit zwanzig Sonnenmassen wären wir schon sehr zufrieden gewesen", so Husa. Dass die verschmelzenden Schwarzen Löcher über 60 Sonnenmassen hatten und das Signal dadurch physikalisch "sehr reichhaltig" ausgefallen ist, sei ein enormer Glücksfall.

Schwarze Löcher verstehen

"Dass unser erstes Signal gleich vom Verschmelzen zweier Schwarzer Löcher stammt, ist ein Traum", bestätigt auch Patricia Schmidt vom California Institute of Technology. Denn das erlaube das direkte Erforschen dieser faszinierenden Objekte selbst, "denn Gravitationswellen sind wie Fingerabdrücke: Sie erlauben uns, Rückschlüsse auf physikalische Eigenschaften wie Masse und Eigendrehimpuls zu ziehen, was wiederum bedeutende Auswirkungen für das Verständnis des Ursprungs und der Geburt Schwarzer Löcher hat."

An der Fakultät für Physik der Universität Wien genoss man den Moment der Verlautbarung des erstmaligen Nachweises von Gravitationswellen eher still. Den Theoretischen Physiker Peter Christian Aichelburg hat vor allem überrascht, dass das registrierte Ereignis in derart großer Entfernung von 1,3 Milliarden Lichtjahren stattgefunden hat. Die Aufzeichnung der Signale bezeichnete er als beeindruckend: "Sie passen außerdem sehr gut mit den Rechnungen zusammen - das ist das Wichtigste, um zu wissen, was das eigentlich für ein Signal ist. Das ist nun ein großer Erfolg und es besteht die große Hoffnung, dass sich ein neues Fenster zum Weltall öffnet."

Forscher hoffen nun auf eine weitere erfolgreiche Messung der Gravitationswellen. Und damit auf weitere Erkenntnisse über die Beschaffenheit unseres Universums. Gravitationswellen entstehen vor allem, wenn große Objekte beschleunigt werden. Das ist zum Beispiel bei der Explosion eines Sterns am Ende seiner Lebenszeit der Fall. Oder eben beim Verschmelzen Schwarzer Löcher. Die Wellen breiten sich in alle Richtungen aus und verbiegen den Raum, ähnlich wie ein ins Wasser geworfener Stein die Oberfläche.

Kein Nobelpreis 2016

Als Nobelpreis-würdig stufen die Forscher den Nachweis geschlossen ein. Für 2016 geht sich diese Ehre nicht mehr aus. Denn obwohl US-Forscher die Entdeckung schon im vergangenen Herbst gemacht hatten, hätten sie ihre Erkenntnisse bis Ende Jänner publizieren müssen, sagte ein Sprecher der schwedischen Jury in Stockholm. Am 31. Jänner endet jeweils die Nominierungsfrist.

Ohnehin werden Entdeckungen aber oft erst Jahre - oft sogar Jahrzehnte - nach dem wissenschaftlichen Durchbruch gewürdigt. So wollen die Juroren Fehlgriffe vermeiden. Und was ist schon Zeit in der Physik. Seit Albert Einsteins Prognose der Gravitationswellen sind auch 100 Jahre vergangen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-02-12 16:26:05
Letzte ─nderung am 2016-02-12 16:46:15



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