• vom 26.02.2016, 11:38 Uhr

Forschung

Update: 26.02.2016, 11:40 Uhr

Fremdbild

IT-Forscher sehen sich oft als verkannte Propheten im eigenen Land




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Von WZOnline, APA

  • Das mangelnde Vertrauen sei ein kulturelles Problem, das in der Folge zu einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen werde.

Wien. Entwickler von innovativen IT-Lösungen scheitern in Österreich oft nicht am Können, sondern an der Skepsis seitens großer Unternehmen und in der Bevölkerung. Während man mit Firmen aus dem Silicon Valley oder China große technologische Würfe verbinde, würde heimischen Forschungseinrichtungen oder IT-Start-ups oft zu wenig zugetraut, so der Tenor bei einer Diskussion mit dem Titel "IT Lösungen made in Austria - können wir im globalen Markt bestehen?".

Als "wahnsinnig groß" bezeichnete der Geschäftsführer der Firma Huemer iT-Solutions, Walter Huemer, am Donnerstag Abend in Wien die Skepsis, etwa gegenüber österreichischen kleineren Unternehmen oder Start-ups. "Dieses Projekt kann ich doch keiner Firma mit nur 20 Mitarbeitern geben", höre er öfters von Entscheidungsträgern in großen Unternehmen. Dabei hielten diese Firmen dem internationalen Vergleich stand, zeigte sich Huemer überzeugt.

Misstrauen führt zu Abwandern von Wertschöpfung

Das mangelnde Vertrauen sei ein kulturelles Problem, das in der Folge zu einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen werde: Denn wenn das Zutrauen in die vorhandenen Fähigkeiten in einem Land fehle, schlage das auf die Wertschöpfung und Steuereinnahmen durch. Eine Firma wie Amazon werde in Zukunft vermutlich eher nicht das heimische Sozialsystem finanzieren, so Huemer, der auch forderte, dass im Vergaberecht mehr auf österreichische Firmen Rücksicht genommen werden sollte.

Tatsächlich neuartige Technik komme nicht nur aus China oder den USA, dafür gebe es einige Beispiele aus seinem Haus, erklärte auch der Leiter des Digital Saferty & Security Departments des Austrian Institute of Technology (AIT), Helmut Leopold. Einige davon wurden am 25. Februar in der vom AIT und dem Wiener Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung (VRVis) organisierten Leistungsschau "Sehen und Verstehen - Sicherheit für unsere Digitalgesellschaft" vorgestellt. In einigen Bereichen hätten sich in den vergangenen Jahren große Forschungsteams formiert, die mittlerweile internationale Vorreiter seien, und denen es auch nicht am Selbstbewusstsein fehle, das offen zu sagen. Trotzdem komme man sich bei der Partnersuche in Österreich "oft vor, wie ein sehr, sehr kleines Start-up", so Leopold.

Auch "eierlegende Wollmilchsau" braucht langen Atem

Diese Bezeichnung trifft jedenfalls auf das Wiener Unternehmen Anyline zu. In Kooperation mit der Firma mySugr, das eine erfolgreiche Smartphone-App zum Monitoring des Blutzuckerspiegels und zur Unterstützung von Diabetes-Therapien anbietet, gelang Anyline die Entwicklung einer Software, mit der auch unter widrigen Bedingungen das Ablesen externer Messgeräte mit einer einfachen Smartphone-Kamera möglich ist. Man habe hier eine Art "eierlegende Wollmilchsau" an den Start gebracht, denn eine solche Funktion sei in vielen Zusammenhängen gefragt, sagte Anyline-Produktchef Matthias Gasser.

Um allerdings potenzielle Partner auf ein kleines Start-up aufmerksam zu machen, müsse man vor allem Präsenz - etwa auf einschlägigen Messen - zeigen. Denn Vertrauen lasse sich nur schwer aufbauen, wenn ein Kunde die Frage im Hinterkopf hat, "ob es euch in einem Jahr überhaupt noch gibt". Für diesen "langen Atem" bräuchten Start-ups aber auch die nötigen Rahmenbedingungen, wie etwa flexiblere Regelungen zur Arbeitszeit, da "Entwicklung keine gerade Autobahn" sei, wie es Gasser ausdrückte.

"Unternehmen formulieren Fragen in der Regel nicht in Zeitung"

Um als Forschungsinstitut diese Autobahn zusammen mit einem Industriepartner erfolgreich abzufahren, brauche es vor allem Wissen darüber, was potenzielle Partner eigentlich gerade beschäftigt, sagte VRVis-Geschäftsführer Georg Stonawski. Das sei nicht trivial, "denn Unternehmen formulieren ihre Fragen in der Regel nicht in der Zeitung". Es genüge daher nicht, als Forschungsinstitution Leute mit guten Ideen und Umsetzungskompetenz zu haben, wenn man dann nicht mit der Wirtschaft zusammenfinde, so Stonawski.

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Fremdbild, Selbstbild, IT-Forscher

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-02-26 11:40:16
Letzte ńnderung am 2016-02-26 11:40:58



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