• vom 19.07.2016, 21:23 Uhr

Forschung

Update: 19.07.2016, 21:48 Uhr

Paläontologie

Schwefel unschuldig am größtem Artensterben der Erdgeschichte




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Von WZ Online, APA

  • Sauerstoffmangel machte Lebewesen immer wieder zu schaffen.

Wien/Graz. Bis jetzt war Schwefel der Hauptverdächtige für das größte Massenaussterben der Erdgeschichte vor 252 Millionen Jahren. Damals verschwanden neun von zehn Arten und die Lebewelt konnte sich nur sehr langsam erholen. Österreichische Forscher fanden nun mit Kollegen reiche Eisenvorkommen aus dieser Zeit, die Schwefel massiv entlasten. Die Studie erschien im Fachmagazin "Nature Communications".

Es ist ziemlich klar, dass Sauerstoffmangel eine entscheidende Rolle an dem Massensterben hat, das die Wende von der Erdzeit Perm zur Trias und zugleich vom Erdmittelalter zur Erdneuzeit markiert, erklärte Sylvain Richoz vom Institut für Erdwissenschaften der Universität Graz. "Unter solchen Bedingungen bauen normalerweise Bakterien die abgetöteten Lebewesen ab und produzieren dabei Schwefelsäure", sagte er. Diese ist besonders tödlich für Meeresbewohner.

Doch in Gesteinsproben aus dieser Zeit in den Bergen Omans, die aus Ablagerungen vom Urozean "Tethys" bestehen, fanden die Forscher reichlich Eisen. "Dieses hat den Schwefel 'weggeklaubt' und als Pyrit (Narrengold) im Sediment gebunden", so Richoz. In dieser Form war Schwefel unschädlich und kommt als Täter kaum mehr in Frage.

Sauerstoffmangel machte Lebewesen immer wieder zu schaffen

Als Hauptverdächtiger ist nunmehr Sauerstoffmangel (Anoxie) geblieben. Laut den Gesteinsproben hielt er zwar nie lange an, kam aber nach der Katastrophe immer wieder zurück, und löschte die in kurzen, sauerstoffreichen Phasen aufkeimende Vielfalt an Lebewesen stets wieder aus. Darum hat es fünf Millionen Jahre gedauert, bis die Lebewelt wieder einigermaßen intakt war. "Das ist selbst für geologische Verhältnisse eine sehr lange Zeit", erklärte der Forscher.

Diese Erkenntnisse des Projekts, an dem auch Leopold Krystyn vom Institut für Paläontologie der Universität Wien beteiligt war, geben nicht nur Auskunft über die Katastrophe aus grauer Vorzeit, sondern sind auch für heute relevant, meint er. "Meeresbereiche ohne Sauerstoff, sogenannte 'Marine Death Zones', breiten sich gerade entlang vieler Küsten aus", sagte der Erdwissenschafter. Manchmal entsteht dabei auch Schwefelsäure und manchmal nicht.

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Dokument erstellt am 2016-07-19 21:24:45
Letzte nderung am 2016-07-19 21:48:43



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