• vom 06.10.2016, 20:00 Uhr

Forschung


Menschenaffen

Primaten ahnen die Irrtümer anderer




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  • Ein Wesensmerkmal der Menschen wurde bei Affen nachgewiesen.

Potsdam. Menschenaffen können einer Studie zufolge erkennen, dass andere von einer falschen Annahme ausgehen. Bisher dachten Forscher, nur der Homo sapiens sei dazu fähig. Zuvor hatten Tiere bei Tests versagt. Nun veröffentlichte eine Forschergruppe im Fachmagazin "Science" allerdings eine Arbeit, die nahe legt, dass zumindest einige Menschenaffen Irrtümer anderer vorhersehen.

Die Forscher präsentierten den Tieren einen Film, in dem ein Beobachter sieht, wie sich ein Mann in einem King-Kong-Kostüm hinter einem Heuhaufen versteckt. Daraufhin verlässt der Beobachter die Szene und King Kong versteckt sich zuerst hinter einem anderen Heuhaufen und läuft dann ganz weg. Nun kommt der Beobachter wieder herein. Wo wird er nach King Kong suchen?


Menschen können diese Frage etwa ab vier Jahren beantworten. Erst dann können sie die Perspektive eines anderen einnehmen und deren Wissensstand berücksichtigen. Eine Fähigkeit, die sich "Theory of mind" nennt und die in dem Verständnis gipfelt, dass andere sich irren können und deshalb falsch handeln (false-belief). Auch bei Zweijährigen konnten mit einfacheren Tests "Theory of mind"-Fähigkeiten nachgewiesen werden. Die Forscher zeichneten dabei Augen- und Blickbewegungen auf.

False-Belief-Test bestanden
Diese Methode übernahm das Team um Christopher Krupenye vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Fumihiro Kano von der Kyoto University. Sie zeichneten bei 19 Schimpansen, 14 Zwergschimpansen und sieben Orang-Utans während des Films die Augenbewegungen auf.

Tatsächlich vermuteten die meisten der Affen, dass der Beobachter im Film King Kong hinter einem der Heuhaufen suchen würde: 30 visierten einen der beiden an, obwohl die Tiere selbst gesehen hatten, dass King Kong dort nicht mehr versteckt ist. 20 Affen fixierten sogar zunächst das erste Versteck. Nach Schlussfolgerung der Forscher erkennen die Primaten, dass nicht die Realität, sondern bestimmte subjektive Annahmen für die Handlungen anderer entscheidend sind.

Für Krupenye bedeuten die Studienergebnisse eine Wende: "Es ist das erste Mal, dass Tiere einen False-Belief-Test bestanden haben. Diese Studie zeigt, dass diese Fähigkeit kein alleiniges Wesensmerkmal der Menschen ist." Die Forscher variierten die Testreihen, um sie zu überprüfen. Die Ergebnisse bestätigten, dass Menschenaffen Falschannahmen vorhersehen können.

Die Forscher geben allerdings zu bedenken, dass es eine mögliche abweichende Erklärung für die Reaktion der Affen geben könnte. So könnten die Tiere glauben, der Beobachter im Film suche grundsätzlich nach Dingen, selbst wenn dieser wisse, dass sie nicht mehr da seien.




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Dokument erstellt am 2016-10-06 16:50:13



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