• vom 21.02.2017, 16:52 Uhr

Forschung


Private Forschungsförderung

Metallindustrie vergibt ersten Forschungspreis




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Von Eva Stanzl

  • In der Grundlagenforschung will Wissenschaftsfonds FWF Synergien zwischen privaten und öffentlichen Mitteln schaffen.

Maria Poletti ist eine Preisträgerin.

Maria Poletti ist eine Preisträgerin.© fwf/apa/Hörmandinger Maria Poletti ist eine Preisträgerin.© fwf/apa/Hörmandinger

Wien. Jürgen Spitaler und David Holec berechnen das Verhalten von Atomen. "Atom-Bewegungen entscheiden, ob sich Metalllegierungen als Werkstoffe eignen. Wir kalkulieren die Bindungen von Alu- und Titan-Atomen, um zu wissen, ob man daraus besonders leichte aber hochfeste Teile für Flugzeugtriebwerke anfertigen kann", beschrieb Spitaler von der Montanuniversität Leoben am Dienstag vor Journalisten sein Forschungsprojekt. Ein solches Flugzeug würde weniger Kerosin verbrauchen.

Um ihre Arbeit finanzieren zu können, erhielten Spitaler und Holec am Dienstag den "Asmet-Forschungspreis 2016" der Austrian Society for Metallurgy and Materials (Asmet) und des Wissenschaftsfonds FWF. Der heuer erstmals vergebene Preis würdigt Grundlagenforschung, die die Industrie vorantreiben könnte. "In der Metallindustrie ist Technologie das A und O. Doch der Großteil der nötigen Forschung evolviert aus dem System. Das heißt, wir machen zwar immer wieder etwas anders, aber nur selten etwas anderes. Um international vorne dabei zu sein, benötigt unsere Industrie grundlegend neue Zugänge", erklärte Asmet-Präsident und Voestalpine-Vorstand Franz Rotter die Motivation des Verbands, den Preis zu stiften.


Der Asmet-Preis wird über den FWF abgewickelt und nach dessen Qualitätskriterien vergeben. Er ist mit 300.000 Euro dotiert und soll auch nächstes Jahr ausgeschrieben werden. Das Preisgeld finanziert sich aus Beiträgen der rund 100 Verbandsmitglieder und Kongresserlösen des Asmet. In dieser ersten Runde reichten sieben Forschungsgruppen ein. Durch die Kooperation mit Österreichs größter Agentur zur Förderung der Grundlagenforschung erhofft sich der Asmet mehr Sichtbarkeit.

Mit der Zusammenarbeit von Grundlagenforschung und Industrie betritt der Wissenschaftsfonds Neuland. Traditionell können in Österreich Grundlagenforscher an Universitäten und Hochschulen beim FWF um Förderungen einreichen. Bisher zielten FWF-Gelder allerdings nicht auf industrielle Anwendungen ab. Wer mit der Industrie zusammenarbeiten wollte, wandte sich im Allgemeinen an die Forschungsförderungsgesellschaft FFG, die eine breite Palette an Förderungen für Verbundprojekte mit Unternehmen bietet. Somit lagen all jene Wissenschaften, die Grundlagen für die Industrieproduktion erforschen, in einer Lücke, die sie mit Förder-Kombinationen schließen mussten.

Der FWF will den Asmet-Preis als erstes Zeichen für thematische Grundlagenforschung verstanden wissen, die auch dem Wirtschaftsstandort zu Gute kommt. "Nur 20 Prozent der heimischen Forscher reichen bei uns ein", sagte FWF-Chef Klement Tockner: "Wir wollen die Sichtbarkeit erhöhen, die apodiktische Trennung zwischen Grundlagen und Anwendung brechen und auch Projekte fördern, die nicht in unserem normalen Portfolio enthalten sind. Beide Bereiche wirken ineinander." Es würden Gespräche mit der FFG über mögliche Synergien geführt.

Zum Zeichen nimmt auch der FWF 300.000 Euro in die Hand, um Rotters Betrag zu matchen. Er würdigt eine zweite Preisträgerin, "deren Antrag gleichwertig war", so Tockner. Die Werkstoffforscherin Maria Cecilia Poletti untersucht an der der Technischen Universität Graz, warum sich Metalle in thermomechanischen Prozessen nicht überall gleich verformen. Sie will für Titan- und Aluminiumlegierungen ein Modell entwickeln, um solche Prozesse zu verbessern.

Der Asmet-Preis ist die vierte Initiative, in der private Mittel zusammen mit dem FWF für Grundlagenforschungsprojekte vergeben werden. Derzeit werden über diese Stiftungsvereinbarungen jährlich 1,6 Millionen Euro für Forschungsprojekte vergeben. Künftig will der Fonds diese Initiativen in einer FWF-Stiftung bündeln. "Wir wollen damit die Entwicklung einer Kultur fördern und Synergien zwischen privaten und öffentlichen Mitteln schaffen", so Tockner. Allerdings könnten private Mittel "immer ein Add-on und kein Ersatz für öffentliche Mittel sein".




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Dokument erstellt am 2017-02-21 16:57:06



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