• vom 11.04.2017, 15:59 Uhr

Forschung


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Stress steigert Empathie




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  • Die positiven Seiten des Stresses sind Wiener Forschern zufolge nicht immer hilfreich.



Wien. Allgemein bekannt ist, dass akuter Stress Kampf- oder Fluchtreaktionen auslöst. Er mobilisiert den Organismus, damit dieser belastende Situationen bewältigen kann und ist damit ein natürlicher, biologischer Mechanismus, der das Überleben eines Individuums sichern soll. Durch Befunde aus Verhaltensstudien wurde diese Theorie zuletzt allerdings wiederholt in Frage gestellt. Demnach zeigen Menschen unter Stress verstärkt prosoziales Verhalten und damit auch mehr Einfühlungsvermögen. Im Fachblatt "Social Cognitive and Affective Neuroscience berichten Wiener Forscher nun, dass Menschen unter Stress mehr Empathie zeigen und anderen eher helfen.

Empathienetzwerk im Gehirn
In einem Experiment hat ein Forscherteam um Claus Lamm vom Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden der Universität Wien die Auswirkungen von Stress überprüft. Dabei wurden insgesamt 80 männliche Studienteilnehmer gestresst, indem sie unter Zeitdruck besonders anspruchsvolle Aufgaben lösen mussten und dabei laufend negatives Feedback erhielten. Die psychische Belastung konnten die Wissenschafter über den Anstieg des Stresshormons Cortisol auch messen.

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Im Anschluss wurden den Probanden Bilder von medizinischen Eingriffen an einer Hand gezeigt und man hat sie gebeten, sich den Schmerz der abgebildeten Person intensiv vorzustellen. Ein Teil der Versuchsteilnehmer erhielt zusätzlich die Information, dass die Hand des jeweiligen Patienten während des gesamten Eingriffs betäubt war.

Während des Experiments wurde die Gehirnaktivität der Probanden mittels funktioneller Magnetresonanztomographie gemessen. Dabei konzentrierten sich die Forscher speziell darauf, wie sich die neuronale Aktivität im sogenannten Empathienetzwerk während einer Stresssituation verändert. Zudem wurde im Anschluss mit Hilfe eines verhaltensökonomischen Spiels das prosoziale Verhalten der Probanden erhoben. Diese konnten dabei einen frei zu wählenden Geldbetrag an eine zweite, ihnen unbekannte Person abgeben.

Unangebrachte Hilfe
Dabei zeigte sich, dass das neuronale Empathienetzwerk bei Personen unter Stress viel stärker auf die Bilder von schmerzhaften Eingriffen reagierte. Die neuronale Antwort war aber auch dann stärker, wenn die Probanden wussten, dass die Hand eigentlich betäubt war. Dies spricht nach Ansicht der Forscher für eine höhere Empathie, gleichzeitig aber eine geringere Perspektivenübernahme unter Stress. Beim Spiel gaben die Versuchsteilnehmer zudem mehr Geld, wenn ihr Gehirn stärker auf den Schmerz einer anderen Person reagierte.

Für die Wissenschafter zeigt die Messung der Gehirnaktivität, dass gestresste Versuchsteilnehmer eine stärkere emotionale Antwort auf den Schmerz anderer Personen zeigen. Gleichzeitig würden aber komplexere Informationen - also etwa über die Betäubung - ignoriert.

"Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass Menschen unter Stress mehr Empathie zeigen können und eher geneigt sind, anderen zu helfen", schildert Lamm in einer Aussendung der Universität. Diese Hilfe könne allerdings auch unangebracht oder unzweckmäßig sein, etwa wenn der erste Eindruck nicht der tatsächlichen Emotion der anderen Person entspricht. "Stress kann in sozialen Situationen somit, abhängig vom Kontext und der Situation, förderlich oder auch hinderlich sein", erklären die Forscher.




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Dokument erstellt am 2017-04-11 16:03:05



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