• vom 20.04.2017, 16:38 Uhr

Forschung

Update: 20.04.2017, 18:09 Uhr

March for Science

Für Freiheit der Erkenntnis auf die Straße




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Von Eva Stanzl

  • In 500 Städten demonstrieren Menschen für akademische Freiheit und gegen wissenschaftsfeindliche Politik.



Wien. Weiße Labormäntel sind nicht Straßenkleidung. Doch am Samstag könnten sie in den Städten ins Auge stechen. Forscher, Lehrende, Studierende und Bürger, die die Wissenschaften unterstützen, wollen am 22. April unter dem Motto "Gemeinsam für die Wissenschaft" demonstrieren und ein Zeichen gegen Einschränkungen der akademischen Freiheit und Wissenschaftsfeindlichkeit setzen. Ausgehend von den USA, wo der zentrale "March for Science" in Washington DC stattfindet, werden Demos in 500 Städten weltweit organisiert.

In Wien startet die Kundgebung am Samstagnachmittag in der Innenstadt. Ausgangspunkt ist der Sigmund-Freud-Park vor der Votivkirche (U2 Schottentor). Von 13 bis 14 Uhr wollen Forscher ihre Arbeit mit Experimenten und Kurzvorträgen präsentieren. Danach führt der Marsch über Schottengasse und Freyung zum Stephansplatz und via zentrale wissenschaftliche Institutionen bis zum Heldenplatz Zum Abschluss erläutern Forschende im Maria-Theresien-Park zwischen den beiden Museen, warum Fakten, Argumente und Aufgeschlossenheit die Basis für Wissenschaft und Demokratie sind und als solche geachtet und verteidigt werden müssen. Das Organisationsteam will "auf aktuelle politische Veränderungen aufmerksam machen, insbesondere die bewusste Verfälschung und Verleumdung von Tatsachen zu ideologischen Zwecken", gibt es bekannt.

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In den USA mobilisieren sich die Forscher wegen der offensiv agierenden Klimawandel-Skeptiker, dem Trend zu "alternativen Fakten" der Regierung Trump, Budgetkürzungen für Förderagenturen und Einreisevorboten für Wissenschafter. Doch nicht nur in den Staaten werden wissenschaftliche Erkenntnisse "ignoriert oder kleingeredet", wie "Science"-Chefredakteur Jeremy Berg schreibt. Sondern die Türkei schickt ausländische Wissenschafter nach Hause, holt ihre eigenen heim, nimmt andere unter Terror-Vorwürfen gefangen und hat die Evolutionstheorie aus den Lehrplänen gestrichen. Auch das ungarische Parlament setzt umstrittene Maßnahmen. Eine Gesetzesänderung verpflichtet ausländische Unis, neben einem Standort in Ungarn auch eine Niederlassung in ihrem Heimatland vorzuweisen. Die Maßnahme zielt auf das Ende der vom US-Milliardär George Soros gegründeten Central European University ab, die es nur in Budapest gibt.

"Die Freiheit von Wissenschaft ist notwendig zum Erhalt der Demokratie. Wenn es sie nicht mehr gibt - und wir sehen das am Beispiel Türkei -, werden die Universitäten zum verlängerten Arm eines totalitären Staats, der sie zuerst instrumentalisiert, dann funktionalisiert. Dann gibt es keine Freiheit der Erkenntnis mehr", sagte die Rektorin der Universität für Bildende Kunst, Eva Blimlinger, am Donnerstag vor Journalisten in Wien. Die Universitätenkonferenz plane ein Stipendienprogramm für Forschende, die in der Türkei verfolgt werden. Eine Finanzierung will man mit dem akademischen Austauschdienst vereinbaren.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-20 16:42:05
Letzte nderung am 2017-04-20 18:09:37



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