• vom 18.05.2017, 16:26 Uhr

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Papyrusmuseum

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Von Alexandra Grass

  • Das Papyrusmuseum zeigt in einer Sonderausstellung die verwinkelten Wege des Wissens auf.

Ein Teil aus Homers 6. Buch der Ilias. - © ÖNB

Ein Teil aus Homers 6. Buch der Ilias. © ÖNB

Wien. "Zahle endlich die Rechnung deines Weines!" - Schriften und ihre Übersetzungen aus vergangenen Zeiten überliefern der heutigen Welt nicht nur literarische Meisterwerke, sondern auch private Korrespondenzen. Diese ermöglichen einen Einblick in den Alltag der damaligen Bevölkerung. Die Sonderausstellung "Handschriften und Papyri" im Papyrusmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) bietet ab heute, Freitag, Einblicke in eine Sammlung solcher Texte - aus Zeiten, als "copy and paste" noch mühevolle Handarbeit bedeutete.

Mehr als 50 Exponate - von einem der ältesten erhaltenen lateinischen Privatbriefe auf Papyrus bis zum kostbaren Pergamentcodex des Mittelalters - illustrieren die oftmals verwinkelten Wege des Wissens, betonte Johanna Rachinger, Generaldirektorin der ÖNB anlässlich der Ausstellungseröffnung. Im Fokus stehen die Klassiker des Altertums von Homer bis Vergil, aber auch Texte des römischen Rechts. Originale Briefe verdeutlichen zudem die Besonderheiten des privaten Wissenstransfers und machen so den Alltag der Antike lebendig. Dabei handelt es sich "um einen besonders kostbaren Bestand", betonte Kuratorin Daniela Mairhofer, die ihre Studien an der Princeton University betreibt. Denn nur rund zehn Prozent der literarischen Schriften seien erhalten.

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180.000 Schriftzeugnisse
"Viele namhafte Philosophen, Dichter und Historiker des Altertums sind für immer verloren gegangen." In ihrer Papyrussammlung vereint die ÖNB insgesamt 180.000 Schriftzeugnisse, von denen in den vergangenen 130 Jahren in mühevollster Arbeit 8000 Texte publiziert werden konnten. Viele Schätze sind damit vermutlich noch gar nicht erst geborgen.

Ein wesentlicher Grund für den Verlust der Schriften war der Wechsel des Schreibmaterials von der brüchigen Papyrusrolle hin zum beständigeren Pergamentcodex bis ins 5. Jahrhundert. "Alles, was beim Kopieren von Rolle auf Codex nicht berücksichtigt wurde, wurde auch später nicht mehr kopiert und ging dadurch in den allermeisten Fällen für immer verloren." Zudem herrschten Feuersbrünste, Raubzüge und Kriege, die ihr Übriges beigetragen haben.

Die größte Bedrohung stellte aber der Zeitgeist dar. Die Entscheidung darüber, welche Bücher es wert waren, wieder abgeschrieben zu werden, war von den Interessen einzelner Personen und dem Geschmack der jeweiligen Zeit geprägt. Alles, was heute noch von den klassischen Autoren der Griechen und der Römer erhalten geblieben ist, verdanken wir der eifrigen Schreibarbeit der Mönche, betonte der Papyrologe Bernhard Palme vor Journalisten.

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Dokument erstellt am 2017-05-18 16:30:05



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