• vom 15.06.2017, 12:15 Uhr

Forschung

Update: 15.06.2017, 12:19 Uhr

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Österreichischer Biochemiker gewann Europäischen Erfinderpreis




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Von WZ Online, APA

  • Forscher-Duo Oliver Hayden und Jan van den Boogaart entwickelte autorisierten Blutschnelltest für Malaria.

Oliver Hayden, geboren in Steyr (OÖ), studierte an der Universität Wien Biochemie, wo er nach der Promotion (1999) und einem Postdoc-Aufenthalt an der Harvard University auch habilitierte.

Oliver Hayden, geboren in Steyr (OÖ), studierte an der Universität Wien Biochemie, wo er nach der Promotion (1999) und einem Postdoc-Aufenthalt an der Harvard University auch habilitierte.© APA/HEINZ TROLL Oliver Hayden, geboren in Steyr (OÖ), studierte an der Universität Wien Biochemie, wo er nach der Promotion (1999) und einem Postdoc-Aufenthalt an der Harvard University auch habilitierte.© APA/HEINZ TROLL

Venedig/Wien/Steyr. Der österreichische Biochemiker Oliver Hayden hat gemeinsam mit dem niederländischen Hämatologen Jan van den Boogaart den Europäischen Erfinderpreis gewonnen. Mit ihrem automatisierten Blutschnelltest für Malaria überzeugten sie die internationale Jury und setzten sich in der Kategorie Industrie durch, teilte das Infrastrukturministerium am Donnerstag mit.

Hayden ist bereits der dritte österreichische Forscher, der den Preis erhält. Vor dem gebürtigen Steyrer Hayden holten Claus Hämmerle, Klaus Brüstle (2013) und Franz Amtmann (2015) die Trophäe nach Österreich. Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) gratulierte Hayden: "Sein Blutschnelltest gegen Malaria ist eine geniale Entdeckung und ein wirkungsvolles Werkzeug im Kampf gegen die tückische Krankheit." .

Ein Katz-und-Maus-Spiel

"Der Malaria-Erreger spielt mit unserem Immunsystem Katz und Maus. Die Erfindung des genialen Duos kann zum Gamechanger im Kampf gegen die tückische Krankheit werden", sagte Patentamtspräsidentin Mariana Karepova am Rande der Preisverleihung in Venedig. "Die beiden Forscher haben über den eigenen Tellerrand geschaut und verschiedene Wissenschaften miteinander verknüpft: Medizin und Informationstechnologie. Eine bemerkenswerte Fähigkeit und eine Leistung zu der ich den beiden gratuliere", betonte Karepova.

"Wir haben uns mit den Daten auseinandergesetzt und die überraschende Beobachtung gemacht, dass es vor allem die Blutplättchen sind und weniger die Immunzellen, die Informationen über die Malariainfektion liefern", erläuterte Hayden anlässlich seiner Nominierung Ende April. Die Krankheit kann mit Hilfe dieses "Fingerabdrucks" wesentlich rascher und bei einer großen Zahl von Blutproben diagnostiziert werden.

Durch die Kombination von 30 verschiedenen Werten konnten die Entwickler diesen Daten-Fingerabdruck der Malaria erstellen, der es erlaubt, die Krankheit mit einer Sicherheit von 97 Prozent zu diagnostizieren. 2011 meldeten sie ein europäisches Patent an, das ihnen 2015 auch erteilt wurde. Die beiden kontaktierten ein Siemens-Forschungsteam in Wien, das im Bereich Biosensoren arbeitet und entwickelten einen malariaspezifischen Algorithmus für einen Blutscanner der Siemens-Medizintechnik-Sparte Healthineers.

Diese automatisierte Methode ermöglicht Untersuchungen mit hohem Durchsatz und geringeren Kosten als bisher. Mittlerweile versuchen die beiden Forscher, die Methode einer Diagnose mittels Daten-Fingerabdrucks auch auf andere Erkrankungen wie Leukämie auszudehnen.

Hayden, geboren in Steyr (OÖ), studierte an der Universität Wien Biochemie, wo er nach der Promotion (1999) und einem Postdoc-Aufenthalt an der Harvard University auch habilitierte. 2005 wechselte er an das IBM Forschungslabor Zürich und arbeitet seit 2007 bei Siemens Corporate Technology bzw. Siemens Healthineers. Dort beschäftigt er sich mit organischer Elektronik für die medizinische Bildgebung und in-vitro Diagnostik von Blutzellen. Der Biochemiker ist Autor von mehr als 80 Publikationen und wird in knapp 100 Patentfamilien als Erfinder bzw. Miterfinder genannt. 2017 wurde er auf die Heinz-Nixdorf-Professur für Biomedizinische Elektronik an die Technische Universität München berufen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-15 12:18:15
Letzte nderung am 2017-06-15 12:19:17



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