• vom 19.06.2017, 16:57 Uhr

Forschung


Wittgenstein-Preis 2017

Geheimnisse am Nullpunkt




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  • Wer sagt, dass Naturkonstanten überhaupt konstant sind? Wittgenstein-Preisträger Hanns-Christoph Nägerl will die Physik umwälzen.

"Quantenphysik könnte unser Weltbild ändern": Top-Preis für Physiker Nägerl.

"Quantenphysik könnte unser Weltbild ändern": Top-Preis für Physiker Nägerl.© apa/gruber "Quantenphysik könnte unser Weltbild ändern": Top-Preis für Physiker Nägerl.© apa/gruber

Wien. (est) Spitzenforschung in Stärkefeldern: Der Wittgenstein-Preis 2017 geht an den Quantenphysiker Hanns-Christoph Nägerl von der Uni Innsbruck. "Vor 20 Jahren hätte kaum jemand gedacht, dass sich mit Quantenphänomenen reichhaltige Physik machen lässt,", beschreibt Nägerl die Fortschritte in seinem Forschungsfeld im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Es gibt Systeme, um abhörsichere Quantencomputer zu bauen. Auch Atomuhren für die Zeitmessung und andere Messsysteme können mit Quantenphänomenen verbessert werden."

Der mit 1,5 Millionen Euro dotierte Wittgenstein-Preis ist die höchste, prestigeträchtigste wissenschaftliche Auszeichnung Österreichs. Seit seiner Einführung 1996 geht er nun zum fünften Mal an einen Quantenphysiker. Der "Austro-Nobelpreis" würdigt hervorragende, international anerkannte Wissenschafter. Das durch den FWF finanzierte Preisgeld wird projektunabhängig vergeben und soll den Ausgezeichneten "ein Höchstmaß an Freiheit und Flexibilität bei der Durchführung ihrer Forschungstätigkeit" an heimischen Universitäten ermöglichen.

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Stromleitung ohne Widerstand
Der am 24. Februar 1967 in Göttingen geborene Experimentalphysiker gilt als führender Experte auf dem Gebiet der ultrakalten Quantenvielteilchensysteme. In diesem Bereich sind Laser, mit denen Atome und Moleküle bis nahe an den absoluten Nullpunkt von minus 273,15 Grad Celsius abgekühlt werden, ein zentrales Utensil. "Wir beschäftigen uns mit Quantengasen in Milliardstel Grad um den Nullpunkt", erklärt Nägerl.

Mit den lasergekühlten Atomen und Molekülen stellt er Quantensimulatoren her, in denen die Zustände der einzelnen Teilchen gezielt hervorgerufen werden können. Mit diesen Systemen, die dem Alltagsverständnis widersprechende Verhaltensweisen an den Tag legen, lassen sich Phänomene analysieren, die herkömmliche Computer nicht berechnen können. Zu diesen Geheimnissen am Nullpunkt zählen die Mechanismen hinter der widerstandslosen Leitung von Strom oder Probleme, die die Verkleinerung elektronischer Schaltkreise aufwirft.

Ab einer gewissen Winzigkeit gelten die bizarren Regeln der Quantenphysik. Äußerst kleine Objekte verhalten sich anders als größere Festkörper und sind durchaus revolutionär. Sie könnten sogar die Physik umwälzen. "Das geht bis zur Frage, ob Fundamentalkonstanten überhaupt konstant sind. Wer sagt, dass die Elektronenmasse immer gleich ist? Wenn Naturkonstanten nicht konstant sind, ändert das unser Weltbild mit Konsequenzen für die Astrophysik und das Universum", so Nägerl.

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Dokument erstellt am 2017-06-19 17:02:06



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