• vom 28.06.2017, 16:51 Uhr

Forschung


Forschung

"Auf europäischer Flughöhe"




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Zum neunten Mal bilanziert Österreichs größtes Institut für angewandte Forschung, das AIT, positiv.


© fotolia/Tomasz Zajda © fotolia/Tomasz Zajda

Wien. (est) Auf ein stetes Wachstum seit der Gründung 2008 blickt das Austrian Institute of Technology (AIT) zurück. Für den Aufsichtsratschef Hannes Androsch ist das Grund genug, vom "bisherigen Stabilisierungs- auf einen angemessenen Expansionskurs" einzuschwenken, betonte er am Mittwoch vor Journalisten bei der Präsentation der AIT-Bilanz 2016. Zum neunten Mal in Folge legte Österreichs größtes Institut für angewandte Forschung eine positive Bilanz vor.

Zum Hintergrund: Als das AIT gegründet wurde, hieß es in die Hände spucken. Es war aus dem Austrian Research Center im niederösterreichischen Seibersdorf hervorgegangen, das "in die Bedeutungslosigkeit abgesunken" waren, sagte Androsch. Die Industriepartner waren so weit, dass sie aussteigen wollten, was das Ende der Labors bedeutet hätte. Der politische Wille war schließlich eine Neuausrichtung des Forschungszentrums mit neuen Strukturen und Schwerpunkten. Neben dem vorhandenen Forschungsreaktor in Seiberdorf wollte man sich auf zukunftsweisende Inhalte in den Bereichen Digitalisierung und Ressourcenverbrauch konzentrieren. "Das Ziel war, der Exzellenz verpflichtet zu sein, und das wird auch für die Weiterentwicklung gelten", erläuterte Androsch.

Werbung

Das AIT steht zu 50,46 Prozent im Eigentum des Bundes und zu 49,54 Prozent im Besitz eines von Unternehmen getragenen Vereins. Es finanziert sich zu zwei Drittel aus externen Erlösen aus kooperativen Forschungsprojekten im Rahmen von Förderprogrammen und Auftragsforschung. Der Rest wird durch eine Basisdotierung des Bundes abgedeckt, die im Vorjahr 44,9 Millionen Euro betrug.

Für 2016 präsentierte das AIT ein stabiles Jahresergebnis von 3,2 Millionen Euro (2014: 3,3 Millionen). Gegenüber dem Gründungsjahr 2008 konnten die externen Erlöse um 59 Prozent auf 77 Millionen Euro gesteigert werden. Damit sei man als österreichisches Forschungsinstitut mit "Heimmarkt Europa" gut unterwegs, erklärte der kaufmännische Geschäftsführer, Anton Plimon.

Standorterweiterung
Erfolgstreiber seien die "strategisch vorangetriebenen" kofinanzierten Forschungsprojekte - etwa im Rahmen von nationalen oder EU-Förderungen mit anderen Forschungseinrichtungen und Unternehmen: Die Erlöse aus diesem Bereich seien um neun Prozent gestiegen. Demgegenüber steht die Auftragsforschung, die mit einem Volumen von 158 Millionen Euro hinter 2014 zurückblieb. Finanzchef Alexander Svejkovsky zeigte sich nicht beunruhigt: "Unser Geschäft ist von Mehrjährigkeit geprägt. Wenn wir in einem Jahr Großaufträge bekommen, wirkt das auf die Folgejahre - und umgekehrt."

Insgesamt zeige sich, dass das AIT "auf der Flughöhe der primären europäischen Forschungseinrichtungen" angekommen sei, betonte Androsch. Man dürfe nicht vergessen, dass die Vorgängerorganisation ein "Sanierungsfall" gewesen sei. Neben der wirtschaftlichen Konsolidierung sei es vor allem gelungen, "die Qualität des wissenschaftlichen Personals zu erhöhen".

Das AIT forscht mittlerweile in acht Schwerpunktbereichen mit Zentren für Energie, Gesundheit und Bioressourcen, Cyber-Security, Automation, Mobilität, Niedrig-Emissionen im Transport, Technology Experience und Digitale Innovation. Als besondere Zukunftsthemen nannte der wissenschaftliche Geschäftsführer Wolfgang Knoll die Infrastruktur, und darin vor allem Dekarbonisierung und Digitalisierung.

Das AIT zählt 840 Mitarbeiter, die ab März 2018 vom Tech Gate auf der Donauplatte in ein Niedrigenergiehaus in der Giefinggasse in Wien-Floridsdorf übersiedeln sollen. "Der Standort bringt Kostenvorteile", räumte Plimon ein - dafür sei es möglich, auf dem in die Jahre gekommenen Gelände in Seibersdorf bis Jahresende einen Neubau hinzustellen.

2016 wurden dem AIT 27 Patente erteilt. 194 Studien wurden in Fachjournalen veröffentlicht, 31 Dissertationen und 64 Diplomarbeiten abgeschlossen. 82 der der 234 Dissertanten stammen aus dem internationalen Raum.

Das AIT hat seinen Personalstand um 60 Mitarbeiter erhöht. Zwei neue Principal Scientists wurden gewonnen: Claudia Jonak erforscht biologische Ressourcen, vor allem Anpassungsstrategien von Pflanzen an ungünstige Umweltbedingungen. Die Erkenntnisse könnten die Erträge der Landwirtschaft steigern. Der Architekt Reinhard König widmet sich der Stadtentwicklung: Seine Algorithmen sollen Raumplanungsmodelle für Smart Cities erstellen.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-28 16:57:06



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Wir alle wollen Astronauten werden"
  2. Der Sitz der Eifersucht
  3. Umweltwächter im All
  4. Hippokratischer Eid einer Neufassung unterzogen
  5. Hunde setzen Mimik möglicherweise bewusst ein
Meistkommentiert
  1. Der Sitz der Eifersucht
  2. Hirse für die Welternährung
  3. Frauen großzügiger als Männer
  4. Schmarotzer mit Feuerkraft
  5. Am Gängelband der Gestapo

Werbung





Werbung


Werbung