• vom 18.08.2017, 16:34 Uhr

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Abwerbeversuche abgewehrt




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  • Der Pionier für Künstliche Intelligenz, Sepp Hochreiter, bleibt in Linz und leitet künftig das Uni-Labor für Artificial Intelligence.

Top-Forscher Sepp Hochreiter hat sich für die Linzer Johannes Kepler Uni entschieden.

Top-Forscher Sepp Hochreiter hat sich für die Linzer Johannes Kepler Uni entschieden.© apa Top-Forscher Sepp Hochreiter hat sich für die Linzer Johannes Kepler Uni entschieden.© apa

Wien/Linz. (gral) Und wieder einmal ist es gelungen, einen Top-Forscher in Österreich zu halten: Sepp Hochreiter, Vorstand des Instituts für Bioinformatik an der Linzer Johannes Kepler Universität, bleibt trotz einiger Abwerbeversuche aus dem Ausland in Oberösterreich, um die Hochschule im Bereich der Künstlichen Intelligenz zur Weltspitze zu bringen, wie er am Freitag in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz bekanntgab. Hochreiters Forschungsergebnisse sind heute praktisch in jedem Smartphone enthalten.

In der Wissenschafts-Community fühlt man sich wohl ins Jahr 2015 zurückversetzt, als aufwendige Versuche gestartet worden waren, um den österreichischen Genetiker und Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie (Imba), Josef Penninger, der ein verlockendes Topangebot aus Deutschland erhalten hatte, zum Bleiben zu bewegen. Sowohl Politik als auch die übergeordnete Forschungsstelle, die Österreichische Akademie der Wissenschaften, hatten damals etwa einen finanziellen Polster angeboten.


Ganz vorne mitspielen
Auch in der Causa Sepp Hochreiter hat sich neben der Linzer Universität selbst ebenso die Politik dazugesellt, um Abwerbeversuche abzuwehren. Unter anderem soll Hochreiter etwa von der Universität Marburg umgarnt worden sein. Künftig wird der Bioinformatiker aber als Leiter des Labors für Artificial Intelligence (AI LAB) in Linz tätig sein.

Dem zuvorgegangen waren in den letzten Wochen Arbeitssitzungen mit Rektor Meinhard Lukas, in denen die Vision und Strategie für das AI Lab entwickelt wurden, wie die Universität mitteilte. Der für Forschung zuständige Landeshauptmannstellvertreter Michael Strugl (ÖVP) sagte zudem zu, dieses Projekt zu unterstützen. Deswegen, aber auch wegen der Lebensqualität in Oberösterreich und mit Zustimmung seiner Familie entschloss sich Hochreiter, auch in Zukunft in Linz zu forschen und zu lehren, betonte er in der Pressekonferenz.

Sein Ziel: "International ganz vorne mitspielen." Geplant ist eine Mannschaft von etwa 30 Experten, die allerdings erst einmal für Linz gewonnen werden müssen. Damit soll die Universität auch weltweiter Anziehungspunkt für Talente werden, die IT studieren wollen, sowie für Unternehmen, die sich in Oberösterreich ansiedeln wollen, weil dort die einschlägigen Absolventen vorhanden sind.

Hochreiter gilt als Pionier der Künstlichen Intelligenz. Schon in seiner Diplomarbeit aus dem Jahr 1991 hatte er die Basis für moderne Spracherkennungssysteme beispielsweise in Smartphones gelegt. Auf sein Know-how bauen zahlreiche Konzerne wie Google, Apple, Audi oder Zalando. Ob Spracherkennung, Bildbeschreibung oder Autonomes Fahren - die Anwendungsgebiete seiner Forschungsarbeit sind mannigfaltig. Seine Erfindungen in der LSTM-Architektur (Long Short-Term Memory) werden weltweit angewendet. Googles Android-Spracherkennung, das Voicemail-System des Internet-Konzerns und sein Übersetzer sowie Apples iOP 10 Quicktype sind nur einige Beispiele.

Deep Learning
"Meine LSTM-Netze befinden sich praktisch in jedem Handy, Milliarden von Nutzern verwenden sie tagtäglich", berichtet Hochreiter. Dem zugrunde liegt das sogenannte Deep Learning. Die AI-Methode basiert auf künstlichen neuronalen Netzen, die mit schnellen Computern aus großen Datenmengen lernen. Internetkonzerne setzen vor allem in der Sprach- oder Texterkennung als auch bei der Bildverarbeitung auf diese Methoden.




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Dokument erstellt am 2017-08-18 16:39:10



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