• vom 07.09.2017, 16:28 Uhr

Forschung

Update: 07.09.2017, 16:39 Uhr

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  • Eine neue Initiative des Wissenschaftsministeriums soll Forschern den Weg in die Wirtschaft ebnen.



Wien. (gral) "Das Schneewittchen im Forschungsbereich gehört wachgeküsst", betonte Wissenschaftsminister Harald Mahrer am Donnerstag bei der Präsentation einer neuen Initiative, mit der Unternehmensgründungen von jungen Forschern an Universitäten und Forschungseinrichtungen angekurbelt werden sollen. Für drei Jahre stehen für "Spin-off Austria" 15 Millionen Euro zur Verfügung. Damit sollen Forschungsergebnisse in konkreten Geschäftsideen münden und bis zur Gründung eines Unternehmens vorangetrieben werden. Gefördert werden dabei nur "die Besten der Besten".

In den nächsten drei Jahren könnten dadurch 40 bis 50 zusätzliche Spin-offs entstehen, erklärte Mahrer. Im Vergleich dazu kam es 2016 an den insgesamt 22 heimischen Universitäten in Summe zu 23 solcher Ausgründungen.

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In einer zwei Jahre dauernden weltweiten Analyse habe sich das Spin-off-Modell der ETH Zürich als Vorbild herauskristallisiert, skizzierte der Minister die Herangehensweise. In der Schweiz wurden mit dem "Pioneer-Fellowship"-Programm seit 2010 insgesamt 72 Wissenschafter mit umgerechnet jeweils 131.000 Euro für maximal 18 Monate unterstützt. 43 davon hätten gegründet, fasste Thomas Brenner von der ETH zusammen. Die restlichen Forscher würden in die Wirtschaft gehen oder sich anderen erfolgreichen Spin-offs anschließen. "Die Fünf-Jahres-Überlebensrate unserer Spin-offs beträgt 92 Prozent, während der Durchschnitt in der Schweiz lediglich bei 50 Prozent liegt", betonte Brenner.

50 Fellows erwartet
In Österreich sollen Forscher durch die neue Initiative maximal 500.000 Euro für bis zu 18 Monate erhalten, um ihre Ideen und Ergebnisse bis zur Unternehmensgründung weiterzuentwickeln. Für die nächsten Jahre erwartet sich Mahrer rund 50 Fellows in dem Programm. 75 Prozent davon sollen tatsächlich gründen, so das Ziel. Durch intensive Betreuung, Mentoring und Weiterbildung der Forscher soll das erreicht werden. Den neuen Gründern zur Seite stehen Top-Mentoren aus der Wirtschaft. Darunter etwa Sabine Herlitschka (Infineon), Oliver Holle und Marie-Helene Ametsreiter (Speedinvest) oder Start-up-Gründer wie Martin Herdina (Wikitude). Sie werden nicht nur ihr Know-how einbringen, sondern auch ihre Netzwerkkontakte weitergeben, um den Forschern größere Erfolgschancen zu eröffnen.

Für die Anschlussfinanzierung will Mahrer ab 2018 einen Risikokapitalfonds auflegen, der international ausgeschrieben werden soll, um "mächtige Konsortien nach Österreich zu holen". Der erste Call für das Programm startete am Donnerstag, ab April 2018 werden erste Fellowships vergeben.

Gedanken über eine kommerzielle Nutzung von Forschungsergebnissen hat sich parallel zu der nun startenden Initiative des Wissenschaftsressorts offenbar auch Bildungsministerin Sonja Hammerschmid gemacht. Sie hatte zuletzt für ein einheitliches Bildungsressort vom Kindergarten bis zur Wissenschaft plädiert und identifiziert zwei Hauptprobleme: Einerseits fänden sich in den über Leistungsvereinbarungen festgelesten Uni-Budgets derzeit keine Anreize zur Forcierung von Unternehmensgründungen. Andererseits litten Forschungsgruppen schon jetzt an zu wenig Personal und hoher Lehrbelastung. Hammerschmid regt einen "Entrepreneurship-Bonus" von jährlich 100.000 Euro pro Uni an, wenn diese entsprechende verpflichtende Module in die Curricula der Bachelor-Studenten einbauen. Zudem sollen für jedes erfolgreiche Spin-off aus Unis 400.000 Euro für zwei Tenure-Track-Stellen für Forscher fließen. Die Mittel des Wissenschaftsfonds FWF will sie verdoppeln.

Gleichstellung fragwürdig
Ob diese Initiativen beiden Geschlechtern zugutekommen werden, mag bezweifelt werden, wenn es nach einer vom FWF geförderten Studie geht. Das Fazit der Studie: Bis zur Chancengleichheit ist noch ein langer Weg. Trotz verbesserter Voraussetzungen seien diesbezügliche Fortschritte an den Unis nach wie vor "langsam und zäh". Johanna Hofbauer von der Wirtschaftsuniversität Wien hatte dazu Wissenschaftskarrieren an den Universitäten mit dem Fokus auf Gleichstellungsarbeit analysiert. Sie fordert eine Formalisierung und Transparenz von Entscheidungsprozessen.




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Dokument erstellt am 2017-09-07 16:33:06
Letzte ─nderung am 2017-09-07 16:39:05



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