• vom 03.10.2017, 16:36 Uhr

Forschung

Update: 03.10.2017, 16:45 Uhr

Nobelpreis

Das Ende der Taubheit




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Von Judith Belfkih und Eva Stanzl

  • Der Nachweis der Gravitationswellen wird - beinahe erwartungsgemäß - mit dem Physik-Nobelpreis 2017 ausgezeichnet.

Ausgezeichnet: Kip S. Thorne, Barry C. Barish, Rainer Weiss (von oben nach unten). - © Michael Hanschke/dpa

Ausgezeichnet: Kip S. Thorne, Barry C. Barish, Rainer Weiss (von oben nach unten). © Michael Hanschke/dpa



Stockholm.Ein Meilenstein für die Kosmologie, eine späte Bestätigung von Einsteins Relativitätstheorie, ein Durchbruch in der Erforschung des Lebens und ein Ohr am Urknall: Dass es sich beim ersten Nachweis von Gravitationswellen im Jahr 2015 um eine wissenschaftliche Sensation handelte, darüber herrschte weit über Physiker-Kreise hinaus Einigkeit. Das Prädikat nobelpreiswürdig folgte so unmittelbar wie einstimmig auf die Publikation der Messungen Anfang 2016. Eine Einschätzung, die das Komitee in Stockholm nun bestätigte. Der Nobelpreis in Physik geht heuer zur Hälfte an Rainer Weiss und zur anderen Hälfte an Barry Barish und Kip Thorne. Die drei US-Forscher sind und waren maßgeblich am ersten Nachweis der Gravitationswellen mithilfe des Detektors am Observatorium LIGO an der US-Ostküste beteiligt - ein Forschungsprojekt mit mehr als 1000 Forschern, darunter auch österreichische Physiker.

Albert Einstein hatte Gravitationswellen 1916 als geheimnisvolle Kräuselung der Raumzeit vorausgesagt. Sie entstehen immer dann, wenn im Universum Massen beschleunigt werden und breiten sich wellenförmig in Lichtgeschwindigkeit aus. Vor allem kosmische Großereignisse wie Sternenexplosionen oder verschmelzende Schwarze Löcher sollten Gravitationswellen erzeugen, deren Auswirkungen auf der Erde messbar sind. Der Nachweis gestaltete sich jedoch aufwendig, denn eine solche Welle dehnt und staucht zwar den Raum - auf ein paar Kilometer allerdings nur um Bruchteile eines Protonendurchmessers. Entsprechend schwer ist es, eine derart minimale Abweichung aufzuzeichnen. Lange Zeit waren Messinstrumente daher zu schwach, um auf die feinen Signale überhaupt zu reagieren.


Signale von verschmelzenden Schwarzen Löchern
Das änderte sich vor gut zwei Jahren, genauer am 14. September 2015. Das Datum gilt als die Geburtsstunde der Gravitationswellen-Astronomie. Erstmals waren zu diesem Zeitpunkt jene Schwingungen gemessen worden, von denen sich Wissenschafter Zugang zum größten Teil des Universums erhofften und erhoffen: Um 5.51 Uhr US-Ostküstenzeit schlug der Detektor am LIGO (siehe Bild) an, dem Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory, das aus zwei nahezu identischen Detektoren in Hanford (US-Bundesstaat Washington) und 3000 Kilometer davon entfernt in Livingston (US-Bundesstaat Louisiana) besteht. In weiterer Folge stellte sich heraus, dass die Forscher die Signatur zweier verschmelzender Schwarzer Löcher in etwa 1,3 Milliarden Lichtjahren Entfernung in einem Gebiet am Südhimmel in Richtung des Sternbilds Schwertfisch entdeckt hatten.

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Dokument erstellt am 2017-10-03 16:42:08
Letzte Änderung am 2017-10-03 16:45:06



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