• vom 09.10.2017, 17:00 Uhr

Forschung


Hirnforschung

Frauen großzügiger als Männer




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Verhaltensexperimente zeigen unterschiedliche Reaktionen im Gehirn.

Zürich. Die Gehirne von Frauen und Männern reagieren unterschiedlich auf soziales und egoistisches Verhalten, wie Forscher der Universität Zürich (UZH) nun herausgefunden haben. So aktiviert Großzügigkeit bei Frauen das Gehirn stärker, bei Männern hingegen zeigt sich das bei egoistischem Verhalten, wie die Wissenschafter im Fachblatt "Nature Human Behaviour" berichten.

Wenn Frauen einen Geldbetrag verteilen können, verhalten sie sich den Forschern zufolge großzügiger als Männer, wie Verhaltensexperimente zeigen. Um dieses Verhalten besser zu verstehen, untersuchten die Neuroökonomen die dabei aktiven Gehirnareale.


So ist das sogenannte Striatum, ein Bereich in der Hirnmitte, für die Bewertungs- und Belohnungsverarbeitung zuständig und in jeder Entscheidung aktiv. Bei den Frauen wurde das Striatum stärker aktiviert, wenn sie sich prosozial verhielten, als wenn sie egoistische Entscheidungen trafen, so die Forscher. Bei Männern aktivierte ihnen zufolge egoistisches Verhalten diese Region des Gehirns stärker. "Das Belohnungssystem von Frauen reagiert also stärker auf großzügige Entscheidungen als jenes von Männern", schlussfolgert Studienerstautor Alexander Soutschek.

Kulturell bedingt
In einem weiteren Experiment wurde das Belohnungssystem der Probanden durch die Einnahme von Medikamenten gestört. Unter diesen Bedingungen verhielten sich die Frauen egoistischer und Männer sozialer.

"Dieser Befund zeigt, dass das Belohnungssystem von Frauen und Männern auch pharmakologisch unterschiedliche auf Großzügigkeit reagiert", so Soutschek. Die Ergebnisse habe für die Hirnforschung Konsequenzen: "Zukünftige Studien müssen so gestaltet werden, dass auch auf Unterschiede zwischen Männern und Frauen geprüft wird", erklärt der Wissenschafter.

Auch wenn sich diese geschlechtsspezifischen Unterschiede auf der biologischen Ebene äußern, warnt Soutschek vor der Folgerung, dass sie angeboren oder evolutionär bedingt sind. Laut dem Neuroökonomen arbeiten die Belohnungs- und Lernsysteme im Gehirn eng zusammen. Zudem würden empirische Studien belegen, dass prosoziales Verhalten bei Mädchen eher mit Lob belohnt wird als bei Buben.

"Sie lernen, eher eine Belohnung für prosoziales als für egoistisches Verhalten zu erwarten. Der Geschlechterunterschied, den wir in unseren Studien beobachtet haben, lässt sich in diesem Sinne am besten durch die unterschiedlich kulturellen Erwartungen an Männern und Frauen erklären." Befunde würden weiter zeigen, dass die Belohnung von prosozialem und egoistischem Verhalten kulturell unterschiedlich ausfällt.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-09 16:36:02



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Pentagon forschte heimlich nach UFO's
  2. Zigarrenförmiger Komet aus anderem Sonnensystem
  3. Von der historischen Bibliothek zur Bibliothek der Zukunft
  4. Maschinen entdecken Planeten
  5. Mensch verändert die Evolution von Braunbären massiv
Meistkommentiert
  1. Massereiches Frühchen im All
  2. Wer will denn schon früh sterben?
  3. "Wir sind dabei, die Schlacht zu verlieren"
  4. Ist da jemand?
  5. Pentagon forschte heimlich nach UFO's

Werbung





Werbung


Werbung