• vom 12.10.2017, 16:39 Uhr

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US-Forschungsbudget könnte dramatisch schrumpfen




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Von Eva Stanzl

  • Mehr Geld für Verteidigung bedeutet weniger für Wissenschaft und Forschung: US-Präsident Donald Trump will ein Fünftel der Gelder streichen.


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Austin. Mehr Geld für Militär und Verteidigung, weniger für andere Bereiche des Staatshaushalts: US-Präsident Donald Trump will das Budget für 2018 neu gliedern. Besonders stark will er bei nicht-militärisch orientierter Forschung sparen: Hier könnte mehr als ein Fünftel der Gelder wegfallen.

"Damit wären in den USA die Wissenschaften von den schärfsten Kürzungen seit 40 Jahren bedroht", hebt die American Association for the Advancement of Science (AAAS), die weltgrößte wissenschaftliche Gesellschaft, in einer Stellungnahme zum Budgetentwurf des Weißen Hauses hervor. "Geht der Entwurf des Präsidenten durch, würde das öffentliche Budget für nicht-militärisch orientierte Forschung und Entwicklung auf 0,76 Prozent und jenes für nicht-militärische Grundlagenwissenschaft auf 0,31 des Bruttoinlandsprodukts schrumpfen." In anderen Worten: Es soll weniger Medizin-, Genom-, Umwelt-, Material-, Demografie- oder Krebsforschung durchgeführt werden.

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Noch werden 40 Prozent aller Ausgaben der OECD-Länder in Forschung und Entwicklung von den USA aufgebracht. Doch bereits in den vergangenen Jahren waren die Budgets geschrumpft: Teams an den Universitäten tun sich zunehmend schwerer, Projektmittel einzuwerben. "Kürzungen von 20 Prozent wären eine Katastrophe für die Unis", warnte der Anästhesist Peter Nagele von der Washington University am Rande des Austrian Science and Innovation Talk (Arit). Die Jahrestagung österreichischer Wissenschafter in den USA fand vor wenigen Tagen in der texanischen Hauptstadt Austin statt. "Viele Leute müssten entlassen werden", sagte Nagele.

Allerdings müsste der US-Kongress die von Trump vorgeschlagenen Kürzungen absegnen. Das Budget 2018 soll bis Dezember beschlossen werden. Doch derzeit sind die Absichten des Präsidenten von jenen der beiden Kammern weit entfernt. Wo er die allerschärfsten Einschnitte will, wollen sie Budgets erhöhen.

"Manche Förderagenturen könnten Kürzungen erfahren, aber diese werden weniger dramatisch ausfallen, als vom Weißen Haus vorgeschlagen", beruhigte Joanne Padron Carney vom AAAS beim Arit. Etwa fordert Trump für die National Institutes of Health, die medizinische Spitzenforschung fördern, Kürzungen von 21 Prozent. Das Repräsentantenhaus will dieses Budget hingegen um drei, der Senat es sogar um sechs Prozent erhöhen. Die National Science Foundation (NSF) will der US-Präsident elf Prozent ihrer Gelder streichen, der Kongress will aber nur minus zwei Prozent zugestehen. Insgesamt will Trump das F&E-Budget um fünf Prozent kürzen, das Repräsentantenhaus es jedoch um fünf Prozent erhöhen. "Eine neue Normalität wird wohl sein, dass es schlimmer hätte kommen können", betonte Carney. Und zum Hintergrund: "Um das Verteidigungsbudget zu erhöhen, muss man anderswo Abstriche machen."

Ob solche Abstriche in die Zukunft führen, ist offen. Konkurrenz kommt aus China, das Heimat für die größten Technologiekonzerne werden will. Das Land unternimmt riesige Anstrengungen, um die Bildungschancen zu erhöhen und in neuen Entwicklungszonen, etwa für Robotik, Halbleitertechnologie oder Elektromobilität, Innovationen hervorzubringen. "Auffallend in den USA ist hingegen die Diskrepanz zwischen einem lausigen Schulsystem, Top-Universitäten und erfolgreichen Unternehmen", betont Hannes Androsch, Präsident des Rats für Forschung und Technologieentwicklung: "Diese führende Rolle ist der Zuwanderung der klügsten Köpfe aus Europa, Japan und China nach Silicon Valley, Harvard oder andere Unis geschuldet." Doch auch die Freizügigkeit soll nun ein Ende haben. Neue Einreisebestimmungen und ein verschärftes Fremdenrecht hemmen zusammen mit knappen Mitteln die Forschungsszene. Forschende aus Österreich könnten den USA den Rücken kehren. "Die US-Präsidentenwahl hat Europa attraktiver gemacht", sagt etwa die aus Salzburg stammende Molekularbiologin Isabella Rauch von der Universität Berkeley in Kalifornien.




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Dokument erstellt am 2017-10-12 16:45:05



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