• vom 15.10.2017, 16:25 Uhr

Forschung

Update: 15.10.2017, 16:42 Uhr

Raumfahrt

Umweltwächter im All




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  • Mit Sentinel-5P wurde der sechste Satellit zur Erdbeobachtung erfolgreich losgeschickt.

Sentinel-5P wurde mit einer Rockot-Rakete ins All gebracht.

Sentinel-5P wurde mit einer Rockot-Rakete ins All gebracht.© AP Sentinel-5P wurde mit einer Rockot-Rakete ins All gebracht.© AP

Noordwijk/Wien/Plessezk. Europas Erdbeobachtungsflotte im All hat Zuwachs bekommen: Mit dem auf die Analyse der Atmosphäre - vor allem der Luftverschmutzung und des Klimawandels - spezialisierten Sentinel-5P stützt sich das EU-Programm "Copernicus" nun auf sechs Satelliten. Der neueste Vertreter war zum Wochenende vom russischen Welttraumbahnhof Plessezk abgehoben.

"Das ist eine revolutionäre Mission. Zum ersten Mal können wir Luftverschmutzung in so großer Genauigkeit vom Weltraum aus messen", erklärte der aus Österreich stammende ESA-Direktor für Erdbeobachtung, Josef Aschbacher, im Vorfeld des Starts des neuen nach dem englischen Wort für "Wächter" benannten Satelliten im European Space Research and Technology Centre (ESTEC) in Noordwijk (Niederlande).


Blick auf Spurengase
"Der neue Satellit wird einmal am Tag flächendeckend die Schadstoffbelastung über Österreich messen", betonte Infrastrukturminister Jörg Leichtfried. Aschbacher wünscht sich von Politikern, "dass sie sich die Daten wirklich ansehen und daraus Konsequenzen ziehen". Als Datenlieferant übernimmt die von dem Iren Kevin McMullan geleitete, rund 240 Millionen Euro teure Mission "Sentinel-5P" entsprechend viele Aufgaben: Das Herzstück des "Umweltwächters" ist das Hightech-Instrument "Tropomi" (Tropospheric Monitoring Instrument). Mit diesem Spektrometer, das im ultravioletten und sichtbaren Bereich sowie in einigen Infrarot-Wellenlängenbereichen misst, können fast alle wichtigen Gase im Zusammenhang mit Luftqualität und Klimawandel, wie Stickstoffoxid, Ozon, Formaldehyd, Schwefeldioxid, Methan, Kohlenmonoxid sowie Feinstaub (Aerosole), erfasst werden.

Bis auf Kohlendioxid, dessen Messung sich extrem kompliziert gestaltet, eröffnet Sentinel-5P damit einen genauen Blick auf die wichtigsten Spurengase. Im Orbit in der Höhe von 827 Kilometern über der Erde sei man "dafür genau in der richtigen Position", so McMullen. Mit seiner 2600 Kilometer breiten Abtastrate kann Sentinel-5P jeden Tag die gesamte Erdoberfläche nach Schadstoffen scannen. Mit einer räumlichen Auflösung von sieben mal 3,5 Kilometern werde man nur wenige Monate nach dem Start "die besten Daten zur Luftqualität liefern, die es bisher gegeben hat". In der ungefähr sechs Monate dauernden Betriebsphase des Satelliten übernimmt dann der Österreicher Claus Zehner die Missionsleitung.

Durch das "Copernicus"-Programm will Europa die führende Rolle in der Analyse der Abläufe auf der Erde übernehmen. Nicht einmal in Amerika gebe es Vergleichbares. Bis 2021 soll das Programm zwölf Satelliten umfassen. Das "P" in der Bezeichnung der nun gestarteten Sonde steht für "Precursor" ("Vorläufer"). Dabei handelt es sich um eine Art Übergangsmission, bis der Nachfolger, Sentinel-5, voraussichtlich in fünf Jahren seinen Dienst antritt, wie Missionsleiter McMullan erklärte.

An Planung und Bau waren mehr als 30 europäische Unternehmen beteiligt. Die Thermoisolation kommt von der Wiener Weltraumfirma Ruag Space. Sie schützt den Satelliten gegen die äußerst unwirtlichen Temperaturen im All. Auch Labortestgeräte von Siemens sind mit an Bord. Sie werden auf ihre Funktionstüchtigkeit im schwerelosen Zustand getestet.

Bessere Analysen
Mit den umfangreichen Daten wird sich auch in Österreich die Analyse und Vorhersage der Luftgüte entscheidend verbessern, teilte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mit. "Außerdem gehen die Daten unter anderem in Warnungen vor Vulkanasche im Flugverkehr und in UV-Warnungen ein", so Direktor Michael Staudinger. Besonders vielversprechend sei die Verbindung der neuen Satelliten-Daten mit den Messungen der Bodenstationen. Zukünftig werde es auch leichter, größeren Verursachern von Luftverschmutzung auf die Spur zu kommen. Indem Forscher die deutlich genaueren Simulationen rückwärts ablaufen lassen, kann festgestellt werden, aus welcher Region Schadstoffe kommen.

Um die enormen Datenmengen der Sentinel-Satelliten zu verwalten, werden europaweit Datenzentren aufgebaut. Mit dem "Sentinel National Mirror Austria" ist eines der ersten dieser Zentren im vergangenen Jahr bei der ZAMG in Betrieb gegangen. Interessenten können seither frei auf Informationen zugreifen. An der Technischen Uni Wien betreibt das "Earth Observation Data Center" ein Langzeitarchiv, in dem alle Copernicus-Daten gespeichert werden.




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Dokument erstellt am 2017-10-15 16:30:06
Letzte nderung am 2017-10-15 16:42:06



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