• vom 08.01.2018, 17:58 Uhr

Forschung

Update: 08.01.2018, 18:42 Uhr

Wissenschafter des Jahres

Der Mann, der die Welt in Zahlen fasst




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Von Eva Stanzl

  • Der Komplexitätsforscher Stefan Thurner ist Wissenschafter des Jahres 2017.

Komplexe Systeme mit ihren vielverzweigten Netzwerken sind die Herausforderung für Stefan Thurner. - © apa/Roland Schlager

Komplexe Systeme mit ihren vielverzweigten Netzwerken sind die Herausforderung für Stefan Thurner. © apa/Roland Schlager

Wien. Der Komplexitätsforscher Stefan Thurner (48) wurde am Montag zum "Wissenschafter des Jahres 2017" gekürt. Mit dem Preis würdigt Österreichs Klub für Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten vor allem das Bemühen von Forschern, ihre Arbeit und ihr Fach einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen und damit das Image der österreichischen Wissenschaft zu heben.

Thurner ist Österreichs erster Professor für die Wissenschaft Komplexer Systeme an der Medizinuniversität Wien und Leiter des von ihm ins Leben gerufenen "Complexity Science Hub Vienna" (CSH). Der Innsbrucker hat mehrere Felder der Expertise: Er studierte zunächst Teilchenphysik, danach Wirtschaftswissenschaften. Ende der 1990er Jahre lernte er am Santa Fe Institute im US-Staat New Mexico erstmals den damals neuen Forschungszweig der "Complexity Science" kennen - eine Netzwerkwissenschaft, die an großen Problemen wie Klimawandel, Migration, Ungleichheit, systemischen Risiken und Fairness in demokratischen Systemen arbeitet.

Information

Stefan Thurner ist Österreichs erster Professor für die Wissenschaft
Komplexer Systeme an der Medizinuniversität Wien und Leiter des von ihm
ins Leben gerufenen "Complexity Science Hub Vienna" (CSH).

"Wiener Zeitung":Wie geht es Ihnen als Österreichs Wissenschafter des Jahres 2018?

Stefan Thurner: Ich freue mich wahnsinnig. Ich hätte es irgendwie nicht für möglich gehalten, dass jemand aus einem Fachgebiet, das sogar im Namen das Wort "Komplexität" trägt, Wissenschafter des Jahres werden kann. Daher freut es mich umso mehr. Wissenschaft ist eine bewährte Art, Fakten zu schaffen. Wenn bei den Menschen nicht ankommt, was wir machen und warum das wichtig ist, werden sie sich fragen, warum sie dafür bezahlen sollen - heute gehen immerhin drei Prozent der heimischen Wirtschaftsleistung in die Forschung.

Was macht ein Komplexitätsforscher?

Komplexitätsforschung schafft Grundlagen, die einen unmittelbaren Nutzen für die Gesellschaft haben können. Jedes komplexe System beinhaltet Netzwerke. Zu verstehen, wie sie funktionieren und welcher Dynamik sie folgen, wie sie auf Stress reagieren, was sie alles aushalten oder wann sie zusammenbrechen, zeigt viel über das System. Die Bezüge zwischen diesen Bausteinen lassen es uns verstehen.

Woran arbeiten Sie derzeit?

Wir wollen Modelle schaffen, mit denen wir Gesellschaft eins zu eins nachbauen können. Jede Person in einem Land und jede Firma, jede Bank und jeder Kindergarten ist einem Avatar in einem Computermodell zugeordnet. Mit den Modellen können wir gesellschaftsrelevante Szenarien durchspielen. Wir können virtuell neue Gesetze einführen und sehen, wie sich diese auf Personen oder Wirtschaftszweige auswirken. Wir können alle möglichen beabsichtigten und unbeabsichtigten Konsequenzen von Entscheidungen vor Augen führen, ohne sie durchleben zu müssen. Wir können Katastrophenszenarien durchspielen, etwa indem wir eine virtuelle Jahrtausendflut durch das Donautal schicken und sehen, wie das Wirtschaft, Haushalte und Staatsfinanzen trifft und was sich Jahre danach verändert, wenn spezielle Maßnahmen gesetzt werden. Auch medizinische Präventionsmaßnahmen lassen sich durchspielen. Wären derartige Simulatoren vielen Menschen zugänglich, würde das Fakten und deren Zusammenhänge viel transparenter machen.




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Dokument erstellt am 2018-01-08 16:02:09
Letzte ─nderung am 2018-01-08 18:42:16



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