• vom 13.06.2012, 17:38 Uhr

Forschung

Update: 25.06.2012, 19:42 Uhr
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Margarete Mitscherlich geht als bedeutende Psychoanalytikerin und Feministin in die Geschichte ein

Mit Sigmund Freud auf dem Sofa



Mitscherlich: "Meine Thesen stimmen immer irgendwo auch, sind aber mit einer großen Lust an der Provokation verbunden."

Mitscherlich: "Meine Thesen stimmen immer irgendwo auch, sind aber mit einer großen Lust an der Provokation verbunden."© picture alliance / dpa Mitscherlich: "Meine Thesen stimmen immer irgendwo auch, sind aber mit einer großen Lust an der Provokation verbunden."© picture alliance / dpa

2007 sagte die teuren Kosmetikartikeln keineswegs abgeneigte Psychoanalytikerin in dem Interview-Band "Eine unbeugsame Frau": "Ich habe immer vertreten, dass Frauen sich nicht nur gegen Männer, sondern auch gegen sich selbst durchsetzen müssen." Rollen sollte man sich von niemandem aufzwingen lassen: "Eine emanzipierte Frau ist in der Lage, sich von vorgefundenen Werten und Vorstellungen über ihre Rolle zu distanzieren."

Schönheitsoperationen empfand Mitscherlich als "neurotisch", den Begriff der arbeitenden Rabenmutter tat sie als "typisch deutschen Blödsinn" ab.

Margarete Mitscherlich erhielt mehrere bedeutsame Auszeichnungen, so nahm sie 2005 als Erste den von der Stadt Wien neu initiierten und finanzierten Erwin Chargaff Preis in Empfang.

"Ohne ein bisschen Angst gehen wir unter"
Politische Stellungnahmen scheute Mitscherlich nie, etwa 2009 in einem Interview mit der "Süddeutschen". Der deutsche Kanzler der Nachkriegszeit Konrad Adenauer sei kein lupenreiner Demokrat gewesen, in seiner Zeit hätten Spießbürgerlichkeit und Sexualfeindlichkeit regiert: "Außereheliche Sexualität war verpönt, Schwule wurden verfolgt, Abtreibung war strafbar." Dagegen war Willy Brandt "ein eigenartiger Typ, mit einer unglaublichen Begabung, im richtigen Moment das Richtige zu tun".

"Es ist wunderbar, dass eine Frau zum ersten Mal Kanzlerin geworden ist", freute sich Mitscherlich nicht nur über das Amt für Angela Merkel, sondern auch über deren Tätigkeit: "Sie macht gute Politik, wenn auch etwas zögerlich." Krisenängste könnten, so Margarete Mitscherlich im gleichen Interview, auch heilsam sein: "Durch Angst kann man ja auch etwas klüger werden. Ein bisschen Angst brauchen wir, um voranzukommen. Ohne sie würden wir dick und fett und gingen unter."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-13 17:44:07
Letzte Änderung am 2012-06-25 19:42:23


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