• vom 08.12.2010, 16:14 Uhr

Geschichte

Update: 22.06.2011, 14:45 Uhr
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"Edle Wilde ohne Schrift.. ." - dass die antiken Kelten sich keiner Schrift bedienten, ist ein Mythos

Und sie schrieben ja doch


Von Albert Bock

  • Keltische Inschriften gibt es in verschiedenen Alphabeten.
  • Namensschilder, Zauber, Flüche und Trinksprüche sind erhalten.

Auch in der Antike war das heutige Kärnten ein mehrsprachiges Siedlungsgebiet: Norische Inschrift aus Grafenstein/Grabtanj (2. Jahrhundert n. Chr.). Foto: David Stifter

Auch in der Antike war das heutige Kärnten ein mehrsprachiges Siedlungsgebiet: Norische Inschrift aus Grafenstein/Grabtanj (2. Jahrhundert n. Chr.). Foto: David Stifter Auch in der Antike war das heutige Kärnten ein mehrsprachiges Siedlungsgebiet: Norische Inschrift aus Grafenstein/Grabtanj (2. Jahrhundert n. Chr.). Foto: David Stifter

 Wien. "Edle Wilde ohne Schrift..." "Die Kelten schrieben nicht. Ihre Kultur und ihr Wissen wurde von den Druiden mündlich weitergegeben.. ." Ein kurzer Streifzug durch Internet und Populärliteratur beweist: Die Vorstellung von den schriftlosen Kelten der Antike ist fest im kollektiven Bewusstsein verankert. Als Zeuge wird, wenn überhaupt, meist Caesar genannt. Allerdings hat der römische Diktator nie etwas dergleichen geschrieben.

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In einem Exkurs zur Druidenausbildung in Caesars Buch "Vom Gallischen Krieg" liest man stattdessen, dass Religiöses nicht niedergeschrieben wurde, sich die Gallier aber in allen anderen Belangen der griechischen Schrift bedienten. Was durch archäologische Funde untermauert wird.

Keltischsprachige Gruppen in ganz West- und Mitteleuropa übernahmen in der Antike die Alphabete ihrer jeweiligen Nachbarn. Die ältesten eindeutig keltischen Schriftzeugnisse stammen von den in Norditalien ansässigen Lepontern und werden auf das sechste Jahrhundert vor Christus datiert.

Im heutigen Norditalien und Slowenien wurde Keltisch mit etruskischen Buchstaben geschrieben, in Südfrankreich mit griechischen und in Spanien mit iberischen. Nach der römischen Eroberung sattelten die Menschen auf das Alphabet ihrer Besatzer um. Spätere Texte sind daher vor allem in der schwer zu entziffernden lateinischen Kursive verfasst. Aus der Vielfalt an Textgattungen lässt sich jedoch die ausgeprägte Verankerung des geschriebenen Wortes im Alltag ablesen. Öffentliche Verlautbarungen oder Namensschilder sind ebenso erhalten wie Stiftungsinschriften, Zauber, Flüche, Trinksprüche und anzügliche Widmungen auf Geschenken junger Männer an ihre Freundinnen.

Letztere finden sich vor allem auf gallischen, zu Handspindeln zugehörigen Spinnwirteln und spiegeln die Jugendsprache ihrer Zeit wider - ein Mischmasch aus altvaterischem Keltisch und modernem Latein. Zwei Beispiele für gallischen Jugendslang gefällig? "Nata vimpi pota vim" - "Schönes Mädchen, trink (meine) Kraft" und "Nata vimpi curmi da" - "Schönes Mädchen, gib Bier". Beide Sprüche finden sich auf Spinnwirtelgewichten.

Auf österreichischem Staatsgebiet sind bisher nur kurze Schriftzeugnisse entdeckt worden. Das längste stammt aus Grafenstein/Grabtanj in Kärnten. Es könnte sich dabei um die Rechnung für eine Ladung Ziegel handeln.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2010-12-08 16:14:00
Letzte Änderung am 2011-06-22 14:45:17


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