• vom 14.09.2011, 10:52 Uhr

Geschichte

Update: 14.09.2011, 11:05 Uhr

Geschichte

Orte der NS-Verbrechen als Geschichtsanker




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  • Kongress "Diesseits und Jenseits des Holocaust"
  • Internationale Tagung "Aus der Geschichte lernen in Gedenkstätten" vom 15.-17. 9. in Wien.

Wien. Lange waren Holocaust-Gedenkstätten primär Orte der Erinnerung für ehemalige Häftlinge. Ab Mitte der 1980er Jahre zeigte sich in Europa, auch in Österreich, ein Wandel in der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit: Die eigene Mittäterschaft geriet vermehrt in den Fokus. Welche Bedeutung dies und andere Veränderungen für die Gedenkstätten und die Vermittlungsarbeit hat, wird von Donnerstag bis Samstag (15.-17.9.) in einer von der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und dem Verein "Gedenkdienst" organisierten Tagung in Wien diskutiert.

Ankerpunkte

Information

Internationale Konferenz: "Diesseits und Jenseits des Holocaust. Aus der Geschichte lernen", 15. - 17. September, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Theatersaal, 1., Sonnenfelsgasse 19,

Link: http://www.oeaw.ac.at/ikt

Als Ausgangspunkt der Konferenz benennt Mitorganisatorin und Zeithistorikerin Heidemarie Uhl vom Institut für Kulturwissenschaften der ÖAW im APA-Gespräch das neue Interesse an Orten der NS-Verbrechen in Österreich und ganz Europa. Die Orte der NS-Verbrechen seien Ankerpunkte für Erzählungen über den Nationalsozialismus. "Nach 1986 ist es auch in Österreich zu einem Prozess gekommen, der etwa den Gedenkort Mauthausen von seiner externen Position immer mehr in die Mitte der Gesellschaft rücken ließ", führt Uhl aus. Die von der Waldheim-Affäre ausgelösten Umwälzungen der österreichischen Gesellschaft seien als Grundlage für die "Entdeckung" dieser Orte des Verbrechens zu sehen.

Auch das "biologische Ende der Erfahrungsgeneration" führe mittlerweile zu einer stärkeren Verortung von Geschichte. Das zunehmende Fehlen von Zeitzeugen hebt die Bedeutung der Gedenkstätten und deren Gestaltung hervor. "Der Besuch einer Gedenkstätte wirkt auch wegen des Ausbrechens aus gewohnten Vermittlungssituationen als sinnlich, emotional und kognitiv erfahrbare Ausnahmeerscheinung", betont der Politikwissenschafter Matthias Kopp vom Verein "Gedenkdienst" die Relevanz dieser Orte.

Dafür müsse auch neuer Platz geschaffen werden: Vor allem in Wien, so Uhl, bräuchte es ein NS-Dokumentationszentrum zur Bildungsarbeit. Allerdings dränge sich dafür kein Ort auf, da die meisten historisch belasteten Orte im Laufe der Zeit überbaut worden seien. Positiv unterstreicht sie die Vielzahl an zivilgesellschaftlichen Initiativen in der Bundeshauptstadt, die sich die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus auf die Fahnen geschrieben haben. Nur eben ein institutionalisierter Ort fehle noch. In Deutschland dagegen finden sich in sehr vielen Großstädten Lern- und Gedenkstätten, allen voran die "Topographie des Terrors" in Berlin.

Forschung und Pädagogik

Als eines der Ziele der Tagung "Diesseits und Jenseits des Holocaust. Aus der Geschichte lernen in Gedenkstätten" nennt Uhl das von ihr als "verbesserungswürdig" angesehene Zusammenspiel zwischen zeithistorischer Forschung und Gedenkstättenpädagogik zu intensivieren. Zudem sollen die unterschiedlichen Konzepte in der Vermittlungsarbeit reflektiert werden. Trotz aller Unterschiede in Ost und West sieht Uhl aber generell eine "Synchronisierung von Konzepten" in der Gedenkstättenarbeit: Man könne mittlerweile von einem "Mainstream" in der europäischen Gedenkstättenlandschaft sprechen, in welchem sich auch Österreich positioniert.




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Dokument erstellt am 2011-09-14 10:54:20
Letzte Änderung am 2011-09-14 11:05:58



25. September 1817
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