• vom 13.04.2012, 14:00 Uhr

Geschichte

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Erzherzog Ludwig Salvator (1847-1915) war einer der wenigen Habsburger mit einer genuinen Begeisterung für die Seefahrt. Als Wissenschafter hat er wichtige Beiträge zur Erforschung des Mittelmeeres geleistet.

"Dicker Luigi" als Weltenbummler


Von Elmar Samsinger

Ein Bild aus Ludwig Salvators Buch "Die Insel Giglio".

Ein Bild aus Ludwig Salvators Buch "Die Insel Giglio".Samsinger Ein Bild aus Ludwig Salvators Buch "Die Insel Giglio".Samsinger

"Ich höre noch im Geiste die wuchtigen Schläge, wie sie an die Seite der ,Nixe‘ pochten. Wie hart schlug das Eisen auf das kantige Riff [. . .] und ein starkes Leck öffnete sich in der Nähe der Kohledepots. Es blieb nun nichts anderes übrig, als eiligst zu den Booten zu flüchten."

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So beschrieb Erzherzog Ludwig Salvator den dramatischen Untergang seiner Dampfsegeljacht "Nixe" im Jahr 1893 vor der nordafrikanischen Küste. Nach seiner Rettung fühlte er sich zwischen einer zerbrochenen Bussole, Wrackteilen, einem Rettungsring sowie zwei aufgeweichten Bildern hilflos wie ein Einsiedlerkrebs, dem das Schneckengehäuse abhanden gekommen war.

Der Erzherzog galt als Sonderling, über den man sich hinter vorgehaltener Hand lustig machte, wenn er in seiner abgetragenen Uniform pflichtschuldig zum alljährlichen Geburtstagsfest des Kaisers bei Hof erschien. Nicht nur Kaiser Franz Joseph nannte ihn den "Dicken Luigi". Kaiserin Elisabeth mochte ihn dagegen, sah sie in dem Weltenbummler doch einen Seelenverwandten, der wie sie Wien möglichst schnell verließ, um wieder die Freiheit des Reise- und Schiffslebens zu genießen.

Jugend in der Toskana

Ludwig Salvator, porträtiert von Gaston Veuiller.

Ludwig Salvator, porträtiert von Gaston Veuiller.Anton/ Wikipedia Ludwig Salvator, porträtiert von Gaston Veuiller.Anton/ Wikipedia

Ludwig Salvator war Sohn des letzten regierenden Großherzogs der Toskana, Leopold II., aus dem toskanischen Zweig des Hauses Habsburg-Lothringen, welcher die ausgestorbenen Medici 1737 beerbte. Obwohl Leopold II. dem heruntergewirtschafteten Land einen bemerkenswerten Aufschwung bescherte, musste er der Einigungsbewegung Italiens weichen. Der Erzherzog dankte 1859 zugunsten seines Neffen, Victor Emanuel, den er als Kleinkind aus einem brennenden Palast gerettet hatte, ab und ging ins böhmische Exil. Victor Emanuel kletterte schon bald darauf die Karriereleiter ganz nach oben und wurde1862 erster König Italiens. Als Tochter von Franz I. von Neapel-Sizilien war die Mutter von Ludwig Salvator, Maria Antonia, königlichen Geblüts.

Giglio, April 2012: ein Idyll mit dem Wrack der "Costa Concordia" im Hintergrund.

Giglio, April 2012: ein Idyll mit dem Wrack der "Costa Concordia" im Hintergrund.epa/ Francesca Baldi Giglio, April 2012: ein Idyll mit dem Wrack der "Costa Concordia" im Hintergrund.epa/ Francesca Baldi

Ludwig Salvator wurde am 4. August 1847 geboren und erhielt im düsteren Palazzo Pitti in Florenz eine strenge Erziehung. Schon früh zeigten sich seine Sprach- und Zeichenbegabung sowie Interessen für Naturwissenschaften, Geschichte und Volkskunde. Ludwig Salvator litt jedoch unter dem Verlust seiner italienischen Heimat und fühlte sich auf dem väterlichen Schloss in Böhmen nie richtig wohl.

Nach weiteren Studien in Prag zog es den jungen Erzherzog in die Ferne. Unermüdlich begann er, die Welt zu erkunden, zu beschreiben und zu zeichnen. Im Laufe der Jahrzehnte veröffentlichte Ludwig Salvator mehr als 70 Bücher, die er in kleinen Auflagen für Freunde und wissenschaftliche Institutionen herausgab. Er wurde zum international anerkannten Mittelmeerforscher, herausragend sein vielbändiges Standardwerk über die Balearen.

Der Erzherzog verbrachte den Großteil seines Lebens an Bord seiner Jacht und auf seinen ausgedehnten Besitzungen auf der damals noch weitgehend unbekannten Insel Mallorca. Überhaupt hatte Ludwig Salvator eine Vorliebe für mehr oder weniger erforschte Inseln. Eine seiner Forschungsreisen führte ihn beispielsweise auf ein kleines Eiland seiner toskanischen Heimat, über das er in einem seiner Bücher schrieb: "Rebenumrankt, meerumrauscht, windumfächelt erhebt sich Giglio, ein Granitfels im Tyrrhenischen Meer, die lieblichste unter den anmuthigen Inseln des elbanischen Archipels. [. . . Thatsächlich besitzt die ganze Westküste Italiens keinen geeigneteren Platz, wo man im Sommer die Nachmittagsstunden angenehmer im Schatten verbringen könnte als an den sandigen, von Bergen beschützten Ufern der Ostküste von Giglio und dieser Umstand sichert mit Recht dem Felseneiland eine bessere Zukunft. "

Das Leben an Bord
Die elegante Jacht des Erzherzogs wird bei den einfachen Inselbewohnern von Giglio sicherlich erhebliches Aufsehen erregt haben, auch wenn sie nicht so spektakulär strandete, wie jüngst das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia". Im Vergleich zu diesem fast 300 Meter langen Schiffskoloss und seiner Maschinenleistung von 57.104 PS würde Ludwig Salvators Jacht, mit 52 Metern Länge und 500 PS, wohl eher den Eindruck eines größeren Rettungsbootes abgeben.

Trotz bescheidener Ausmaße bot die erzherzogliche Jacht und ihre Besatzung um 1900 ein außerordentliches Spektakel, das an Faszination einem Vergnügungsschiff wie der "Costa Concordia" wohl kaum nachstand. Neben 20 Männern und Frauen befanden sich nämlich zahlreiche Hunde, Katzen, Vögel, Affen und anderes Getier an Bord, was Zeitgenossen die "Nixe" mit der "Arche Noah" vergleichen ließ.

Darüber hinaus munkelte man von skandalösen Zuständen an Bord. Im Mittelpunkt stand die schillernde Persönlichkeit des zeitlebens unverheirateten und stets incognito reisenden Erzherzogs, der wegen seiner nachlässigen Kleidung zuweilen für einen Matrosen gehalten wurde. Aus dem Brief eines Zeitgenossen erfahren wir, dass Ludwig Salvator und seine Begleitung an Land regelmäßig auffielen: "Nicht unterlassen kann ich zu berichten, dass die aus zwei Damen, einem jungen Mädchen und einer jugendlichen Persönlichkeit, deren Geschlecht trotz männlicher Kleidung zu Tage tretenden weiblichen Formen und wallendem Haupthaar nicht gut definierbar erschien, bestehende Reisegesellschaft Sr. k.u.k. Hoheit bei ihren Spaziergängen durch die Stadt [Korfu] nicht unbedeutendes Aufsehen erregt."




Schlagwörter

Geographie, Habsburger, Extra

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-13 10:41:14
Letzte Änderung am 2012-04-13 13:48:09


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