Am 8. Dezember 1941 erklärten die USA dem Kaiserreich Japan den Krieg. Drei Tage später erfolgte die Kriegserklärung an Deutschland und Italien. Die USA waren damit nach langem Zögern in den Zweiten Weltkrieg eingetreten.

Bereits 1941 gab es erste Berichte über deutsche Massenmorde und die Shoa. Und im August 1942 informierte der Büroleiter des Jüdischen Weltkongresses in Genf, Gerhard M. Riegner, London und Washington in einem dramatischen Telegramm über die sogenannte "Endlösung". Das US-Außenministerium und das britische Foreign Office hielten das damals noch für ein wildes Gerücht.
Auf Rat seines Finanzministers, Henry Morgenthau Jr., richtete Präsident Franklin D. Roosevelt im Januar 1944 das War Refugee Board (Komitee für Kriegsflüchtlinge) ein. Darin waren das Finanz-, Innen- und Kriegsministerium gleichermaßen vertreten. Aufgabe des Komitees war es, möglichst viele Menschen der Verfolgung durch die Nazis zu entziehen. Es arbeitete erfolgreich mit jüdischen Organisationen, Diplomaten neutraler Staaten und Widerstandsgruppen in Europa zusammen, um Flüchtlinge zu retten. Man schätzt, dass mit diesen Maßnahmen 200.000 Menschen das Leben gerettet wurde.
Von den vielen ungenannten Helfern sticht das tragische Schicksal des Schweden Raoul Wallenberg besonders hervor.
Ein Mitfühlender
Raoul Wallenberg wurde am 4. August 1912 in eine einflussreiche schwedische Familie von Bankern, Diplomaten, Bischöfen und Künstlern hineingeboren. Sein Vater erlebte allerdings seine Geburt nicht mehr. Er starb jung, drei Monate vor der Geburt Raouls und nach nur acht Monaten Ehe. Drei Monate nach seiner Geburt starb auch sein Großvater unerwartet an einer Lungenentzündung. Die beiden Witwen, Mutter und Großmutter, konzen-trierten ihre Liebe auf den kleinen Raoul. Seine Halbschwester Nina Lagergren meinte später, er hätte als Kind so viel Liebe erhalten und gegeben, dass er zu einem ungewöhnlich großzügigen, liebenden und mitfühlenden Menschen herangewachsen sei.
Unterstützt von seinem zweiten Großvater, einem Diplomaten, erhielt Raoul eine exzellente Ausbildung. Er sprach mehrere Sprachen, darunter auch Deutsch und Russisch. Nach Schulabschluss und dem Militärdienst in Schweden ging er nach Paris, danach kam er in die USA nach Ann Arbor und studierte an der University of Michigan Architektur. Als er 1935 graduierte, war sein Studienkollege der zukünftige US-Präsident Gerald Ford. Auf Wunsch des Großvaters nahm Wallenberg eine Stellung in Südafrika an, um dort das Bankgeschäft zu erlernen. 1936 wechselte er zur Holland Bank nach Haifa, im damaligen Palästina. Hier hatte er zum ersten Mal Kontakt mit Juden, die vor dem Nazi-Terror geflohen waren. Ab 1939 arbeitete Wallenberg in Stockholm für den ungarischen Flüchtling Koloman Lauer, den Besitzer einer internationalen Handelsfirma. In dieser Funktion bereiste Wallenberg verschiedene von der Wehrmacht besetzte Gebiete und auch das mit Deutschland verbündete Ungarn.
Am 9. Juli 1944 war der nun 32-jährige Wallenberg, erschüttert von den Berichten und Erlebnissen der Judendeportationen in Ungarn, als Erster Sekretär der schwedischen Gesandtschaft nach Budapest gekommen. Wahrscheinlich wurde er, auf Empfehlung des Oberrabbiners von Stockholm, Marcus Ehrenpreis, von einem Schweden namens Ivar Olsen für diese Aufgabe angeworben. Olsen war der Repräsentant des War Refugee Board in Schweden, aber auch hochrangiger Führungsoffizier des militärischen US-Geheimdienstes OSS (Office of Strategic Services), des Vorgängers der CIA. Diese Doppelfunktion Olsens könnte später Wallenberg zum Verhängnis geworden sein.
Um 1937 lebten in Ungarn etwa 445.000 Juden, deren Zahl aber durch die Vertreibungen in anderen besetzten Gebieten auf rund 750.000 angestiegen war. Als Wallenberg in Budapest ankam, waren, unter der Leitung von Adolf Eichmann, bereits etwa 400.000 Juden in die Vernichtungslager nach Polen deportiert worden. Wallenbergs Auftrag war es, die verbliebenen ungarischen Juden zu retten. Mit Unterstützung der schwedischen Regierung und des War Refugee Boards gelang es ihm, Tausende schwedische Schutzpässe auszustellen.
Hatte die Schwedische Gesandtschaft bis zu seinem Eintreffen insgesamt etwa 650 Schutzpässe für Juden ausgestellt, so waren es nach kurzer Zeit seines Wirkens mehr als 8000 Pässe. Diese wurden von den ungarischen und deutschen Behörden akzeptiert. Die Dimensionen seiner Aktivitäten wurden allerdings selbst dem schwedischen Außenministerium unheimlich.
Die Schutzhäuser
Ab 8. November 1944 sollten die verbliebenen 75.000 arbeitsfähigen Juden als Zwangsarbeiter in das 240 km entfernte Reichsgebiet verbracht werden, um im besetzten Österreich den Südostwall zu errichten. Da Transportmittel fehlten, wurden daraus gnadenlose Todesmärsche. Wallenberg, aber auch Vertreter des Roten Kreuzes und der Schweiz versuchten, den Menschen mit Nahrung, Kleidung und Decken zu helfen. Wallenberg, dessen Wagen exterritoriales Gebiet war, fuhr mit seinem Chauffeur die Kolonnen der Gefangenen ab und rettete unter großer persönlicher Gefahr viele Menschen aus den Fängen der Nazis.

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