• vom 24.08.2012, 20:00 Uhr

Geschichte

Update: 27.08.2012, 12:02 Uhr
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Weit hinter dem Horizont


Von Christian Hoffmann

  • In den Jahren 1621 bis 1628 hat Christoph Carl Fernberger von Eggenberg auf erstaunliche Art seinen Horizont erweitert. Er hat als erster Österreicher die Welt umsegelt, wenn auch ganz und gar unfreiwillig.

Der raue Alltag: "Schiff in stürmischer See", gemalt vom russischen Marinemaler Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski. - © © Corbis

Der raue Alltag: "Schiff in stürmischer See", gemalt vom russischen Marinemaler Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski. © © Corbis

In der Nähe der Marktgemeinde Vorchdorf, Bezirk Gmunden, liegt das Schloss Eggenberg, heutezutage vor allem bekannt durch die Bierbrauerei. Seit dem Jahr 1531, so viel steht fest, war dieses Schloss Stammsitz der Fernberger, einer Adelsfamilie, die möglicherweise aus dem Fränkischen kam, sich auf jeden Fall aber seit 1490 in Tirol aufhielt und im Dienst der dortigen Landesfürsten stand. Irgendwann zwischen 1596 und 1600 wurde Christoph Carl in diese Familie hineingeboren, ein Umstand, dem er sowohl eine umfangreiche humanistische Bildung als auch eine solide militärische Qualifikation verdankte. Es wird wohl an dieser umfassenden Ausbildung liegen, dass der junge Mann eine der abenteuerlichsten Weltreisen jener Zeit nicht nur überlebte, sondern auch noch in einem Tagebuch dokumentierte, einem der berührendsten Reiseberichte in deutscher Sprache.

Information

Literatur:
Karl R. Wernhart: Christoph Carl Fernberger. Der erste österreichische Weltreisende 1621 - 1628. Lit Verlag, Wien 2011

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Dass Christoph Carl in einer ungewöhnlichen Familie aufwuchs, zeigt auch die Geschichte seines Onkels Georg (Georg Christoph Fernberger, 1557-1593), der auf dem Landweg über den Nahen Osten bis nach Indien kam und ebenfalls seine Reise sorgsam dokumentierte, allerdings im Gegensatz zu seinem Neffen noch in geschliffenem Latein. Wie auch immer, die Fernberger scheinen nicht nur eine Sippe von Haudegen sondern auch außergewöhnlich gebildet und weltoffen gewesen zu sein.

Trotz dieser Vorbelastung hatte Christoph Carl allerdings keineswegs vor, die Welt zu bereisen. Als Offizier der kaiserlichen Armee war er am spanischen Krieg gegen die Niederlande beteiligt. Diese nördliche Provinz des habsburgischen Reiches entwickelte sich in jener Zeit durch den Kolonialhandel zu einer der neuen starken Mächte Europas und setzte in einem achtzig Jahre dauernden Krieg ihre Unabhängigkeit durch. Zu jener Zeit, als Christoph Carl bei den Spaniern Dienst tat, ging wieder einmal ein provisorischer Waffenstillstand zu Ende, die Kämpfe begannen von Neuem und Christoph Carl geriet in niederländische Gefangenschaft.



Der erste Schiffbruch

An dieser Stelle setzt das Tagebuch ein. Es schildert die Verhandlungen Fernbergers mit Prinz Moritz von Oranien im Oktober 1621, die dazu führen, dass Fernberger gegen die Übergabe seiner gesamten Barschaft freigelassen wurde. Wenig später findet er sich vollkommen pleite in Amsterdam wieder und sucht eine Möglichkeit, nach Hause, nach Österreich, zurückzukehren. Es sah schlecht aus, da die Niederländer kriegsbedingt alle Verbindung nach Brabant und Flandern unterbrochen hatten. Da fand Christoph Carl im Hafen von Amsterdam ein Schiff, das angeblich nach Venedig unterwegs war, und es gelang ihm, als Küchenhilfe anzuheuern.

Ob diese Schiffsreise auf einem Missverständnis oder auf Betrug beruhte, wird nicht klar. Auf jeden Fall stellte sich spätestens auf dem Atlantik ("vil höhere wellen und vil geferlicher") heraus, dass das Ziel der Reise Sierra Leone in Afrika war, wo man einige Handelsgeschäfte erledigte und am 26. Jänner wieder auslief. Bald danach geriet das Schiff in einen heftigen Sturm und trieb drei Tage und Nächte mit geborgenen Segel und festgezurrtem Ruder steuerlos über das Meer, "alßo das der schiffer zu uns sagt, man, befehl ieder sein seel zu gott, wier haben leib und guet verloren". Wenig später kracht das Schiff dann gegen die Felsküste der Insel Boa Vista, die zu den Kapverdischen Inseln gehört. Fernberger, der nicht schwimmen kann, klammert sich an ein Stück Holz und wird glücklich von einem Mitreisenden mit einem Seil an Land gezogen.

Einige Tage später sichten die Schiffbrüchigen eine Flotte, fünf holländische Schiffe, die bereit sind, sie aufzunehmen. Allerdings handelt es sich um Schiffe im Dienst der Ostindischen Kompanie, der mächtigen holländischen Kolonialorganisation, die nach Indonesien unterwegs sind. Diese Perspektive ist für einige der Schiffbrüchigen so entsetzlich, dass sie lieber auf dem Felsen auf dem Atlantik ausharren. Nicht zu unrecht, denn von den 1300 Mann, die auf fünf Schiffen unterwegs waren, sollten gerade einmal 318 Jakarta erreichen, davon die Hälfte schwer verletzt oder todkrank. Von den fünf Schiffen mussten mangels Besatzung im Lauf der Reise vier aufgegeben werden.

Doch Fernberger kümmerte sich nicht um solche Bedenken, stieg um und reiste mit den Holländern weiter nach Süden, dann über den Atlantik, entlang der Küste Südamerikas bis zur Magellan-Straße, durch die die Flotte den Pazifik erreichte. Entlang der Küste ging es dann weiter bis nach Kalifornien, wobei allerlei Abenteuer zu bestehn waren, von den Frauen der Araucaner im heutigen Chile, die den Europäern "anleitung zu unzucht gaben", über Hungersnöte an Bord bis zu wilden Seegefechten mit spanischen Schiffen.

Vor Kalifornien ging das verbliebene Schiff, die "Guete Fortuen", auf westlichen Kurs und traf am 25. Juli 1623 mit knapp dreihundert Mann in der Stadt Jacatra ein, heute Jakarta. Fernberger war zu diesem Zeitpunkt so schwer krank, dass "ich gott meine arme seel bevelhen tet". Doch wie durch ein Wunder erholte er sich, wurde beim holländischen Gouverneur vorstellig und erhielt das Angebot, fünf Jahre im Dienst der Ostindischen Kompanie Handel zu treiben und danach als freier Mann nach Hause zurückzukehren.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-24 15:38:04
Letzte Änderung am 2012-08-27 12:02:20


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